Das Bild zeigt ein Stethoskop neben einem Kinderspielzeug.

SPD fordert Rettungsprogramm für Kinderkliniken

Stand: 08.11.2021, 15:32 Uhr

Die NRW-SPD beklagt "dramatische Versorgungsengpässe" bei Kinder- und Jugendkliniken im Land. Es stünde ein Personal- und Bettenmangel bevor. Nötig seien Investitionen von fünf Millionen Euro.

Der Grund für diesen Versorgungsnotstand sei die in diesem Jahr stark gestiegene Zahl von Kindern, die unter dem RS-Virus leiden. Das RSV ist ein weltweit verbreiteter Erreger akuter Atemwegserkrankungen. Expertinnen und Experten schätzen, dass das Immunsystem der durch den Corona-Lockdown abgeschotteten Kinder in diesem Jahr schlechter auf das RS-Virus vorbereitet ist.

Kapteinat: Kranke Kinder bereits abgewiesen

Allein in der Kinderklinik Dortmund sei ein Viertel der Belegungen auf das RS-Virus zurückzuführen, sagte am Montag die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Kapteinat. Das Klinikum Datteln habe bereits Kinder aufgrund der Bettenknappheit abweisen müssen: "Diese Situation mag sich niemand vorstellen, der selbst kleine Kinder oder Enkelkinder hat, dass man mit einem Säugling mit schwerer Atemnot vor der Kinderklinik steht, und die sagen: Bei uns ist leider voll."

Engpässe im Münsterland

Zu ernsthaften Engpässen komme es im Münsterland, hier sei es aktuell besonders schwierig, Krankenhausplätze in der Nähe des Wohnorts zu bekommen. Krankentransporte über weite Strecken könnten jedoch gefährlich sein. Zudem sei gerade für Familien und Kinder eine wohnortnahe Behandlung wichtig.

5 Millionen Euro Soforthilfe gefordert

Darum forderte Kapteinat die Landesregierung aus CDU und FDP auf, spätestens in der kommenden Woche zu einem "Gipfel Kindermedizin" einzuladen, um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Gesundheitsbranche nach einer Lösung zu suchen. Zudem machte Kapteinat den Bedarf für ein fünf Millionen Euro umfassendes Rettungsprogramm aus.

Diese Soforthilfe solle helfen, das ohnehin schon ausgedünnte Netz an Kinder- und Jugendklinken zu erhalten und kurzfristig Pflegepersonal einzustellen. "Zum einen – wenn das Personal auf dem Markt ist – es tatsächlich auch einzustellen, oder sich darüber hinaus aber auch zur Not wenigstens mit Pflegekräften als Leiharbeitnehmern über die Situation zu retten", so der Vorschlag der SPD-Politikerin. Zudem hofft sie darauf, bereits aus dem Beruf ausgeschiedene Pflegekräfte zurückgewinnen zu können.

SPD will Fallpauschalensystem in Kindermedizin abschaffen

Als eine Ursache für die verbesserungsbedürftige Versorgungslage für die Jüngsten machte Kapteinat das Fallpauschalensystem aus. Es müsse in der Kinder- und Jugendmedizin abgeschafft werden. Dieses Verrechnungsmuster mache zwar Hüftoperationen lukrativ, nicht aber die Behandlung der üblichen Kinderkrankheiten, kritisierte Kapteinat. Diese finanzielle Fehlsteuerung habe dazu geführt, dass immer mehr Abteilungen und Stationen der Pädiatrie geschlossen worden seien.

Ganz ähnlich argumentiert auch Mehrdad Mostofizadeh, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Auch die Grünen fordern eine bessere Finanzierung vom Land. "Wir erwarten vom neuen Krankenhausplan, dass er die regionalen Unterschiede ausgleicht, so dass überall sowohl stationär als auch ambulant ausreichend Strukturen in der Kinder- und Jugendmedizin vorhanden sind", sagt Mostofizadeh.

Zwischen 1991 und 2017 sei die Bettenzahl in der Pädiatrie um ein Drittel gesunken, sagt die SPD-Fraktion. Die Fallzahlen seien im gleichen Zeitraum aber von 900.000 auf mehr als eine Million behandelter Kinder und Jugendlicher gestiegen.

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WDR 2 Das Thema 21.09.2021 03:15 Min. Verfügbar bis 21.09.2022 WDR 2


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