Klassen sollen weiterhin nicht verkleinert werden

Klassen sollen weiterhin nicht verkleinert werden

Von Tobias Zacher

Die Herbstferien sind vorbei, der Unterricht in den Schulen geht wieder los. Auch wenn es das Infektionsrisiko verringern würde: Eine Verkleinerung der Klassen plant die Landesregierung nicht.

Der Unterricht an den Schulen in Nordrhein-Westfalen läuft wieder. Angesichts der steigenden Infektionszahlen unter leicht geänderten Bedigungen: Seit Montag müssen alle Kinder ab Jahrgangsstufe 5 auch an ihrem Platz im Unterricht wieder eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Außerdem soll alle zwanzig Minuten stoßgelüftet werden. Bereits seit Monaten gilt eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände und im Gebäude.

"Wir wollen den Präsenzunterricht so lange wie möglich aufrecht erhalten", sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) dem WDR. Doch der Opposition ist das nicht genug: Sowohl SPD als auch Grüne fordern Unterricht in kleineren Gruppen. So wäre es beispielsweise denkbar, Klassen mit 30 Schülerinnen und Schülern zu halbieren und in 15er-Gruppen zu unterrichten. Das Infektionsrisiko wäre geringer. Wie könnte das gelingen? Und warum führt das Schulministerium die kleineren Klassen nicht ein?

Lehrermangel ist Knackpunkt

Eine Möglichkeit wären zeitgleich unterrichtete Kleingruppen, die zu den üblichen Zeiten in die Schule gehen. Bei einer Halbierung der Klassengrößen hieße das aber: Die Schulen müssten ihr Lehrpersonal verdoppeln, auch der Raumbedarf wäre dann zweimal so groß.

Das Raumproblem ließe sich lösen, indem die Schulen einen Schichtbetrieb mit Vormittags- und Nachmittagsunterricht einführten. Erst wenn die Vormittags-Klassenverbände das Schulgelände verlassen haben, würden die Nachmittagsgruppen kommen. Dadurch könnten die gleichen Klassenräume genutzt werden. Ein höherer Personalbedarf besteht aber auch bei diesem Modell.

Schulministerium hält kleinere Klassen für "unrealistisch"

Das Problem: Weil schon seit Jahren in Nordrhein-Westfalen Lehrermangel herrscht, ist es nicht möglich, neue Lehrkräfte einfach kurzfristig einzustellen. Außerdem würde ein Schichtsystem für Familien neue Betreuungsprobleme mit sich bringen, wenn vor allem jüngere Kinder erst am frühen Nachmittag in die Schule gehen.

Die Schulministerin erteilte geteilten Klassen am Montag auf WDR-Anfrage erneut eine Absage. Ein Schichtsystem bedeute, dass immer "ein Teil der Klasse keinen Unterricht bekommt und zu Hause bleibt", zusätzliche Räume und zusätzliches Personal gebe es nicht, so Gebauer. Ein Schichtmodell sei vor diesem Hintergrund "unrealistisch", hieß es aus dem Ministerium.

Opposition fordert Einsatz von Pensionären und Studenten

Das sieht die Opposition anders: Felix Banaszak, der NRW-Landesvorsitzende der Grünen, forderte eine Reaktivierung von pensionierten Lehrern und den Einsatz von Lehramtsstudenten. Auch Thomas Kutschaty, der Fraktionsvorsitzende der SPD, sprach von einem Einsatz Studierender oder von Referendaren.

Ein drittes denkbares Szenario, um kleinere Klassengrößen zu ermöglichen, ist ein tageweise abwechselnder Betrieb. Hierbei würden die Schülerinnen und Schüler nur jeden zweiten Tag in die Schule gehen. Es gäbe keinen größeren Raumbedarf und auch mehr Lehrkräfte wären nicht nötig. Wer zu Hause bleibt, bekommt ausführliche Hausaufgaben. Es wäre eine Art "Homeschooling light" - und würde die entsprechenden Nachteile mit sich bringen: Eltern müssten jeden zweiten Tag eine Betreuung zu Hause organisieren oder gleich selbst zu Hause bleiben, um sich um die Kinder zu kümmern.

Das Schulministerium bekräftigte aber gegenüber dem WDR, dass es Unterrichtsausfall verhindern will und "dass der Unterricht in Präsenzform den Regelfall darstellt". So bleibt unterm Strich, dass es die Landesregierung mit Maskenpflicht für die Älteren und Stoßlüften durch den Winter schaffen will.

Zeitversetzte Anreise möglich

Und mit einer zeitversetzten Anreise für die Schülerinnen und Schüler: Die Landesregierung lässt es den Schulträgern offen, den Beginn des Unterrichts zwischen 07.30 und 08.30 Uhr flexibel zu gestalten. So können Klassen der gleichen Schule zu unterschiedlichen Zeiten anfangen. Dadurch gibt es weniger Gedränge in Bussen und Bahnen und auf den Gängen der Schule. Mehrere Schulen z. B. in Herne oder Neuss gingen schon am Montag so vor. Auch bei der Organisation zusätzlicher Schulbusse will die Landesregierung helfen.

Die Schulen brauchen den digitalen Hausmeister

WDR RheinBlick 08.10.2020 30:53 Min. Verfügbar bis 08.10.2021 WDR Online


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Stand: 26.10.2020, 17:27

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