Die SPD und ihre Schatten-Frauen

SPD-Kandidaten auf dem Podium

Die SPD und ihre Schatten-Frauen

Von Nina Magoley

  • SPD will eine neue Doppelspitze aus Mann und Frau
  • Männer der Kandidatenpaare stehen im Vordergrund
  • Auch bei Regionalkonferenz in Duisburg am Sonntag

Olaf Scholz, Norbert Walter-Borjans, Karl Lauterbach - sie alle bewerben sich als neue SPD-Führungskräfte. Aber nicht sie allein, denn die Partei will erklärtermaßen eine Doppelspitze - auch, um ihre Überzeugung von Demokratie und Gleichberechtigung unter Beweis zu stellen. Doch wirklich überzeugend kommt sie damit offenbar nicht rüber.

Seit vielen Wochen ziehen die Kandidaten für die neue SPD-Doppelspitze von einer Regionalkonferenz zur nächsten, um für sich zu werben. Am Sonntag (06.10.2019) präsentierten sie sich in Duisburg vor 1.500 Parteimitgliedern. Doch auch hier traten die Bewerberinnen kaum aus dem Schatten ihrer männlichen Kollegen hervor. Fast alle Duisburger Genossen, die im WDR-Interview anschließend nach ihrer bevorzugten Doppelspitze befragt wurden, nannten ausschließlich die Namen der Männer.

Namen der Kandidatinnen teils wenig bekannt

Olaf Scholz und Klara Geywitz auf dem Podium, Scholz spricht

Olaf Scholz und ... Klara Geywitz

Selbst nach vielen Wochen Marathon und mittlerweile 21 Regionalkonferenzen sind die Namen der Kandidatinnen in der Öffentlichkeit kaum bekannt: Petra Köpping, Saskia Esken, Nina Scheer oder Klara Geywitz kennen nur wenige. Geywitz, die zusammen mit Olaf Scholz kandidiert, fielen Parteikollegen aus ihrem eigenen Brandenburger Landesverband bereits in den Rücken. "Für die erste Reihe" sei sie nicht die Richtige, zitiert der Spiegel den Genossen Harald Sempf.

Da wunderte es nicht, dass noch gut zwei Wochen vor Ablauf der Bewerbungsfrist den zumeist prominenten Kandidaten ein weiblicher Gegenpart fehlte. Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange hatte ihre Kandidatur nach anfänglicher Entschlossenheit wieder zurückgezogen. Manch andere interessierte SPD-Frau könnte die offizielle Bewerbung gescheut haben allein aus Angst, innerhalb der Partei nicht die nötige Unterstützung zu bekommen - zumal nach der viel kritisierten öffentlichen Demontage der Ex-Chefin Andrea Nahles.

"Männer- und Mackerpartei"

Ein tiefes strukturelles Problem vermutete die ehemalige Kieler SPD-Oberbürgermeisterin und Journalistin Susanne Gaschke kürzlich im Deutschlandfunk: "Es könnte zum Beispiel sein, dass die Arbeiter-, Kumpel-, Männer- und Mackerpartei SPD die Quote einfach nie richtig ernst genommen hat."

"Bislang reden alle über die Männer in der SPD", stellte auch Spiegel-Korrespondent Markus Feldenkirchen im WDR2-Interview fest, die jeweiligen Frauen in den Paarungen würden eher wie "schmückendes Beiwerk" behandelt. Seine These: Auch wegen ihrer "überbordenden Männlichkeit" sei die SPD in ihr derzeitiges, historisches Tief gestürzt. "Dabei werden die Kandidatinnen am Ende über den Parteivorsitz entscheiden", ist Feldenkirchen überzeugt.

Markus Feldenkirchen: SPD - Kandidatinnen entscheidend

WDR 2 Beobachter 23.08.2019 03:28 Min. Verfügbar bis 22.08.2020 WDR 2

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Stand: 06.10.2019, 16:21