Bürgschaft für Schalke? Laschet verweist auf Vertraulichkeit

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (30.06.2020)

Bürgschaft für Schalke? Laschet verweist auf Vertraulichkeit

Von Christian Wolf

  • FC Schalke 04 soll angeblich eine Bürgschaft vom Land NRW bekommen
  • Ministerpräsident Laschet will sich nicht dazu äußern
  • SPD kritisiert "marodes System" im Fußball

Eine Bürgschaft des Landes für einen Verein der Fußballbundesliga, der schlecht wirtschaftet und lange Zeit von einem Mann geführt wurde, dessen Firma für den Corona-"Lockdown" einer ganzen Region verantwortlich ist: Jeder PR-Profi würde bei solch einem Szenario die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich fragen, wie er das der Öffentlichkeit erklären soll.

Schalke soll Bürgschaft erhalten

Die NRW-Landesregierung muss sich aber offenbar mit genau solch einem Szenario beschäftigen. Denn laut Medienberichten soll der finanziell angeschlagene FC Schalke 04 vom Land eine Bürgschaft in Höhe von 40 Millionen bekommen. Der Verein war schon vor der Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten; zum Ende des Geschäftsjahres 2019 lagen die Verbindlichkeiten bei knapp 200 Millionen Euro.

In normalen Zeiten wäre eine Landesbürgschaft wohl nur eine Randnotiz. Doch in diesen Tagen erhitzt sie die Gemüter. Denn bis zu seinem Rücktritt am Dienstag (30.06.2020) wurde der Verein von Clemens Tönnies geführt. Seine Firma ist für den größten Corona-Ausbruch in ganz Deutschland verantwortlich - inklusive Einschränkungen für Hunderttausende Menschen in Westfalen. Zwar hat Schalke 04 damit nichts zu tun. In der Diskussion schwingt all das aber mit.

Tönnies in der Kritik: Fan-Proteste auf Schalke Aktuelle Stunde 27.06.2020 UT Verfügbar bis 04.07.2020 WDR Von Mathea Schülke

Laschet: "Es gibt keine Entscheidung"

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wurde am gleichen Dienstag auf die angebliche Bürgschaft angesprochen. Konkret äußern wollte er sich nicht. "Nach meiner Kenntnis gibt es überhaupt keine Entscheidung in irgendeiner Bürgschaftsfrage", sagte er. Solche Dinge unterlägen "strikter Vertraulichkeit", weshalb er noch nicht einmal bestätigen dürfe, ob es überhaupt einen Antrag des Vereins gibt.

Laschet verwies darauf, dass es in solchen Fragen ein "festes Verfahren" mit "strengen Kriterien" gebe. Dem Eindruck, die Gelsenkirchener bekämen eine Extrawurst, trat der Ministerpräsident entgegen: "Es wird sicherlich keine Lex Schalke geben."

Schalke 04 soll Bürgschaft vom Land NRW erhalten

Sportschau 30.06.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 ARD Von Christian Michel

SPD kritisiert "marodes System" im Fußball

Doch die Kritik kommt bereits auf - und zum Teil sehr massiv. "Jeder verdient sich dumm und dusselig am Fußball, und wenn es brenzlig wird, dann soll wieder der Steuerzahler herhalten", sagt SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Dass ausgerechnet im Milliardensystem Fußball staatliche Bürgschaften ausgesprochen werden müssten, "irritiert die Öffentlichkeit zurecht". "Es wird Zeit, dass der Steuerzahler aufhört, ein marodes System zu stützen."

Die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur meinte mit Blick auf die umstrittene Rolle von Tönnies, eine Bürgschaft des Landes sei "nicht vermittelbar".

Bürgschaften schon seit vielen Jahren

Laschet kritisiert wiederum, dass das Thema "parteipolitisch" genutzt werde. Denn seit 1995 seien unter jeder Landesregierung Bürgschaften an Fußball- und Sportvereine gegeben worden. Auf die Frage, warum dies generell getan werde, sagte er: "Ich habe jetzt keine Lust, Historie zu erklären, warum seit 1995 wechselnde Regierungsformen (…) immer wieder Vereine, die auch Wirtschaftsunternehmen sind, Hilfen gegeben haben."

Und tatsächlich: Wie der WDR bereits im April berichtete, hat das Land in der Vergangenheit diverse Bürgschaften für Stadien übernommen - auch für die Schalker. Und wie im aktuellen Fall wollte das Finanzministerium schon damals die Zahlen nicht kommentieren.

Verständnis für die Gelsenkirchener kommt übrigens vom Erzrivalen Dortmund. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte am Dienstag: "Das ist nicht ehrenrührig, wohlwissend, dass die Volksseele anders empfindet." Die Vereine zahlten, wie alle anderen auch, ihre Steuern. "Aber wenn der Bund oder das Land oder wer auch immer beschließt, coronageschädigten Unternehmen beizustehen, dann gelten die gleichen Rechte für uns offensichtlich nicht." Auch der BVB profitierte beim Stadionbau einst von Bürgschaften des Landes.

Stand: 30.06.2020, 16:28