Experten kritisieren Schwimmunterricht an Schulen

Drei Kinder schwimmen hintereinander auf einer Bahn im Hallenbad

Experten kritisieren Schwimmunterricht an Schulen

"Jedes Kind soll am Ende der Grundschulzeit schwimmen können", gibt der NRW-Lehrplan vor. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht - große Aufgaben für die neue Schulministerin.

"Grundschulkinder können immer schlechter schwimmen", sagt Achim Wiese von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). "Wir sehen diese Tendenz auch", ergänzt Joachim Heuser, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Auch wenn die Angaben zum Nichtschwimmeranteil stark schwanken: Experten sind sich darin einig, dass viele Kinder nach dem vierten Schuljahr nicht richtig schwimmen können - nicht selten mit tödlichen Folgen.

Ursache 1: Die Eltern verlassen sich auf die Schule

Warum nicht alle Kinder am Ende der Grundschulzeit schwimmen können, hat nach Expertenansicht mehrere Ursachen: Immer mehr Eltern verließen sich darauf, dass Kinder in der Schule schwimmen lernten, sagt Dorothea Schäfer, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW. Die Schulen seien damit aber oft überfordert.

Ursache 2: Es gibt zu wenig Schwimmbäder

Ein Grund für die Überforderung der Schulen sei, dass immer mehr Schwimmbäder schließen, sagt GEW-Vorsitzende Schäfer. Es sei derzeit unklar, ob alle Grundschulen in NRW Zugang zu einer Schwimmhalle haben und Schwimmunterricht geben können. Fakt ist: Die Zahl der Schwimmbäder nimmt in NRW seit Jahren ab. 2016 wurden nach Angaben der DLRG in NRW vier Frei- und acht Hallenbäder geschlossen. 2017 waren es sieben Frei- und neun Hallenbäder. Neueröffnungen gab es nach DLRG-Erhebungen in NRW nicht.

Ursache 3: Es fehlt an Sportlehrern

Außerdem gebe es an Grundschulen zu wenig ausgebildete Sportlehrer, sagt GEW-Landesvorsitzende Schäfer. Von 45.553 Lehrkräften an Grundschulen im Schuljahr 2016/2017 haben 9.277 laut der Schulstatistik eine Ausbildung im Fach Sport. "Das ist verglichen mit anderen durch alle Klassenstufen unterrichteten Fächern wie Mathe sehr, sehr wenig", sagt Schäfer. Lehrer unterrichteten deshalb mitunter das Fach Schwimmen an der Grundschule, obwohl sie das nie studiert haben. Die Vorgängerregierung hat zwar 2015 per Erlass eine Fortbildungsmöglichkeit für Grundschullehrer geschaffen: "Es gab pro Regierungsbezirk aber zu wenig Angebote", so Schäfer. Wer Schwimmen unterrichtet, muss nach einem Erlass von 2015 seine Rettungsfähigkeitsbescheinigung regelmäßig erneuern.

Wie viele Nichtschwimmer gibt es eigentlich?

Wie groß der Nichtschwimmeranteil am Ende der Grundschulzeit ist, lässt sich nicht genau sagen. Forscher der Universität Wuppertal haben sechs Studien zur Schwimmfähigkeit aus den Jahren 2006 bis 2015 ausgewertet. Darin schwankt der Nichtschwimmeranteil von 7,1 Prozent bis 46 Prozent. "Die Systematik der Studien ist unterschiedlich", sagt Maike Kels von der Universität Wuppertal. Deshalb seien sie nicht miteinander vergleichbar. Mal würde nach Grundfertigkeiten gefragt, mal nach dem Schwimmabzeichen Bronze, mal befragten Forscher Eltern, mal Lehrer. Uneins sind sie schon darüber, ab wann ein Kind schwimmen kann: Was muss es dafür können?

Ziel: Jedes Kind muss schwimmen können

Damit haben die Schulpolitiker ihr selbst gestecktes Ziel, jedem Kind bis zum Ende der Grundschulzeit das Schwimmen beizubringen, nicht erreicht. Das will die neue Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ändern: Laut Koalitionsvertrag soll es am Ende der Grundschulzeit ausschließlich sichere Schwimmer geben.

"NRW kann schwimmen" wird fortgeführt

Welche konkreten Schritte dafür nötig sind, muss aber noch geprüft werden. Das Landesprogramm "NRW kann schwimmen", das von Rot-Gelb aufgelegt und bis 2020 verlängert wurde, soll auf jeden Fall fortgeführt werden. Dafür gibt es 135.000 Euro im Jahr für Schwimmkurse, die außerhalb der Schule stattfinden.

Stand: 08.10.2017, 14:47