Gutachter belasten Shell-Raffinerie wegen Ölleck

Shell-Raffinerie in Wesseling

Gutachter belasten Shell-Raffinerie wegen Ölleck

Von Marc Steinhäuser

Ein neuer Bericht über Leckagen in der Kölner Shell-Raffinerie ruft NRW-Umweltministerin Heinen-Esser auf den Plan. Schon vor zehn Jahren soll ein Rohr beschädigt worden sein.

Der Abschlussbericht zu einem großen Ölleck bei der Kölner Shell-Raffinerie, das im Sommer 2020 öffentlich bekannt wurde, alarmiert jetzt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU). Demnach wirft auch die Landesregierung nun Fragen auf zum Sicherheitsmanagement des Unternehmens, mit dem das Grundwasser vor Verseuchung geschützt werden soll.

Denn: Bereits vor zehn Jahren soll die betreffende Rohrleitung bei Bauarbeiten beschädigt worden sein. Das geht aus einem Schreiben von Heinen-Esser an den Landtag hervor, das dem WDR vorliegt.

Verlust von 300 Tonnen Öl „nicht plausibel geklärt“

Der eingesetzte Sachverständige stellt in seinem Abschlussbericht laut Ministerium fest, bis heute sei "noch nicht plausibel geklärt", warum die Leckage im Betrieb "trotz der großen ausgelaufenen Mengen über längere Zeit unbemerkt blieb". Insgesamt waren rund 300 Tonnen Gasöl durch ein Leck in einer unterirdischen Rohrleitung im Boden versickert.

Erst im Sommer 2020 wurde der Vorfall überhaupt öffentlich bekannt – doch Recherchen des WDR-Magazins Westpol hatten gezeigt, dass bereits Jahre vorher Mängel an der Problem-Leitung intern dokumentiert worden sind. Bereits 2017 und 2018 stellten Prüfer ungesicherte Armaturen, schwingende Rohre und Produktreste auf der 60 Jahre alten Leitung fest.

Spätestens im März 2019 wurde bei Shell an der betreffenden Gasöl-Leitung sogar eine "Leckage wegen Außenkorrosion" festgestellt, wie interne Dokumente zeigen. Auf WDR-Anfrage räumte Shell dies ein und betonte, alle Mängel seien jeweils behoben und der Bezirksregierung gemeldet worden.

Ölaustritt bei Shell: Vertuschte Probleme? Westpol 15.11.2020 UT DGS Verfügbar bis 15.11.2021 WDR

Sachverständige: Schutzrohr ist bereits 2010 beschädigt worden

Doch der Abschlussbericht des beauftragten Sachverständigen lässt vermuten, dass das Gasöl jahrelang in den Boden geflossen sein dürfte. Das Schutzrohr sei bereits durch eine "im Jahr 2010 durchgeführten Baumaßnahme beschädigt" worden, heißt es jetzt im Schreiben des Ministeriums an den Landtag.

NRW-Umweltministerin Heinen-Esser übt in dem Bericht erstmals deutliche Kritik am Sicherheitsmanagement der Shell-Raffinerie. Die Ministerin listet zwei weitere Leckagen aus diesem Jahr auf. Diese stellten "weitere Indizien dar, dass der Umgang der Firma mit ihren alten Rohrleitungen dringend verbesserungsbedürftig ist."

Die CDU-Landtagsfraktion hat nun klare Forderungen an das Unternehmen. "Wir erwarten von Shell volle Transparenz und ein möglichst hohes Maß an Vorsorge", erklärte die umweltpolitische Sprecherin Bianca Winkelmann auf WDR-Anfrage.

Krisensitzung der Landesregierung zu Shell-Raffinerie

Bereits an diesem Donnerstag ruft Umweltministerin Heinen-Esser deshalb zu einer Krisensitzung Vertreter von Shell, der Bezirksregierung Köln und ihrem eigenen Ministerium zusammen. Konkrete Entscheidungen sollen aber erst nach einem weiteren Gutachten von Shell und einem Begleitkreis fallen.

Denkbar wäre unter anderem, dass Shell früher als bislang vorgeschrieben alte unterirdische Rohre erneuern und die Leitungen zeitnah oberirdisch verlegen muss.

Stand: 01.12.2020, 16:28