Bewegender Staatsakt für den "Malocher" Clement

Bewegender Staatsakt für den "Malocher" Clement

Von Christoph Ullrich

Das Land NRW hat am Dienstag Abschied von Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement genommen. Er war Ende September im Alter von 80 Jahren gestorben.

Da waren sie wieder, die Attribute vom Kämpfer, der ungeduldig und streitbar war, der seinen Weg nach oben ging und geradeaus um die Sache kämpfte. Ob Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), Clements fünf Töchter oder Ex-SPD-Chef Gabriel – sie alle sprachen die Eigenschaften des Verstorbenen an.

"Lebensleistung sinnbildlich für NRW"

Gemeint waren diese Worte aber im positiven Sinne. Laschet verwies darauf, dass Clements Lebensleistung "sinnbildlich für die Entwicklung des Landes steht." Clement habe sich aus einfachen Verhältnissen an die Spitze des Landes gekämpft, sein politisches Wirken und sein Einsatz für den Strukturwandel hätten den Weg in das dritte Jahrtausend geebnet.

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"Wir verdanken ihm, dass NRW ein Land mit starker Industrie und Energiewirtschaft geblieben ist", so Laschet. Er habe aber auch anderen Branchen wie Medien, Chemie und Logistik in NRW den Weg geebnet. Außerdem ging er für die Ausbildung junger Menschen Klinken putzen. Laschet nannte Clement einen "Malocher, auch im höchsten Amt des Landes."

Dank im Namen der Kanzlerin

Peter Altmaier (CDU), einer von Clements Nachfolgern im Amt als Bundeswirtschaftsminister, verwies auf große Erfolge. In seiner kurzen, dreijährigen Amtszeit im Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe Clement viel bewegt.

"Er war nicht der kalte Kapitalist, zu dem ihn manche abstempeln wollten", sagte Altmaier. Stattdessen habe Clement mit seinem Engagement für die Sozialreformen in Deutschland den einst vergessenen "kranken Mann Europas" mit geheilt.

Clement sei ein entschiedener Kämpfer für die Wettbewerbsfähigkeit, die Industrie und den Wohlstand und somit für die umstrittene Agenda 2010 geblieben. Dafür dankte Altmaier auch im Namen der Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Das schwierige Verhältnis zu "seiner" SPD

Sigmar Gabriel redet beim Staatsakt für Wolfgang Clement

Sigmar Gabriel am Rednerpult

Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach auf Bitte der Famile Clements. "Dem Wolfgang wäre es wohl ein bisschen komisch vorgekommen, wenn hier nur die Schwarzen von der CDU reden würden", stieg er ein. Gabriel kritisierte ein Stück weit den Umgang der SPD mit Clement, dabei "hätten ihm die Sozialdemokraten eine Menge zu verdanken."

Der SPD sei überhaupt nicht bewusst, wie stark Clement für die Werte der Partei gestanden habe, so Gabriel. Sein konfliktbeladendes Verhältnis zur SPD, die er 2008 im Streit verlassen hatte, habe ihm bis zuletzt geschmerzt. So richtig "immunisieren konnte er sich dagegen nicht, er wollte mehr als nur Respekt", sagte der ehemalige SPD-Chef und mehrfacher Bundesminister. Er sei bis zum Schluss ein Sozialdemokrat geblieben, auch ohne Parteibuch, betonte Gabriel, "ein homo politicus mit Hang zur Selbstironie."

Erheiterung über legendäre Bier-Szene

Neben diesen andächtigen und bewegenden Worten gab es daher auch Momente zum Schmunzeln, die nicht nur an den ernsten und kämpfenden Politiker erinnern sollten. So wurde unter anderem ein kurzer Film eingespielt, in dem Clement erklärt und zeigt, wie man ein Bier in einem Schluck trinken kann.

Diese Szene ging wiederum auf einen Bericht des Spiegels zurück, der 2003 über das Verhältnis zwischen dem Bundeskanzler Schröder und seinem damaligen Wirtschaftsminister schrieb: "Schröder imponierte, dass Clement ein Glas Bier schneller austrinken kann als andere ein Glas Schnaps."

Im alten Bonner Plenarsaal sorgte diese Referenz für Erheiterung, auch bei Schröder selber, der anwesend war, wie auch unter anderem Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), ihr direkter Vorgänger im Amt, Jürgen Rüttgers (CDU) und FDP-Parteichef Christian Lindner.

Erster Staatsakt seit 2006

Es war der erste Staatsakt seit 2006 – damals wurde er abgehalten für den langjährigen NRW-Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Johannes Raus.

Die Macht am Rhein: Unsere Ministerpräsidenten WDR.DOK 13.10.2020 01:28:40 Std. UT Verfügbar bis 09.10.2024 WDR Von Clemens Gersch, Michael Wieseler

Stand: 13.10.2020, 17:29