Datteln IV: Sauberes Kraftwerk mit schmutziger Kohle

Kraftwerk Datteln 4

Datteln IV: Sauberes Kraftwerk mit schmutziger Kohle

Von Henrik Hübschen und Mathea Schülke

Teil 2/2 - Auch Uniper-Kraftwerk Datteln mit russischer Kohle beliefert

Vor dieser Frage steht auch Uniper mit seinem umstrittenen Kraftwerk Datteln IV. Der Neubau könnte 2020 trotz Kohleausstiegs als letztes Kohlekraftwerk in Deutschland neu ans Netz gehen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sieht den Streit um das Kraftwerk als "Kampf zwischen Symbolik und Vernunft. Und wenn mir das Ziel Klimaschutz das Größere ist, nehme ich rational das, was CO2 reduziert." Wenn Datteln ans Netz gehe, müssten dafür ältere Kraftwerke früher abgeschaltet werden.

Energieexpertin zu Kraftwerk in Datteln: "Nicht ans Netz nehmen"

WDR 2 13.11.2019 04:02 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 WDR Online

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Bei voller Auslastung würde Uniper in Datteln künftig täglich bis zu 9.000 Tonnen Steinkohle verfeuern. Die Kohlebunker in Datteln werden deshalb bereits seit Sommer 2017 mit Importkohle gefüllt. Wie viel davon aus dem Kusbass stammt, wollte der Konzern dem WDR aus Wettbewerbsgründen nicht mitteilen.

Insgesamt bezog Uniper im Jahr 2018 22,5 Prozent seiner Steinkohle aus Russland. Auf Fragen zu Problemen im Kusbass verweist Uniper auf sein Engagement bei Bettercoal, einem Zusammenschluss europäischer Kohleimporteure, der weltweit Kohleanbieter nach Sozial- und Umwelt-Kriterien überprüft.

Bettercoal: Zulieferer erfüllen Anforderungen nicht

Bettercoal hat bisher vier große russische Zulieferer unter die Lupe genommen. Detaillierte Ergebnisse sind bisher nicht bekannt.

Allerdings räumte Anne-Claire Howard, die Geschäftsführerin von Bettercoal, bereits im September in der Fachzeitschrift "World Coal Magazine" ein, die überprüften russischen Unternehmen erfüllten Bettercoals Anforderungen für Luftverschmutzung, Biodiversität und Ökosysteme nur teilweise oder gar nicht.

Sebastian Rötters von Urgewald erhebt mit Blick auf Datteln IV eine klare Forderung: "Dass wir billige Kohle aus Russland importieren, ist ein klimapolitischer aber auch ein menschlicher Offenbarungseid. Wir müssen die Energieversorger dazu zwingen, ihre Lieferkette in Ordnung zu bringen."

Und wenn sie das nicht abstellen könnten, dann müsse man sich eben umso schneller von der Kohle verabschieden.

Schmutzige Kohle aus Russland Westpol 15.12.2019 UT DGS Verfügbar bis 15.12.2020 WDR

Stand: 15.12.2019, 13:17