Die Sehnsucht der SPD nach Erneuerung

Die Sehnsucht der SPD nach Erneuerung

Von Rainer Kellers

  • NRW-SPD wählt Sebastian Hartmann zum neuen Vorsitzenden
  • Starkes Ergebnis für den bisher eher unbekannten Abgeordneten
  • Hartmann vertritt klassische SPD-Positionen

Es ist ein gutes Ergebnis für einen Unbekannten. Mit 80,31 Prozent ist Sebastian Hartmann zum neuen Vorsitzenden der SPD in Nordrhein-Westfalen gewählt worden. Ein Vertrauensvorschuss von den 436 Delegierten des Parteitages am Samstag (23.06.2018) in Bochum.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Besser als erwartet

Sebastian Hartmann wirkt erleichtert nach der Wahl. Bei seiner Bewerbungsrede war der 40-jährige Bundestagsabgeordnete aus dem Rhein-Sieg-Kreis nervös. "Rot pur" will er seiner SPD verordnen, rot pur sind auch seine Wangen. Trotzdem schafft es Hartmann, die Genossen für sich einzunehmen.

Besser als erwartet, ist ein oft gehörtes Urteil über seine Rede. Hartmann kommt kämpferisch rüber. Es gelingt ihm, einen Neuanfang zu verkörpern. Und der ist bei der SPD – da sind sich viele einig – längst überfällig.

NRW-SPD sucht den Weg aus der Krise

WDR 5 Morgenecho - Interview | 23.06.2018 | 07:49 Min.

Download

Wie das gelingen soll? Man müsse endlich wieder über die richtigen Dinge streiten, sagt Hartmann. Die SPD will er raus zu den Menschen schicken. Sie solle aufhören, sich um sich selbst zu drehen, nicht länger vergangenen Zeiten hinterhertrauern.

Neue Generation, neue Ideen

Für vergangene Zeiten steht der scheidende Vorsitzende Michael Groschek, und das weiß der 61-Jährige auch. "Die alten Geschichten sind auserzählt", sagt er. Jetzt sei eine neue politische Generation mit ihren Ideen dran. Diese Generation wird später in die Parteispitze gewählt. Mit einem Durchschnittsalter von 41 Jahren ist es der jüngste Parteivorstand in der Geschichte der NRW-SPD. Nur, welche Ideen haben die Neuen?

Viel sagt Hartmann dazu nicht. Und das Wenige klingt nach klassischen SPD-Positionen. Hartmann ist für den "solidarischen Sozialstaat". Finanziert werden soll er durch neue Steuern - für Reiche, auf Vermögen und Erbschaften.

Neue Wohnungen soll eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft bauen. Hohe Altschulden der Kommunen will Hartmann in einer Bad Bank versenken. Und Schule soll "einheitlich" sein: Die SPD setzt auf die Einheitsschule oder ein zweigliedriges Schulsystem.

Explizit wendet sich Hartmann gegen Hetze und Ausländerhass. Die CSU nennt er später "AfD in Lederhosen".

Nahles zu Gast in Bochum

Das ist eine Formulierung, die von Andrea Nahles stammen könnte. Die SPD-Parteivorsitzenden ist zu Gast in Bochum. Ähnlich wie Hartmann verspricht auch sie, schwierige Themen anzugehen. Zum Beispiel bei der Flüchtlingspolitik, bei der sie für einen "humanen, realistischen und nüchternen Kurs" eintritt.

Den neuen NRW-Vorsitzenden sieht Nahles als Verbündeten. Und prognostiziert: "Mit ihm werdet ihr noch viel Spaß haben." Eines jedenfalls hat Hartmann schon geschafft: Es ist nun kein gänzlich Unbekannter mehr.

Stand: 23.06.2018, 15:42