RWE-Aktien: Kommunen ringen um Anteile

Braunkohlekraftwerk Niederaußem

RWE-Aktien: Kommunen ringen um Anteile

Von Martin Teigeler

  • RWE-Anteile der Kommunen: Debatte um Verkauf
  • Verband der Kommunen verweist auf Dividende
  • Umweltschützer für Sofort-Ausstieg bei RWE

Im Streit um die Braunkohle hält der Verband der kommunalen Aktionäre an RWE fest. Ein Engagement der Kommunen beim Essener Konzern sei "nach wie vor sinnvoll", teilte Verbands-Geschäftsführer Ernst Gerlach am Dienstag (25.09.2018) auf WDR-Anfrage mit.

Verkaufspläne in Westfalen

Unumstritten ist das Bekenntnis des Aktionärsvereins aber längst nicht mehr bei Städten und Gemeinden. Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Löb, befürwortete Mitte September einen Verkauf von RWE-Anteilen. Der LWL besitzt Anteile im Wert von rund 147 Millionen Euro. Der Energiemarkt habe sich gravierend verändert, die Zeit der großen Kraftwerksbetreiber gehe zu Ende, sagte Löb.

Dortmunds OB pro RWE

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) ist hingegen für die Fortsetzung des kommunalen Engagements bei RWE. Als Hauptgrund nennt er die "Energiewende, perspektivisch weg von Atom-Strom und von der Stein- und Braunkohle". RWE sei einer der Garanten für die Versorgungssicherheit in Deutschland.

Umweltschützer machen Druck auf Kommunen, RWE-Anteile zu verkaufen. Eine sogenannte Divestment-Kampagne findet schon seit Jahren Unterstützung in Kommunen. Die Stadt Münster zum Beispiel will "keine Beteiligung an Unternehmen, die Atomenergie erzeugen oder auf nicht nachhaltige und klimaschädliche Energien setzen".

Die NRW-Grünen machen mit bei der Kampagne. "Wer sein Geld zu einem großen Teil mit dem Klimakiller Braunkohle verdient, hat kein zukunftsfähiges Geschäftsmodell", sagte Grünen-Landeschefin Mona Neubaur. Wegen der Abholz-Pläne von RWE im Hambacher Forst fordert sie die verbliebenen kommunalen RWE-Eigentümer zum Verkauf auf.

Schwindender Einfluss der Kommunen

Ohnehin sinkt die traditionelle Verflechtung der Kommunen mit dem 1898 gegründeten "Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk". RWE-Aktien garantierten keinen Einfluss der Städte und Gemeinden auf das Unternehmen mehr, sagte LWL-Chef Löb.

Durch die Energiewende und den zeitweisen Kursverfall waren viele kommunale Anteilseigner unter Druck geraten und mussten in ihren Büchern hohe Summen abschreiben. Einige Kommunen hatten schon in den vergangenen Jahren beschlossen, RWE-Aktien zu verkaufen.

Dabei wägen die Kommunen zwischen Aktienwert-Prognose und Dividenden-Erwartung ab: Aktuell preist der Verband der kommunalen RWE-Aktionäre die erwartete Dividende von "mindestens 70 Cent pro Aktie" an.

Stand: 26.09.2018, 14:24