Gebauer in der Kritik: ungelöste Probleme beim Lehrermangel

Stand: 16.02.2022, 15:05 Uhr

Die Schulpolitik ist eines der zentralen Wahlkampf-Themen. Hitzig wurde im Landtag über Lehrermangel, gleiche Bezahlung für alle Lehrkräfte und den überraschenden Numerus-Clausus-Vorstoß von Gebauer debattiert.

Von Sabine Tenta

Die Bildungspolitik wird im Wahlkampf zur Landtagswahl am 15. Mai eine zentrale Rolle spielen - das zeichnet sich jetzt schon ab: Am Mittwoch war im Landtag die Temperatur in einer von SPD und Grünen beantragten Aktuellen Stunde dazu sehr hitzig. Die Argumente schlugen mitunter weite historische Bogen, die Debatte war voller gegenseitiger Schuldzuweisungen.

Die Debatte im Landtag drehte sich im Kern um diese drei Punkte:

Wer hat den Lehrermangel zu verantworten?

Bei Problemen, die über viele Jahre aufgewachsen sind, ist es immer schwer, die exakte politische Verantwortung zu verorten. Insbesondere in einem Bundesland, in dem es in den letzten 17 Jahren drei Regierungswechsel gegeben hat. Entsprechend war das Schuldzuweisungs-Ping-Pong zwischen den Regierungsfraktionen von CDU und FDP Richtung SPD und Grünen, die zuvor regierten und umgekehrt.

Fakt ist, dass die Ausbildung einer Lehrkraft sieben Jahre dauert. Die Ernte neu geschaffener Studienplätze wird frühestens in der nächsten Legislaturperiode eingefahren. Fakt ist auch, dass trotz der neu geschaffenen Stellen im Schulwesen - Gebauer spricht von knapp 10.000 zusätzlichen Lehrerstellen - zurzeit in NRW laut Schulministerium rund drei Prozent der knapp 160.000 Lehrerstellen in NRW nicht besetzt sind, das sind rund 5.000 Stellen. SPD und Grüne rechnen mit einer Lücke im gesamten Schulwesen von 8.000 unbesetzten Stellen.

Fakt ist auch: Lehrkräfte-Mangel ist keine Erfindung nordrhein-westfälischer Prägung, sondern auch andere Bundesländer leiden darunter und buhlen um die Fachkräfte.

Kann Gebauer den NC überhaupt abschaffen?

Für Überraschung hatte in der letzten Woche ein Vorstoß von NRW-Schulministerin Gebauer zum Numerus Clausus (NC) gesorgt: "Mit der FDP trete ich bei der kommenden Landtagswahl dafür ein, dass die Zulassungsbeschränkungen möglichst für alle Lehramtsstudiengänge entfallen, damit wir für die Schülerinnen und Schüler eine noch bessere Schüler-Lehrer-Relation schaffen können."

"Nicht Ihr Beritt", sagte an Gebauer gewandt die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, das sei Sache der Wissenschaftsministerin. Und der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott führte die Freiheit der Hochschulen beim NC an. Den Vorstoß von Gebauer nannte Ott "großes Kino" und fragte, warum die Regierung das nicht bereits gemacht hat. Ein klassischer Vorwurf an alle Regierenden, die mit neuen Themen in einen Wahlkampf ziehen wollen.

Sowohl Beer als auch Ott merkten an, dass die Abschaffung des NC nichts bringe, wenn die Hochschulen nicht mehr Ressourcen erhielten. Eine gute Betreuung der Lehramtsstudierenden sei wichtig, so Ott, er erinnerte an die hohe Zahl der Studienabbrecher in dem Bereich.

Gebauer verteidigte sich mit einem Hinweis auf das Lehrerausbildungsgesetz. Dort stehe, dass sich das Wissenschafts-Ministerium vor Abschluss von Hochschulverträgen mit den einzelnen Hochschulen zur Lehrerausbildung mit dem Schulministerium abstimmt.

Der AfD-Abgeordnete Helmut Seifen bezeichnete den NC-Vorschlag Gebauers als "beiläufig hingeworfenen Gedanken".

Wann kommt die Angleichung der Lehrkräfte-Besoldung auf A13?

Seit Jahren wird in der Schulpolitik über eine Anpassung des Gehalts für die Lehrkräfte der Grundschulen und der Sekundarstufe I auf das Niveau der Sekundarstufe II, also Besoldungsstufe A13, gesprochen. Denn der Mangel an Lehrkräften besteht insbesondere in den schlechter bezahlten Bereichen. Jochen Ott sagte, dass die SPD dreimal Anträge auf eine A13-Angleichung in den Landtag eingebracht hätten, die von der Landesregierung abgelehnt worden seien.

Dabei besteht zwischen den Parteien eigentlich gar kein Dissens in der Frage, ob es eine Angleichung geben soll. Daniela Beihl (FDP) sagte in der Debatte, "ja, wir wollen auch A13" und Petra Vogt (CDU) meinte, "sicher kann man über das Thema Besoldung nachdenken". Schulministerin Gebauer selbst hatte bereits 2017 die Anpassung bei der Lehrerbesoldung in Aussicht gestellt.

Bleibt die Frage: Wann wird die Besoldungs-Angleichung kommen? Im Interview mit dem WDR sagte die Schulministerin, für die fehlende Angleichung gebe es viele Gründe, einer sei, dass die Corona-Maßnahmen mit viel Geld verbunden seien. Die 25 Milliarden Euro für den Rettungsschirm müsse die nächste Generation abbezahlen. Eine Begründung, die auf Twitter für eine lebhafte Diskussion sorgte.

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Akuter Lehrermangel - was bringen die Maßnahmenpakete der Landesregierung?

Westpol 13.02.2022 16:43 Min. UT DGS Verfügbar bis 13.02.2023 WDR

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