Brennpunkt-Schulen sollen mehr Personal und Geld bekommen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei.

Brennpunkt-Schulen sollen mehr Personal und Geld bekommen

Von Sabine Tenta

Das Schulministerium hat alle Schulen in NRW in einen Sozialindex klassifiziert. Die besonders bedürftigen Schulen sollen mindestens eine halbe Stelle mehr erhalten. Der Opposition reicht das nicht.

NRW hat jetzt einen "schulscharfen Sozialindex", der "mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit" ermöglichen soll, erklärte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf. Damit habe man eine neue Grundlage für die Verteilung von Stellen geschaffen.

Der neue Sozialindex löst den bisherigen Kreissozialindex ab. Er hat die sozialen Unterschiede an den Schulen nur auf Kreisebene abgebildet, die neue Erhebung liefert hingegen Daten für jede einzelne Schule in NRW.

So funktioniert der neue Sozialindex

Es gibt für jede Schule in NRW eine Klassifizierung von 1 bis 9. Je höher die Zahl, desto größer ist der Unterstützungsbedarf. Zur Einordnung sind laut Gebauer vier Indikatoren herangezogen worden:

  1. Wie groß ist die Kinder- und Jugendarmut im Einzugsgebiet der Schule?
  2. Wie häufig ist die Familiensprache nicht Deutsch?
  3. Wie viele Kinder sind direkt aus dem Ausland zugezogen?
  4. Wie groß ist der Förderbedarf beim Lernen, bei der emotionalen und sozialen Entwicklung sowie der Sprache?

Mehr als 300 Schulen besonders betroffen

Mehr als 300 Schulen gehörten zur Stufe 6-9, so Gebauer. Das seien zwar "nur" rund fünf Prozent der NRW-Schulen, "aber das sind am Ende des Tages fünf Prozent zu viel".

Neue Stellenverteilung ab dem nächsten Schuljahr

Die Konsequenz aus dieser Erhebung sei, dass ab dem kommenden Schuljahr 2021/22 rund 5.200 Stellen anders zugewiesen und verteilt werden. Davon seien 3.260 gegen den Unterrichts-Ausfall gedacht und von diesen wiederum 360 Stellen für die Schulen mit einem Sozialindex ab Stufe 6. Weitere 1.500 Integrationsstellen seien für Sprachbildung und -förderung vorgesehen - für Schulen ab Stufe 3. Und dann gibt es noch 450 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte in Grundschulen. Wobei Gebauer betonte, dass jede der betroffenen Schulen "mindestens eine halbe Stelle" erhalte.

Grüne und SPD: Es fehlen zusätzliche Stellen

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im NRW-Landtag, Sigrid Beer, kritisierte am Dienstag, ein zielgerichteter Sozialindex funktioniere nur, "wenn zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden". Gebauer würde jedoch faktisch nur vorhandene Stellen neu verteilen.

Ähnlich äußerte sich der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jochen Ott. Es sei "ein billiger Taschenspielertrick", wenn lediglich Stellen umverteilt würden. "Wir brauchen jedoch keine Umverteilung, sondern müssen zu einer bedarfsgerechten Verteilung von Personal und Ressourcen kommen. Dafür müssen dauerhaft deutlich mehr Stellen geschaffen werden."

Beer schlägt stattdessen vor, Lehramtsstudierende, Künstler, Handwerker oder Jugendarbeiter für die Schulen zur Unterstützung zu gewinnen. "Allein im vergangenen Jahr seien mehr als 266 Millionen Euro wegen unbesetzter Stellen an das Finanzministerium zurückgeflossen, die für Stellenkontingente vorgesehen waren."

Ärger um Sozialindex an Schulen

WDR 5 Westblick - aktuell 07.04.2021 09:34 Min. Verfügbar bis 07.04.2022 WDR 5


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Stand: 04.05.2021, 17:04

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