Syphilis und Tripper - Experten fordern mehr Aufklärung

Pinkes Kondom

Syphilis und Tripper - Experten fordern mehr Aufklärung

  • Sexuell übertragbare Infektionen nehmen in NRW zu
  • Höhere Zahlen bei Syphilis und Tripper
  • Experten fordern mehr Aufklärung und Impfungen

Im Kampf gegen die sich ausbreitenden sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis und Tripper fordern Experten breit angelegte Aufklärungsprogramme. Auch der Zugang zu kostengünstigen und sicheren Selbsttests müsse erleichtert werden.

Das geht aus Stellungnahmen für eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des NRW-Landtags am Mittwoch (05.09.2018) hervor. Der Ausschuss befasst sich mit der Entwicklung sexuell übertragbarer Infektionen (STI).

Weitere Zunahme erwartet

"Es ist davon auszugehen, dass die STI-Zahlen weiter zunehmen werden, insbesondere unter heterosexuellen Menschen", erklärt Professor Norbert Brockmeyer, Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft.

Elektronenmikroskop-Aufnahme: Erreger von Gonorrhoe (Tripper)

Erreger von Gonorrhoe (Tripper)

Besorgniserregend sei dabei die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen, etwa bei Gonokokken. Diese Bakterien lösen die Gonorrhoe (Tripper) aus - nach den Chlamydien-Infektionen die zweithäufigste sexuell übertragene Erkrankung.

Mögliche Unfruchtbarkeit

Bei Syphilis meldet das Robert Koch-Instituts (RKI) einen starken und andauernden Anstieg. In NRW habe sich die Häufigkeit von 5,7 Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2009 auf zehn Fälle pro 100.000 im vergangenen Jahr fast verdoppelt.

Syphilis-Infektionen nehmen zu

WDR 5 Leonardo - Hintergrund 28.03.2018 10:38 Min. WDR 5

Download

Bei Chlamydien gehen die Schätzungen laut Brockmeyer von bis zu 250.000 Infektionen jährlich in Deutschland aus. Das von Brockmeyer geleitete Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin "Walk in Ruhr" in Bochum diagnostizierte 2017 ein Viertel mehr Infektionen als 2016.

Oft zeigen sich bei den Infektionen keine akuten Symptome, aber die Folgen können schwerwiegend sein. So können Chlamydien bei Frauen zu chronischen Unterbauchentzündungen und bei Männern und Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.

Krebs im Genitalbereich

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt inzwischen auch für Jungen eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Sie kann das spätere Auftreten verschiedener Krebsarten im Genitalbereich verhindern. Die Impfung wird für Mädchen bereits seit 2007 zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs empfohlen.

Keine Entwarnung bei Aids

Etwa 640 Männer und Frauen in NRW haben sich nach RKI-Schätzungen 2016 mit HIV angesteckt. Diese Zahlen sind nicht zu verwechseln mit den tatsächlich erfassten HIV-Diagnosen, da diese oft erst Jahre nach der Infektion erfolgen.

2017 wurden in NRW knapp 700 HIV-Erstdiagnosen verzeichnet. Ende 2016 lebten in NRW geschätzt 19.200 Menschen mit HIV. Im gleichen Jahr starben in NRW 120 Menschen an Aids.

Stand: 05.09.2018, 08:40