NRW-Schulministerin Gebauer will Quarantäne nur für infizierte Schüler

NRW-Schulministerin Gebauer will Quarantäne nur für infizierte Schüler

Von Martin Teigeler

Die Corona-Infektionszahlen bei Schülerinnen und Schülern sind hoch. Kritiker werfen NRW-Schulministerin Gebauer eine Durchseuchungs-Strategie vor. Die FDP-Politikerin reagiert - will aber laxere Quarantäneregeln.

NRW setzt sich für eine Lockerung der Quarantäne-Regelung an Schulen ein. Sie wünsche sich, dass "nur noch nachweislich infizierte" Kinder und Jugendliche in Quarantäne müssen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags in Düsseldorf. Am kommenden Montag beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über eine bundeseinheitliche Regelung.

Nach der Sitzung schloss Gebauer auf WDR-Nachfrage einen NRW-Alleingang nicht aus, falls es keine Einigung auf eine bundesweite Regelung geben sollte.

In NRW gibt es seit Start des neues Schuljahres Verwirrung und Unmut über die geltenden Regeln. Das Ministerium hatte darum gebeten, im Regelfall nur die Sitznachbarn von infizierten Schülern für 14 Tage nach Hause zu schicken. Gesundheitsämter haben aber oft anders entschieden und ganze Klassen in Quarantäne geschickt.

Die Stadt Köln hat bereits Anfang der Woche angekündigt, das ändern zu wollen und künftig nur noch infizierte Schüler in Quarantäne zu schicken.

Rund 30.000 NRW-Schüler sind derzeit in Quarantäne - mehr als 6.000 Kinder haben sich infiziert. Die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen sei "kein Anlass zur Aufregung", so Gebauer, aber Anlass für eine "entschlossene Präventionspolitik". Sie verwies auf die Hygienemaßnahmen an den Schulen.

Die Inzidenz in der Altersgruppe der Schulkinder ist in NRW weiterhin mit Abstand am höchsten und erreicht Werte teilweise weit über 300.

Yvonne Gebauer

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

Die Schutzmaßnahmen der Landesregierung seien wirksam, betonte die Ministerin. Man wolle den Präsenzunterricht unabhängig von Inzidenzzahlen aufrechterhalten und Unterrichtsausfall möglichst verhindern. Zudem betonte Gebauer, dass das Land die Kommunen beim Kauf von Luftfiltern finanziell unterstütze.

Werden nicht alle Fälle gemeldet?

SPD-Fraktionsvize Jochen Ott zweifelte an, ob die Zahl 30.000 überhaupt stimmt. Die Bezirksregierung Düsseldorf habe nämlich an Schulleitungen geschrieben, dass keine Einzelfälle mehr gemeldet werden sollen, sondern nur ganze Klassen in Quarantäne. Gebauer sagte, sie kenne ein solches Schreiben nicht. Später stellte das Ministerium klar, dass weiterhin die genauen Zahlen für ganz NRW erhoben würden. Die Bezirksregierung habe lediglich ihre eigene Abfrage geändert.

Die Lage an den Schulen und die Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen sind am Donnerstag auch Thema einer Sondersitzung des Landtags. Die SPD fordert dabei Auskunft von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), wie die Landesregierung eine Durchseuchung verhindern will.

Kritik von Opposition und Lehrerverbänden

Die SPD warnt vor den Folgen von Long Covid und will bei Corona-Fällen eine Fünf-Tage-Quarantäne für ganze Schulklassen mit Option auf Freitestung. Die Grünen werfen der Regierung vor, die Realität durch die Verbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus an den Schulen zu ignorieren.

Der Verband Bildung und Erziehung teilte mit, die unterschiedliche regionale Auslegung der Quarantäneregelung sorge in vielen Schulen "für berechtigten Frust". VBE-Landeschef Stefan Behlau sagte: "Es ist ein Hohn, dass die Gesundheitsminister der Länder sich erst nach Beginn des Schuljahres zusammensetzen, um Vorschläge zu bundesweit einheitlichen Quarantäne-Regelungen zu unterbreiten."

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht die Gesundheitsämter überfordert mit der derzeitigen Nachverfolgung der Quarantäneregeln. Der Präsenzunterricht brauche verlässliche Maßnahmen. "In diesem Chaos ist die Beibehaltung der Maskenpflicht und engmaschige Tests das Mindeste", so die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik.

Stand: 01.09.2021, 19:04