NRW fordert Videoüberwachung von Schlachthöfen

NRW fordert Videoüberwachung von Schlachthöfen

  • Umweltministerin Heinen-Esser plant Bundesrats-Initiative
  • Schlachthöfe sollen künftig videoüberwacht werden
  • Tierschützer kritisieren regelmäßig Missstände
Schweinehälften hängen an Haken in einem Schlachthof

Schweinehälften hängen an Haken in einem Schlachthof

Für eine Videoüberwachung von Schlachthöfen spricht sich NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser aus. Gemeinsam mit Niedersachsen wolle NRW eine Bundesrats-Initiative starten, sagte die CDU-Politikerin im Westpol-Interview. Zugleich rief die Ministerin die Schlachtbetriebe auf, freiwillig Kameras zur Videoüberwachung zu installieren.

Videokameras sollen vor allem die Betäubung und Tötung der Tiere in Schlachthöfen überwachen. Nach Angaben von Tierschützern werden viele Schlachttiere vor der Tötung nicht vorschriftsgemäß betäubt. Dies gehe aus heimlich gefilmten Bildern hervor.

Vorwürfe auch in NRW

Allein aufgrund der Recherchen der Organisation "Soko Tierschutz" mussten seit 2017 fünf Schlachthöfe in Deutschland schließen. Einer allerdings nicht: der Schlachthof in Düren. Dort hatten Tierschützer mit Hilfe eingeschleuster Informanten erschreckende Bilder an die Öffentlichkeit gebracht.

Bevor diese Bilder veröffentlicht wurden, galt der Betrieb als vorbildlich. Beanstandungen: Fehlanzeige. Das Unternehmen gibt an: Man habe inzwischen Personal ausgetauscht, technisch aufgerüstet, jederzeit seien zwei Tierärzte vor Ort.

Aber zeigen will der Betreiber seinen Muster-Schlachthof nicht. Begründung: Es laufe ja noch ein Verfahren wegen des Vorwurfs von Tierschutz-Verstößen. Das zuständige Veterinäramt, dem zuvor jahrelang keine Verstöße aufgefallen waren, räumt mittlerweile "systemimmanente Mängel" ein.

Ministerin: Videos auch zur Entlastung von Schlachtbetrieben

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

Ziel des Ministeriums sei es, dass "Veterinärbehörden auf Videoüberwachung zurückgreifen können", um die "Entstehung bestimmter Verstöße, falls es sie gibt, anschauen" zu können, sagt Heinen-Esser. Aber das Filmmaterial könne auch "zur Entkräftung und zur Entlastung der Schlachtbetriebe" dienen, wenn es "ungerechtfertigte Angriffe" gebe.

Branchenverband gegen Videoüberwachung

Die Fleischindustrie lehnt generelle Videokontrollen vehement ab. "Die Schlachtbetriebe (...) sehen den Tierschutz in ihren Betrieben als eine zentrale Aufgabe (…). Wir sorgen seit langem dafür, dass in unseren Betrieben der Tierschutz gelebt wird", teilt der Verband der Fleischwirtschaft mit.

Wer darf die Bilder prüfen?

Tierschützer Friedrich Mülln

Tierschützer Friedrich Mülln

Kameras allein lösen die Probleme wohl kaum. Friedrich Mülln von der "Soko Tierschutz" fordert: "Wenn schon Videoüberwachung, dann muss das ein versiegelter, verplombter Rekorder sein, worauf nur eine übergeordnete Behörde Zugriff hat." Möglichst solle die Fachaufsicht vom Land das Bildmaterial einsehen - oder Tierschützer.

Stand: 18.11.2018, 06:00