Sauerlandlinie A45: So geht es weiter mit dem Brücken-Neubau

Sauerlandlinie A45: So geht es weiter mit dem Brücken-Neubau

Von Sabine Tenta

Der Verkehrsausschuss des NRW-Landtags hat sich mit der verschärften Verkehrslage durch die Sperrung der Rahmedetalbrücke auf der Sauerlandlinie A45 befasst. Mehrere Szenarien sind denkbar.

Für Berufstätige, die mit dem Auto fahren, für die Wirtschaft am Ort und für alle, die an einer betroffenen Straße wohnen, ist die Sperrung der Rahmedetalbrücke auf der Sauerlandlinie A45 bei Lüdenscheid mit erheblichem Stress verbunden. Im Verkehrs-Ausschuss des Landtags wurden die Abgeordneten am Mittwoch informiert, wie diese Betroffenen entlastet werden können. Zudem wurde der Stand der Dinge referiert sowie mit welcher zeitlichen Perspektiven ein Neubau möglich ist.

Seit dem 7. Januar steht die Hiobsbotschaft fest, dass die gesperrte Rahmedetalbrücke noch nicht einmal für den Pkw-Verkehr ertüchtigt werden kann. Abriss und Neubau müssen nun schnellstmöglich vorangetrieben werden. Aktuell ist ein Großteil des Fernverkehrs gezwungen, durch Lüdenscheid zu fahren.

Die Entlastungen für die Betroffenen rund um Lüdenscheid

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) zählte mehrere Maßnahmen auf: Der Verkehrsfluss sei durch neue Ampelschaltungen und zusätzliche Ampeln so gut wie möglich optimiert worden. Baustellen in Lüdenscheid seien, wenn möglich, abgebaut oder Bauarbeiten verschoben worden. Die Betreiber von Navigations-Geräten seien gebeten worden, die Umleitungen zu berücksichtigen.

Inwieweit Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden kann, sei in der Prüfung. Gleiches gelte für eine Verbesserung des Personenverkehrs mit der Bahn. Auf Anregung des Ausschusses versicherte Brandes, die Prüfung eines Schnellbusses mit auf die Liste zu nehmen, auch wenn sie selbst skeptisch sei, dass das hilfreich ist.

Um den Autobahn-Verkehr frühzeitig umzulenken, wurde angeregt, dass die Fernziele Dortmund beziehungsweise Frankfurt am Main an den Autobahn-Kreuzen Olpe und Frankfurter Kreuz durchgestrichen werden. Darüber werde die zuständige Autobahn GmbH im Verlauf des Tages noch entscheiden und es dann auch schnell umsetzen können, sagte die Direktorin der Niederlassung Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek.

Denkbare Szenarien, wie es weitergeht

Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid

Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid

Sie schilderte auch den Stand der Dinge und informierte über die weiteren Perspektiven. Da die alte Brücke nicht mehr für den Pkw-Verkehr tragbar ist, ergebe sich eine völlig neue Situation. Bislang war man von einem Neubau neben der alten Brücke ausgegangen. Doch nun ergibt sich die Option, die alte Brücke zu entfernen und an gleicher Stelle die neue zu bauen.

Sprengung oder Abriss?

Entscheidend für den Neubau ist, wie die alte Brücke rückgebaut wird. Ob sie gesprengt werden kann, sei noch unklar. Dies werde gerade geprüft, so Sauerwein-Braksiek. Gehe das nicht, sei ein Abbruch nötig. Da aber bereits Bagger zu schwer für die marode Brücke sind, müsste dafür ein aufwendiges Gerüst unter der Brücke gebaut werden. Da die Einzelteile der Brücke ineinander verzahnt seien, könne man sie dann nur Stück für Stück so zurückbauen, wie sie errichtet worden sei.

Eventuell könne man auch beim alten Konzept bleiben und parallel eine neue Brücke bauen, beide Varianten würden geprüft. Ebenso, ob gegebenenfalls Teile der alten Brücke wiederverwertet werden können.

Für einen parallelen Neubau müssen die Bodenverhältnisse geprüft werden. Dafür werde sich ein Gutachter "abseilen wie in den Alpen", das Gelände dort sei schwierig.

Der Zeithorizont: Neue Brücke in fünf Jahren?

Marode Talbrücke Rahmede auf der A45 bei Lüdenscheid

Gesperrte Brücke auf der A45

All das klingt nach viel Arbeit. Und die brauche normalerweise acht bis zehn Jahre. Doch die Autobahn GmbH Westfalen strebe eine Zeit von fünf Jahren an. "Das ist sehr mutig", sagte Sauerwein-Braksiek - wenn es gelänge, sei das sogar eine Rekordzeit. Um diese möglich zu machen, arbeiteten zurzeit sieben verschiedene Planungsbüros parallel an dem Projekt.

Der Teufel liegt im Detail

Welche bürokratischen Hürden zu nehmen sind, zeigte sich allein schon an den Ausführungen von Sauerwein-Braksiek zum Planungsrecht: Handelt
es sich um einen Brückenneubau oder eine Erhaltung? Da die Brücke so ausgelegt werden soll, dass sie statt der aktuell vier Spuren auch auf sechs erweitert werden kann, ist es für manche ein Neubau. Für die Direktorin der Autobahn GmbH Westfalen ist es hingegen eine Erhaltung. Daran hänge dann ein jeweils anderes baurechtliches Planungsverfahren.

Verkehrsministerin Brandes: "An Geld wird es nicht scheitern"

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) versicherte dem Fachausschuss: "An Geld wird es nicht scheitern", alle Beteiligten hätten den Ernst der Lage erkannt.

Parteipolitische Hakeleien und Schuldzuweisungen hielten sich in der Ausschuss-Sitzung in Grenzen. Es gab sogar Lob von SPD und Grünen für das bisherige Krisenmanagement. Johannes Remmel (Grüne) dankte auch ausdrücklich für die "transparente Kommunikation".

A45-Sperrung: "Region hält Zustand nicht lange aus"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.01.2022 05:25 Min. Verfügbar bis 12.01.2023 WDR 5


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So bleibt am Ende der Eindruck, dass alle Beteiligten - sowohl auf Seiten der Autobahn GmbH als auch der Landespolitik - den Ernst der Lage nicht nur erkannt haben, sondern alles Mögliche tun, um den Prozess des Neubaus und die Betroffenen vor Ort zu entlasten.

Stand: 12.01.2022, 16:14