Schweinepest: Wie sinnvoll ist die Wildschweinjagd?

Eine Bache und ihre Frischlinge suhlen sich in einem Gehege vom Heimat-Tierpark Olderdissen in Bielefeld

Schweinepest: Wie sinnvoll ist die Wildschweinjagd?

Von Sabine Tenta

  • Wildschweine könnten Schweinepest übertragen
  • Umweltministerium reduziert Schonfrist
  • BUND kritisiert: das sei kontraproduktiv

Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist für den Menschen ungefährlich, unter Schweinen aber hochansteckend und tödlich. Schweinehaltern drohen daher große wirtschaftliche Einbußen, wenn das Virus auf ihren Bestand übergreift.

Um die Gefahr der Übertragung auf landwirtschaftliche Betriebe zu reduzieren, hat NRW-Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) die Schonzeit für Wildschweine per Erlass reduziert. Ausgenommen sind nur "Muttertiere mit Frischlingen unter etwa 25 Kilogramm", wie das Ministerium mitteilte.

So gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest

WDR 5 Leonardo Top Themen | 09.01.2018 | 06:52 Min.

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Schonzeit bis 2021 reduziert

Die weitgehende Reduzierung der Schonfrist gilt bis zum 31.01.2021. Nicht, weil die Schweinepestgefahr so lange bestehe, sondern auch, um auf "langanhaltende massive Beschwerden der Landwirte" wegen zu vieler Wildschweine zu reagieren, so Peter Schütz vom NRW-Umweltministerium. Immer wieder würden die Tiere auf Äckern fressen.

Führt mehr Jagd zu mehr Wildschweinen?

Das Ministerium setzt also auf eine intensivere Jagd. Für Holger Sticht vom BUND NRW "ist die intensive Jagd aber ein Teil des Konflikts und nicht Teil der Lösung." Denn sie führe zu einer verstärkten Vermehrung der Wildschweine.

Sticht verweist auf eine Studie, die zwei Wildschweinpopulationen verglich: eine häufige und eine kaum bejagte. In dem stark bejagten Bestand sei die Vermehrungsrate "signifikant höher gewesen".

Diesen Effekt bestätigt auch Ministeriumssprecher Peter Schütz. Darum müsse "der Zuwachs der Wildschweine pro Jahr überkompensiert werden." Also: Noch mehr Wildschweine müssten abgeschossen werden. Ob die Jägerschaft das leisten könne, wisse Schütz nicht: "Es wird sicherlich Regionen geben, da schaffen es die Jäger nicht."

BUND setzt auf Elektrozäune

Der BUND setzt zum Schutz der Landwirtschaft hingegen auf niedrige Elektrozäune. Mit ihnen könnten Äcker effektiv geschützt werden.

Dass Wildschweine auch in Siedlungsbereiche eindringen, sei ebenfalls eine Folge der großflächigen Jagd in NRW: "Die Wildschweine gehen dahin, wo sie nicht bejagt werden" und das seien dann oft die Siedlungsbereiche des Menschen, so Holger Sticht vom BUND.

Wir brauchen das Wildschwein

Dass wir das Wildschwein brauchen, darin sind sich das Umweltministerium und der BUND einig. Peter Schütz zitiert die alte Försterweisheit: "Das Wildschwein ist der Gärtner des Waldes." Wildschweine lockerten den Boden auf und bereiteten ihn so für Pflanzen vor, die gut auf ihm gedeihen.

Und Holger Sticht lobt das Wildschwein "als eine unserer Schlüsselarten" und freut sich über die Artenvielfalt, die dringend zu erhalten sei.

Stand: 10.01.2018, 16:23