SPD und Grüne fürchten Rückschritte beim Naturschutz

Laubheuschrecke

SPD und Grüne fürchten Rückschritte beim Naturschutz

Von Stefan Lauscher

  • Landtag debattiert über Artenschutz
  • Naturschützer beklagen Naturschutzpolitik der Landesregierung
  • Volksbegehren zum Artenschutz wie in Bayern könnte kommen

Josef Tumbrinck, der Chef des Naturschutzbundes (NABU) in Nordrhein-Westfalen, schaut etwas neidisch nach Bayern. Fast jeder fünfte Wahlberechtigte hat dort das Volksbegehren "Stoppt das Artensterben – Rettet die Bienen" unterschrieben. 1,8 Millionen Unterschriften wurden gesammelt. Dabei stehe NRW beim Thema Artensterben um keinen Deut besser da als der Freistaat im Süden, sagt Tumbrinck.

Mit den Insekten sterben auch die Vögel

"Der Rückgang von Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn hängt auch am Insektensterben und der geht quer durch die Arten", so der NABU-Mann, der sich mit Vogelkunde bestens auskennt. "Heuschrecken, Falter, Schwebfliegen: Alles ist zurück gegangen, insbesondere die Arten, die viel Masse auf die Waage gebracht haben".

75 Prozent, also drei Viertel der Insekten, sind nach Angaben von Experten in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Nahrung für zahllose Vogelarten. Die Politik tue viel zu wenig, sagt Tumbrinck. Die Naturschutzpolitik der seit fast zwei Jahren regierenden schwarz-gelben Landesregierung bezeichnet Tumbrinck als "Abrissunternehmen" und nennt als Beispiel die erst kürzlich verabschiedete Novelle des Landesjagdgesetzes, bei der viele rot-grüne Reformen zurückgenommen wurden.

Beton statt Natur?

Auch die Grüne Landtagsfraktion kritisiert die Artenschutzpolitik der neuen Regierung scharf. Nicht in allen Politikbereichen wurde nach dem Regierungswechsel alles rück-abgewickelt, sagt der grüne Umweltexperte Norwich Rüße. Aber beim Naturschutz sehe er ein klares "Roll-Back".

"Ich glaube, dass diese Landesregierung ganz klar die Maxime ausgibt: Ökonomie vor Ökologie", so Rüße. "Das gilt für die Landwirtschaft, das gilt aber auch für jedes einzelne Gewerbegebiet, das am Ende der Landesregierung wichtiger ist als die Natur". Das ökologische Jagdgesetz: einkassiert. Das so genannte 5-Hektar-Ziel für weniger Naturflächenverbrauch: ersatzlos gestrichen. Pläne für einen Nationalpark in der Senne: abgesagt. Die CDU/FDP-Regierung, so Rüße, mache eine Politik "Beton statt Natur".

Von Bayern lernen

Und das erfolgreiche Volksbegehren in Bayern: Könnte es nicht auch Signal für eine andere Artenschutzpolitik in NRW sein? Könnte schon. Aber Bereitschaft zum Umdenken sei bisher nicht erkennbar, so der Grüne Norwich Rüße. Auch in Nordrhein-Westfalen ist ein Volksbegehren gegen das Artensterben deshalb längst nicht mehr ausgeschlossen. Die Debatte am Mittwoch (20.03.2019) im Landtag sieht er als "letzten Warnschuss" in Richtung Landesregierung.

Stand: 20.03.2019, 06:00