Wie die Pandemie einen "Stau an Nichtschwimmern" produziert hat

Wie die Pandemie einen "Stau an Nichtschwimmern" produziert hat

Von Christian Wolf

Viele Kinder können nicht schwimmen. Das Problem gab es schon vor Corona: zu wenig Schwimmbäder und zu wenig Schwimmlehrer. Doch die Pandemie alles schlimmer gemacht. Was ist zu tun?

Dem Corona-Lockdown in den Schulen ist nicht nur der Deutsch-, Mathe- oder Biologieunterricht zum Opfer gefallen. Auch das schulische Schwimmen hat unter den Beschränkungen massiv gelitten. Denn wenn Bäder geschlossen sind und die Schüler zuhause bleiben müssen, ist Schwimmen unmöglich - selbst beim besten Homeschooling.

DLRG: Situation deutlich verschärft

Dirk Zamiara von der DLRG Nordrhein

Dirk Zamiara von der DLRG Nordrhein

Allmählich wird deutlich, welche Auswirkungen das hat: Viele Kinder können nicht richtig schwimmen. Die Situation habe sich "deutlich verschärft" durch die Pandemie, sagt Dirk Zamiara von der DLRG Nordrhein. Im vergangenen Schuljahr hätten quasi alle Viertklässler die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können. "Mit großer Sorge" würden die Auswirkungen auf die Schwimmfähigkeit beobachtet. Es habe sich ein "Stau an Nichtschwimmern" gebildet.

Zamiara war am Dienstag zusammen mit anderen Experten im Landtag und hat über die Probleme berichtet. Anlass der Anhörung war ein Antrag der SPD und einer der AfD zum Thema.

Weniger Schwimmbäder nutzbar

Doch was muss nun getan werden? Einigkeit herrscht darüber, dass es mehr Schwimmstunden und Kurse braucht. Doch das sagt sich so leicht. "Diese sind limitiert durch die Anzahl vorhandener Ausbilder und der zur Verfügung stehenden Wasserfläche", heißt es vom Schwimmverband NRW. In den vergangenen 20 Jahren seien über 40 Prozent der Bäder, in denen auch Schwimmausbildung möglich ist, verschwunden. Denn: Ein neues Spaßbad mit Rutschen und Wellengang hilft nicht.

Immer mehr Bäder schließen - Schulschwimmen leidet Sportschau 16.08.2021 04:49 Min. Verfügbar bis 16.08.2022 Das Erste

Geld für Sanierung und laufenden Betrieb

"Dieses Problem wird sich nicht kurzfristig lösen lassen", sagt DLRG-Mann Zamiara. "Das ist so gravierend und nicht neu, sondern schon alt, dass es nicht mal eben zu lösen ist." Es brauche ein Programm zur Sanierungen und Neubau von Bädern - aber auch, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Oftmals sei das für Kommunen das größte Problem. Hinzu komme: Es brauche mehr Menschen, die auch Schwimmunterricht geben können.

Die Landesregierung versucht zwar, mit vielen Programmen gegenzusteuern. Aus Sicht der Opposition ist das aber zu wenig. SPD und AfD fordern in ihren Anträgen neue Konzepte zum Schwimmenlernen. Zusätzliche Kurse sollten aus Coronageldern des Landes finanziert werden, meint die SPD. Überlegungen, einfach die Hallenbäder dem Schulschwimmen zu geben, findet die Bädergesellschaft hingegen nicht gut. "Schulschwimmen muss genug Flächen haben. Aber wir spielen nicht das Schulschwimmen gegen die Freizeitbäder aus. Das ist beides notwendig", sagt Christian Mankel von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

Ausgefallener Schwimmunterricht: "Langfristige Folgen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.07.2021 05:42 Min. Verfügbar bis 08.07.2022 WDR 5


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Stand: 14.09.2021, 16:52