Scholz als Kanzlerkandidat: SPD im Hoffnungsjubel

Scholz als Kanzlerkandidat: SPD im Hoffnungsjubel

Von Nina Magoley

Mit der Nominierung von Olaf Scholz als Kanzlerkandidat sieht sich die schwächelnde SPD in NRW wieder auf Erfolgskurs. Mit Scholz sei "alles drin", jubelt der Landesverband.

Einstimmig haben SPD-Präsidium und Vorstand am Montagmorgen Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten für die Bundestagwahl im nächsten Jahr nominiert. Die Genossen in NRW geben sich geradezu euphorisch über diese Entscheidung und haben dem 62-Jährigen ihre Unterstützung zugesagt.

Seine Benennung sei "ein kluger Zug der beiden Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans", gab SPD-Landeschef Sebastian Hartmann am Montag bekannt. Damit sende die Partei "ein Signal der Einheit und Stärke", während "die Union weiter in der Selbstfindungsphase" verharre.

SPD-Kanzlerkandidat Scholz: "An ihm führt kein Weg vorbei"

WDR 5 Mittagsecho 10.08.2020 03:58 Min. Verfügbar bis 10.08.2021 WDR 5

Download

SPD benennt Kanzlerkandidat

WDR aktuell - Der Tag 10.08.2020 10:03 Min. Verfügbar bis 10.08.2021 WDR 3

Download

SPD nun mit "geschärftem Profil"

Olaf Scholz sei in den vergangenen Monaten der Coronakrise einen guter Teamplayer gewesen, das müsse nun genauso fortgesetzt werden. "Dann ist für die SPD bei der Bundestagswahl alles drin", ist Hartmann optimistisch, auch "Mehrheiten jenseits der Union" seien möglich. Nach Scholz' Nominierung trete die SPD "mit einem geschärften Profil und neuer Einigkeit an, Verantwortung für das Land zu übernehmen".

Hartmann hatte sich bereits vor einigen Tagen für eine zügige Kanzlerkandidatur von Bundesfinanzminister Olaf Scholz ausgesprochen - und zwar noch vor den im September anstehenden Kommunalwahlen in NRW. Er erhoffe sich dadurch "Rückenwind" für seine Partei. Klarheit über den Kanzlerkandidaten der SPD könne den Umfragen "neuen Schub in die erhoffte Richtung geben", hatte Hartmann gesagt.

Kutschaty: "Scholz kann Mehrheiten"

"Das ist die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt", jubiliert auch der frühere NRW-Justizminister Thomas Kutschaty auf Twitter: Er traue Scholz zu, bei der Bundestagswahl eine linke Mehrheit zu erringen. "Olaf Scholz kann Mehrheiten jenseits der Union organisieren."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Rolf Mützenich, SPD-Fraktionschef auf Bundesebene mit Wahlkreis in Köln, sagte, Scholz habe bereits als Länderregierungschef bewiesen, dass er auch in schwierigen Zeiten führen könne: Scholz setze "mit großer Konzentration und Reformwillen" die richtigen Schwerpunkte, "damit Deutschland sozial gerecht und wirtschaftlich stark bleibt".

FDP-Chef Lindner rätselt

"Rätselhaft" dagegen ist die aktuelle Strategie der SPD aus Sicht von FDP-Chef Christian Lindner. Gestern noch das Koalitionsangebot der SPD-Spitze an die Linke und "grünes Licht" für eine grüne Kanzlerschaft, heute die Nominierung von Scholz als "Kanzlerkandidat aus dem eher rechten Spektrum der Partei", wundert er sich auf Twitter.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Auch der FDP-Landtagsabgeordnete Henning Höne zeigte sich überrascht: Weder mit Linksausrichtung noch mit einem grünen Kanzleramt könne Scholz "etwas anfangen von seinem inneren Kompass her".

Grüne "höchst verwundert"

"Höchst verwunderlich" finden auch die Grünen in NRW die Entscheidung für Scholz ein Jahr vor der Bundestagswahl, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Arndt Klocke dem WDR. Scholz sei noch im vergangenen Jahr als SPD-Vorsitzender "nicht gewollt" gewesen. Er halte die Nominierung für "sehr verfrüht". Nicht nur am Beispiel Martin Schulz habe man erlebt, dass sich Kandidaten "auf Strecke verschleißen" können.

Die NRW-Juso-Vorsitzende Jessica Rosenthal hatte bereits vorab gegen eine baldige Nominierung eines SPD-Kanzlerkandidaten plädiert: Gerade, weil die Wahl in NRW so wichtig sei, "würde ich mir wünschen, dass wir alle Fragen, die die Bundesebene betreffen, erst danach entscheiden", hatte die 27-Jährige dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gesagt.

Scholz' Rolle im Wirecard-Skandal

Im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal war zuletzt die Mitverantwortung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz diskutiert worden. In einer Sondersitzung im Bundestag hatte Scholz bereits zu seiner Rolle aussagen müssen.

Der Wirecard-Skandal: Verspielt Deutschland seinen guten Ruf? Presseclub 02.08.2020 57:38 Min. UT Verfügbar bis 02.08.2021 Das Erste

Kommentar: Wirecard - Versagen auf allen Ebenen

WDR 5 Profit - aktuell 29.07.2020 02:20 Min. Verfügbar bis 29.07.2021 WDR 5

Download

SPD derzeit drittstärkste Partei

In Umfragen ist die SPD derzeit bundesweit drittstärkste Partei hinter CDU/CSU und Grünen. Die Union hatte in der sogenannten Sonntagsfrage im ARD-DeutschlandTrend zuletzt 38 Prozent erreicht. Die Grünen kommen danach auf 18 und die SPD auf 15 Prozent.

Stand: 10.08.2020, 14:31