In NRW-Schulen muss jetzt nur das infizierte Kind in Quarantäne

Wegen eines Coronafalls müssen nicht mehr alle zu Hause bleiben

In NRW-Schulen muss jetzt nur das infizierte Kind in Quarantäne

Von Sabine Tenta

Diese Regelung zeichnete sich schon ab und ist jetzt verbindlich: Die Quarantäne in Schulen ist nur auf die infizierte Person zu beschränken. SPD und Grüne üben Kritik.

In einer Schulmail, also einer Information aus dem Schulministerium an alle Schulen in NRW, legt das Ministerium eine neue Quarantäne-Regelung fest. Künftig muss nur noch die mit dem Corona-Virus infizierte Person in Quarantäne und nicht mehr, wie bislang, auch die unmittelbaren Sitznachbarinnen. Eine Dokumentation der Kontakte in der Schule muss nicht mehr erfolgen.

Sollten dennoch Quarantänen für Nicht-Infizierte angeordnet werden, etwa weil nicht alle Hygienemaßnahmen eingehalten oder weil nicht ausreichend gelüftet wurde, dann können diese sich ihre Isolation nach fünf Tagen mittels negativem PCR-Test beenden.

Von wegen "bundeseinheitlich"

Damit ist die Halbwertzeit sogenannter "bundeseinheitlicher" Regelungen weiter im Sinkflug. Erst am Montag hatten sich die Gesundheitsminister:innen der Länder darauf geeinigt, dass statt ganzer Schulklassen nur noch die unmittelbaren Sitznachbarn Infizierter in Quarantäne müssen. Eine Regel, die in dieser Form in NRW seit Ende der Sommerferien galt und die zuletzt dazu geführt hatte, dass sich 40.000 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne befanden.

Einen Tag später sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) dem WDR: "Ich bin dankbar, dass der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz die Bedeutung von Präsenzunterricht für die Schülerinnen und Schüler nun auch bei den Quarantänisierungsmaßnahmen berücksichtigt. Dass künftig nicht mehr ganze Schulklassen in Quarantäne geschickt werden können, ist für unsere Kinder, Jugendlichen und deren Eltern eine große Erleichterung."

Und nun weicht das NRW-Schulministerium von dieser Regelung ab und verkündet per Schulmail jene Regelung, mit der Gesundheitsminister Laumann zuvor in der Länderrunde gescheitert war. Beginn der neuen Quarantäne-Vorgabe: ab sofort!

Mehr Tests erst ab 20. September

Nicht ab sofort, sondern erst ab dem 20. September, soll es mehr Tests in weiterführenden Schulen geben. Statt der bislang zwei sind künftig drei Tests pro Woche verpflichtend.

Begründet wird der Zeitpunkt damit, dass man "den weiterführenden Schulen eine angemessene Vorbereitungszeit auf den neuen Testrhythmus" einräumen wolle.

An Grund- und Förderschulen sowie Schulen mit Primarstufen bleibt es bei den PCR-Pooltestungen mit Lolli-Tests.

Kritik von SPD und Grünen

Für den schulpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, geht die Landesregierung damit "ein großes Risiko" ein. Er fordert weiterhin eine tägliche Testung für Klassen mit Infektionsfall. Ott sagte: "Die Schutzmaßnahmen von Frau Gebauer sind inkonsequent und halbherzig."

Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, geht sogar so weit zu sagen: "Diese dramatische Gesamtsituation muss man als das benennen, was sie ist: Eine Durchseuchung mit ungewissen Folgen – Stichwort Long Covid – , die diese Landesregierung bewusst in Kauf nimmt." Auch für Beer sind zusätzliche Tests unerlässlich.

Stand: 10.09.2021, 19:23