Zu wenig Geld für Schutz vor Klimawandel

ARCHIV - 06.06.2018:  Köln: Die Sonne scheint bei blauem Himmel am Dom.

Zu wenig Geld für Schutz vor Klimawandel

Von Jürgen Döschner

  • Mehr Investitionen in Gestaltung des Klimawandels nötig
  • NRW-Umweltministerin schlägt konkrete Maßnahmen vor
  • Bund und Länder müssten "wesentlich mehr investieren"

Bund und Länder haben in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt 600 Millionen Euro pro Jahr für Klimaanpassungen aufgewendet. Die Angaben haben die 16 Umweltministerien dem WDR übermittelt.

Laut Umweltbundesamt müssten jedoch jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro - also fast das Zehnfache - für die Anpassung an den Klimawandel ausgegeben werden.

Heinen-Esser: "Mehr grüne Infrastruktur"

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) bestätigte am Montag (10.12.2018) auf WDR-Anfrage einen Nachholbedarf.

Mit Verweis auf die Berechnungen des Umweltbundesamtes erklärte sie, dass Bund und Länder "wesentlich mehr investieren" müssten. "Wir werden Klimaanpassungsmaßnahmen deutlich verstärken müssen. Denn in diesem Jahr haben wir gesehen, dass wir tatsächlich im Klimawandel stecken."

Heinen-Esser: "Umweltpolitik ganzheitlicher betrachten"

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.12.2018 05:41 Min. WDR 5

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Die Städte bräuchten "erheblich mehr grüne Infrastruktur", sagte Heinen-Esser der Nachrichtenagentur dpa. Dazu gehörten bepflanzte "Hitzeinseln", Dach- und Fassadenbegrünung und Frischluftschneisen. Und die Landwirtschaft müsse Pflanzen anbauen, die sowohl Dürre als auch Starkregen aushalten könnten.

NRW hat seit 2009 eine Klimaanpassungsstrategie. Insgesamt 66 Maßnahmen enthält allein der 2015 unter Rot-Grün verabschiedete Klimaschutzplan NRW - mit Plänen für einen Hitzewarndienst über kommunale Starkregenkonzepte bis hin zum Hochwasserschutz.

"Pflanzen besser an Klimawandel anpassen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 26.09.2018 05:36 Min. WDR 5

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37 Millionen in fünf Jahren

Doch den Plänen und Konferenzen stehen wenig konkrete Zahlen gegenüber. Auf die Frage, wie viel NRW in den letzten fünf Jahren für Klimaanpassungen ausgegeben habe, führt das Ministerium lediglich knapp 130 Millionen Euro an, darunter 37 Millionen Euro zur Förderung des Projekts "Kommunaler Klimaschutz NRW".

Gerade in den Kommunen hapert es. Zwar gibt es positive Beispiele, wie etwa die Stadt Solingen. Sie hat ein ungewöhnliches Starkregenkonzept entwickelt und wurde dafür jüngst ausgezeichnet. Doch nach Ansicht von Klimaforschern sind viele Städte und Gemeinden angesichts der Dimension des Problems überfordert.

Städtetag: Programm ist unterfinanziert

Die Kommunen bräuchten von Bund und Ländern mehr Unterstützung, sagt Detlef Raphael vom Deutschen Städtetag. Zwar gebe es für die Kommunen Hilfen aus dem Programm der "Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel" (DAS). Doch dieses Programm sei "deutlich unterdotiert", so Raphael.

Unterdotiert erscheint auch das für Klimaanpassung zuständige NRW-Umweltministerium selbst: Der jährliche Etat für diese Aufgabe beträgt nach Auskunft des Ministeriums 515.000 Euro.

Stand: 11.12.2018, 07:35