Digitalisierung an NRW-Schulen: "Es dauert unendlich lange"

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Digitalisierung an NRW-Schulen: "Es dauert unendlich lange"

Von Nina Magoley

  • Umfrage vom Lehrerverband zeigt: NRW-Schulen hinken bei Digitalisierung hinterher
  • In Coronazeiten besonders problematisch
  • Schulministerium: Ankündigungen statt Tatsachen

Es gibt zu wenig Lehrkräfte, zu wenig Zeit für die Schüler, zu wenig Mittel für Inklusion an den Schulen NRWs und Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Das ergab eine bundesweite Umfrage, die der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Anfang des Jahres in Auftrag gegeben hatte - vor Beginn der Corona-Krise.

Mit Blick auf NRW sticht besonders die magere digitale Ausstattung der Schulen hervor. Demnach können nur in drei Prozent aller Schulen NRWs sämtliche Klassen im Unterricht mit Tablet-PC und Smartphones arbeiten. An 40 Prozent der Schulen ist das digitalisierte Lernen immerhin für vereinzelte Klassen möglich.

Ein Drittel aller Schulen in NRW gaben die schlechte Ausstattung als eins der größten Probleme an. Im Bundesdurchschnitt waren es nur gut ein Fünftel.

Digitalisierung "zwingend" in Corona-Zeiten

Fehlte es an digitaler Ausstattung schon vor der Corona-Pandemie, wird der Mangel jetzt, in der neuen Schulsituation, noch deutlicher. Viel stärkere Investitionen in die digitale Ausstattung seien nunmehr "zwingend", sagt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW, an die Landesregierung adressiert. Dringend benötigt würden ausreichend digitale Endgeräte und eine funktionierende Plattform für Lehrkräfte und Schüler, "um die hohen Anforderungen an das Organisieren des kommenden Schuljahres zu stemmen".

Viele Schüler hätten zuhause weder funktionierende Laptops noch Drucker oder gar W-LAN, sagt Dorothee Kleinherbers-Boden, Schulleiterin in Wuppertal. Besonders in sozial schwachen Familien sei das ein großes Problem. Vieles habe das Schulministerium bisher lediglich "angekündigt", sagt sie: "Es dauert unendlich lange, bis sich etwas tut."

Lehrer oft auch nicht ausgestattet

Nicht nur tausende Schüler, die zuhause lernen müssen, hängen derzeit in der Luft. Auch die Eltern kämpfen mit dem Offline-Status ihrer Schulkinder. Zwar gibt es Hausaufgaben zur Not per Email - die nötige Kommunikation mit den Lehrern sei aber oft schwierig, sagt Andrea Heck, Mutter einer Tochter, die nächstes Jahr Abitur macht.

Als Vorsitzende des Elternvereins NRW hat die Düsseldorferin eine Umfrage zum Homeschooling gestartet: Demnach haben gut 58 Prozent der befragten Eltern in den letzten Wochen kein Feedback auf ihre Rückfragen von den Lehrern erhalten.

Digitale Schule - analoger Alltag? Westpol 17.05.2020 UT DGS Verfügbar bis 17.05.2021 WDR

Digitale Lernplattformen, über die Inhalte bereitgestellt werden , aber Schüler auch Rückfragen an die Lehrer stellen können, nutzen längst nicht alle Schulen. Nach einer Untersuchung der Erziehungswissenschaftlerin Birgit Eickelmann von der Uni Paderborn kommunizieren noch 80 Prozent der Lehrkräfte per E-Mail mit ihren Schülern.

NRW hinkt hinterher

Einige Bundesländer arbeiteten schon seit 20 bis 30 Jahre am Thema "Digitale Schule", sagt Eickelmann. Andere hätten zumindest in den letzten zwei, drei Jahren "Druck gemacht" und Entwicklungen in Gang gesetzt. "Da gehört NRW im Moment noch nicht dazu."

Baden-Württemberg beispielsweise baue seit Jahren eine einheitliche Lernplattform auf. In der Corona-Krise wurden nach Angaben des Kultusministeriums in Stuttgart für 1,3 Millionen Euro zusätzliche Serverkapazitäten gekauft. Und um die Schüler leichter zu erreichen, steht seit Ende April allen Lehrern kostenfrei ein Messenger-Dienst zur Verfügung.

VBE-NRW--Landeschef Behlau sagt: Wenn die Landesregierung NRW, wie vielfach beschworen, zum "Land des Aufstiegs durch Bildung" machen wolle, ginge das nicht mit fehlender Ausstattung. Doch statt konkreter Maßnahmen hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ein "Impulspapier" für Schulen erstellen lassen: Didaktische Hinweise sollen Lehrkräften Tipps für das Lernen auf Distanz geben.

Schulministerin: Neues Geld für neue Endgeräte

Das Ministerium hätte gerade vergangenen Freitag 105 Millionen Euro für digitale Endgeräte bekommen, erklärte Gebauer am Montag (18.05.2020) auf WDR-Anfrage. Vom Bund bekommen das Land über den Digitalpakt insgesamt eine Milliarde Euro für die Digitalisierung der Schulen. Bis Ende 2020 sollen 60 Prozent aller Schulen in NRW an ein "leistungsfähiges Netz" angeschlossen sein.

Gefragt nach einer Bewertung der Schulpolitik NRWs gaben die Schulleitungen in der VBE-Umfrage der amtierenden Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit 4,1 eine noch schlechtere Note als im Jahr zuvor.

Stand: 18.05.2020, 13:41

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