Tausende Anträge von Flutopfern für Wiederaufbauhilfe

Unbürokratische Hilfe nach der Flut? Die Realität sieht anders aus Aktuelle Stunde 13.10.2021 36:17 Min. Verfügbar bis 20.10.2021 WDR Von Martina Koch

Tausende Anträge von Flutopfern für Wiederaufbauhilfe

Von Christian Wolf

Mehr als zwölf Milliarden Euro stehen in NRW nach der Hochwasserkatastrophe für den Wiederaufbau zur Verfügung. Tausende Betroffene haben bereits ihre Anträge gestellt.

Seit rund einem Monat können Betroffene der verheerenden Unwetterkatastrophe Geld für den Wiederaufbau beantragen. Die Ersten haben das bereits getan. Doch der große Ansturm bleibt bislang aus.

Bis Mittwoch hätten rund 5.500 Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft einen Antrag gestellt, sagte NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) bei einem Pressegespräch. Seit Anfang Oktober seien auch bereits Bewilligungen zu den Anträgen ausgesprochen worden. Wie viele das sind und in welcher Höhe, konnte die Ministerin aber nicht sagen.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach präsentiert die Förderrichtlinien zur Wiederaufbauhilfe

Kommunalministerin Ina Scharrenbach

Als es Mitte September mit den Wiederaufbauhilfen losging, hatte Scharrenbach von 100.000 erwarteten Anträgen gesprochen. Dass es nach einem Monat nun 5.500 Anträge sind, deute nicht auf ein geringeres Interesse hin. "Wir wissen aus vielen Gesprächen und Rückmeldungen aus den Vor-Ort-Beratungen, dass viele Menschen sich gerade auf eine Antragstellung vorbereiten. Sie sind gedanklich noch in der Verarbeitung dessen, was passiert ist", so Scharrenbach.

Teilweise werde noch aufgeräumt oder das eigene Gebäude trocken gelegt, weshalb die Betroffenen "schlicht noch keinen Kopf" dafür hätten, einen Antrag zu stellen. Fast 16.000 hätten sich zumindest schon in dem entsprechenden System registriert, um zu einem späteren Zeitpunkt den Antrag zu stellen.

Wiederaufbaufonds soll helfen

Der von Bund und Ländern beschlossene Wiederaufbaufonds umfasst insgesamt 30 Milliarden Euro. Für NRW stehen daraus rund 12,3 Milliarden Euro bereit. Der Rest geht überwiegend in das ebenfalls schwer betroffene Rheinland-Pfalz. In NRW waren und sind rund 180 Städte und Gemeinden von der Hochwasserkatastrophe betroffen.

Beratung für Anträge nötig

Zuletzt hatte es Kritik an der Landesregierung gegeben. Die SPD-Opposition hatte ihr vorgeworfen, die Kommunen mit der Antragsflut für die Hochwasser- und Corona-Hilfen zu überlasten. Scharrenbach wies am Mittwoch darauf hin, dass das Land Hunderte Helfer organisiert habe, die bei den Anträgen hälfen.

Die SPD-Bürgermeisterin Nadine Leonhardt aus Eschweiler sagte, die personelle Ausstattung für die Beratung sei ausreichend. Es müsse aber sichergestellt werden, dass das noch über Monate so aufrechterhalten bleibe.

Ab sofort auch Anträge von Kommunen möglich

Während die Anträge für den Wiederaufbau von Privatpersonen schon seit Wochen gestellt werden können, ist das seit Mittwoch auch für Kommunen möglich. Es geht dabei um Hilfe für die öffentliche Infrastruktur. Auch nicht-kommunale Träger von Bildungs-, Kultur-, Sport- und sonstigen Einrichtungen können nun Anträge über das Online-Förderportal der Landesregierung stellen.

Förderungen können in der Regel bis zu 80 Prozent der Schadenssumme betragen, in bestimmten Fällen auch bis zu 100 Prozent. Für Schäden am Inventar förderfähiger Vereine wird laut Ministerium eine Pauschale in Höhe von bis zu 15.000 Euro gewährt.

Stand: 13.10.2021, 14:50