NRW droht neuer Grundsatzstreit um Schulen

Stühle stehen in einer Klasse auf dem Tisch

NRW droht neuer Grundsatzstreit um Schulen

Von Christian Wolf

  • Schwarz-Gelb will an Realschulen ein Angebot für Hauptschüler schaffen
  • SPD beklagt Bruch des Schulfriedens
  • Sozialdemokraten arbeiten selbst an neuen Konzepten

Der seit 2011 geltende Schulkompromiss zwischen den großen Parteien in NRW steht vor dem Aus. Nach jahrelanger Ruhe droht ein neuer Streit um die Schulstruktur im Land.

Kündigung des Schulfriedens

WDR 5 Westblick - aktuell | 12.06.2018 | 05:04 Min.

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Änderungen bei Realschulen geplant

Anlass ist ein Antrag von CDU und FDP, der am Mittwoch (13.06.2018) im Landtag verabschiedet werden soll. Demnach soll das Land an Realschulen einen kompletten Bildungsgang für Hauptschüler schaffen - von der 5. Klasse bis zum Hauptschulabschluss.

Hintergrund ist, dass viele Hauptschulen schließen, weil die Eltern ihre Kinder an anderen Schulen anmelden. In NRW laufen in den nächsten Jahren 223 Hauptschulen aus. Um das Angebot gerade in kleineren Gemeinden zu sichern, sollen Realschulen die Möglichkeit bekommen, den Hauptschul-Bildungsgang anzubieten, heißt es in dem Antrag von CDU und FDP.

SPD beklagt Bruch des Schulfriedens

Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

Die SPD attackiert Schwarz-Gelb für diesen Plan. "Mit dem Antrag wird der Schulfrieden im Prinzip aufgekündigt - und zwar sofort", sagte Schulexperte Jochen Ott am Dienstag (12.06.2018) dem WDR. Da der Schulkonsens noch bis 2023 gelte, hätten CDU und FDP auf die Opposition eingehen müssen. "Aber einfach Fakten zu schaffen, interpretiere ich als Kündigung des Schulfriedens."

Ott verweist darauf, dass im Schulkonsens vereinbart worden sei, zugunsten der Sekundarschulen keine sogenannten Verbundschulen zu schaffen - eine Mischung aus Real- und Hauptschulen. Mit dem jetzt vorliegenden Antrag passiere aber genau das.

Auch die Lehrergewerkschaft VBE ist dagegen. Landeschef Stefan Behlau spricht von einem "überholten Konzept". "Das ist alter Wein in alten Schläuchen und bedeutet 'Mit Volldampf in die Vergangenheit'", sagt er.

SPD plant "radikale Neustrukturierung"

Kind schreibt das ABC an die Tafel (Archivbild 2012)

SPD beklagt "Zersplitterung" der Schullandschaft

Unabhängig vom aktuellen Streit arbeitet auch die SPD an neuen Positionen in der Schulpolitik. Und die könnten es in sich haben. In einem Antrag des Landesvorstandes für den Parteitag Ende Juni ist von einer "radikalen Neustrukturierung" die Rede. "Die erzwungene Fortführung des Schulkonsens' schadet den jungen Menschen in unserem Land."

"2-Säulen-Modell" im Gespräch

Bis zum Sommer 2019 soll überlegt werden, wie die "bundesweit einmalige Zersplitterung" der Schullandschaft in NRW beendet werden kann. Möglich wäre ein "2-Säulen-Modell" nach Hamburger Vorbild aus Oberschule und Gymnasium.

SPD-Mann Ott widerspricht aber dem Eindruck, dass sich die SPD damit schon jetzt vom Schulkonsens verabschiede. Es gehe darum, mit welchen Positionen die Partei in den Landtagswahlkampf 2022 ziehe, sagt er.

Stand: 12.06.2018, 14:34