NRW will mehr gegen Gewalt an Schulen tun

Ein Junge liegt auf dem Schulhof auf dem Boden, ein anderer Junge steht vor ihm und tritt ihn.

NRW will mehr gegen Gewalt an Schulen tun

  • Gewalt an Schulen in NRW ist stark gestiegen
  • Zusätzliche Stellen für Gewaltprävention geplant
  • Menschen mit Migrationshintergrund besonders gefährdet

Neben dem Lehrermangel gibt es an deutschen Schulen ein weiteres großes Problem, das auf der Tagesordnung einer seit Donnerstag (11.10.2018) in Düsseldorf stattfindenden Fachtagung im Schulministerium steht: Gewalt.

Das Landeskriminalamt registrierte 2017 an NRW-Schulen 22.900 Straftaten. Ein Anstieg von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, mehr als ein Viertel davon waren Körperverletzungen. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will das Problem mit zusätzlichen Stellen für Gewaltprävention in den Griff bekommen.

Die Ministerin im "Kölner Stadt-Anzeiger": "Klar ist, dass die Verstärkung der Gewaltprävention zusätzliche Ressourcen erfordert." Deshalb seien im Entwurf des Haushaltsplans 2019 erstmals vorsorglich 54 neue zusätzliche Stellen für die Extremismus- und Gewaltprävention vorgesehen.

Mehr Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen

Opfer der Gewalt sind nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer. "Das fängt mit Schubsen an und geht bis zu tätlichen Angriffen wie Faustschlägen und Tritten", berichtete der NRW-Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau, im Mai.

Neben einer höheren Anzahl von Körperverletzungen (6.200) wurden 2017 auch mehr Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen (55), mehr Raubtaten (105), mehr Brandstiftungen (75) und mehr Verstöße gegen das Waffengesetz (159) registriert.

In diesem Jahr sorgte eine Gewalttat an der Gesamtschule Lünen für großes Aufsehen: Ende Januar war dort ein 14-jähriger Schüler erstochen worden - angeklagt ist ein 16-Jähriger, der sich durch bloße Blicke provoziert gefühlt haben soll.

Hass auf Minderheiten auch in der Schule

Menschen mit Migrationshintergrund sind laut Konfliktexperte Andreas Zick, der an der Fachtagung in Düsseldorf teilnimmt, besonders gefährdet, Opfer körperlicher Gewalt zu werden.

"Der Hass in der Gesellschaft, vor allem auf Minderheiten, bahnt sich seinen Weg in den Schulen", sagt der Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld.

Gewalt an Bildungseinrichtungen nehme dadurch nach Einschätzung des Experten nicht stark zu, aber er nehme vermehrt Angriffe auf Schüler und Lehrer mit Migrationshintergrund wahr.

"Rechtspopulistische und in Teilen rechtsextreme Kampagnen erreichen die Schule", sagte Zick. Islamistische Radikalisierung sei ebenfalls zu beobachten. Zick rät, in Krisendienste, schulpsychologische Angebote und Sozialarbeit zu investieren.

Beleidigungen, Angriffe, Bedrohungen

WDR 5 Morgenecho - Interview | 02.05.2018 | 06:30 Min.

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Stand: 11.10.2018, 08:01