Politik nimmt Shisha-Bars ins Visier

Das Bild zeigt eine junge Frau in einer Shisha Bar.

Politik nimmt Shisha-Bars ins Visier

Von Thomas Drescher

  • Landesregierung will schärfere Gesetze und mehr Kontrollen
  • Innenminister: Rückzugsräume für kriminelle Clans
  • SPD und Grüne betonen Gesundheitsgefahren

Was hat es auf sich mit diesen Shisha-Bars, in denen vor allem junge Gäste Wasserpfeifen rauchen? Darüber hat am Donnerstag (15.11.2018) der Landtag in einer Aktuellen Stunde debattiert.

Sind es "die Wohnzimmer krimineller Clans", wie es ein CDU-Abgeordneter formulierte? Oder sind es eher harmlose "Räume zur urbanen Freizeitgestaltung" von Jugendlichen?, wie ein FDP-Redner sie nannte? Oder sollte man Shisha-Bars vor allem wegen der gesundheitlichen Risiken kritisch sehen, wie SPD und Grüne es tun, weil man sich mit dem Rauch die Gesundheit ruiniert (langsam) oder sich mit Kohlenmonoxid vergiftet (schnell)?

Letzteres passiert häufiger, etwa am letzten Wochenende in Bochum, weil Shishas, die früher mal Wasserpfeifen hießen, mit Holzkohle betrieben werden - was in geschlossenen Räumen gefährlich ist.

Brennpunkt für krumme Geschäfte

Für Innenminister Herbert Reul (CDU) ist die Sache ziemlich klar: In Shisha-Bars und in deren Umfeld tummeln sich Angehörige krimineller Clans. Die Bekämpfung dieser Clans hat sich Reul, der gerne schon mal seine Fahnder zur Razzia begleitet, zur Mission gemacht.

485 Objekte wurden in den vergangenen Monaten durchsucht, berichtete er dem Landtag, 278 Anzeigen erstattet, 40 Personen festgenommen - und 15 Betriebe geschlossen. Der Innenminister will weiter "den Kontrolldruck erhöhen", die Geldströme verfolgen. Außerdem will er Aussteigern Hilfsangebote machen.

Die AfD kritisierte, die Politik habe die Entwicklung des kriminellen Umfelds um einige Shisha-Bars lange ausgeblendet.

Passend dazu breitete der Chefermittler für Organsisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt NRW in der Rheinischen Post (15.11.2018) einige Details zur Clan-Kriminalität aus.

50 dieser Clans würden derzeit in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Sie tummeln sich in unterschiedlichen Geschäftsfeldern: Neben den klassischen Einnahmequellen wie Drogen, Geldwäsche und Prostitution ist vom Handel mit Luxusautos die Rede, von horrend teuren Schlüsseldiensten. Möglicherweise seien Clans auch in den Erwerb von Schrottimmobilien involviert.

Gesundheitsgefahren Shisha-Bars

Anlass für die Aktuelle Stunde im Landtag waren aber die derzeit häufigen Vergiftungen mit Kohlenmonoxid. SPD und Grüne forderten CO-Melder in diesen Gaststätten, die immer dann Alarm schlagen, wenn das hochgiftige aber geruchlose Kohlenmonoxid kritische Werte erreicht. Auch der Nichtraucherschutz müsse verbessert werden.

Es wird also ungemütlich für die Betreiber. Wenn sich nichts ändert, so Gregor Golland (CDU), werde man ein Verbot der Shisha-Bars erwägen.

Stand: 15.11.2018, 15:58