Zahlreiche Schulen in NRW sind kaputt

Schulen in NRW: marode und kaputt Westpol 02.06.2019 UT DGS Verfügbar bis 02.06.2020 WDR

Zahlreiche Schulen in NRW sind kaputt

  • Viele Schulgebäude weiterhin in einem desolaten Zustand
  • Schulministerin Gebauer verweist auf Milliardenprogramm
  • Kommunen fordern dauerhafte Unterstützung für Sanierung

Der Sanierungsstau an den Schulen in NRW ist riesig. Dabei hat das Land eigentlich Geld für die Renovierung bereitgestellt. Und trotzdem verrottet die Infrastruktur - wie kann das sein?

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nahm in dieser Woche öffentlichkeitswirksam das erzbischöfliche Berufskolleg in Köln in Augenschein - ein nagelneues und preisgekröntes Projekt: "Ich bin wirklich überwältigt. Das, was ich hier vorgefunden habe, ist schon ganz, ganz großartig."

Doch vielerorts sieht es ganz anders aus: etwa am Dreikönigsgymnasium in Köln. Da fallen Steine aus der Fassade, haben Schüler getroffen. Jetzt ist das Gebäude eingezäunt. Und innen - da hat die Stadt die Säulen anbohren lassen, um zu sehen, wie stabil der Gebäudekern noch ist.

Kaan Hira ist hier der Schülersprecher: "Es ist eine Unverschämtheit, dass man eine Schule aufbohrt und dann die Bohrlöcher so stehen lässt." Er kann nicht verstehen, dass in dem Gebäude überhaupt noch Unterricht läuft.

Eine Milliarde Stau allein in Köln

Inzwischen weiß die Schulleitung: Das Gymnasium bekommt ein Ausweichquartier für die Sanierung - in Containern in einem Park. Allerdings erst Ende 2020. Die Stadt kommt einfach nicht mehr hinterher bei ihren Schulen. Bis zu eine Milliarde Euro beträgt der Investitionsstau bei der Schulsanierung allein in Köln.

Ulrike Sauvigny-Gamm leitet eine städtische Grundschule in Schmallenberg. Ein Gebäude von 1913 - mehr als Schönheitsreparaturen gab's bisher nicht. "Von der eigentlichen Sanierung sprechen wir jetzt seit fünf Jahren", sagt sie. Nach Verzögerungen bei der Planung hofft sie, dass es 2020 losgeht.

Ministerin: Geld ist da

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen

Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordrhein-Westfalen

Für die Gebäude sind die Schulträger zuständig - überwiegend sind das die Kommunen. Denen hat das Land zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. "Also Geld ist da", sagt Schulministerin Gebauer. "Daran scheitert es nicht. Aber man muss es auch wollen. Man muss als Kommune auch Bildung vorrangig betrachten, um dann auch entsprechend diesen Sanierungsstau auch zu beseitigen."

Kommunen: Stetige Finanzierung nötig

Die Schulen hätten Priorität für die Kommunen, sagt Claus Hamacher, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW. Aber Milliarden-Programme seien schwer schnell umzusetzen - zumal es derzeit nicht einfach sei, Handwerker zu bekommen.

"Selbstverständlich nehmen wir die Unterstützung des Bundes und des Landes in diesem Bereich gerne, aber vorzuziehen wäre auf jeden Fall eine kontinuierliche Finanzierung der Kommunen." Die Kommunen wünschen sich eine langfristigere Förderung vom Land, das Schulministerium sieht die Kommunen in der Pflicht.

Für Schüler wie Kaan Hira kommen die Modernisierungsbemühungen aber ohnehin zu spät. Wenn am Kölner Dreikönigsgymnasium die Sanierungsarbeiten beginnen, hat er vermutlich sein Abitur schon in der Tasche.

Wie kaputt sind unsere Schulen? Unterwegs im Westen 29.04.2019 28:30 Min. UT Verfügbar bis 29.04.2020 WDR Von Fritz Sprengart

Stand: 02.06.2019, 06:30

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