Israel-Kritik: Ruhrtriennale-Chefin darf vorerst bleiben

Stefanie Carp, Leiterin der Ruhrtriennale

Israel-Kritik: Ruhrtriennale-Chefin darf vorerst bleiben

Von Peter Grabowski

  • Carp schreibt nach Gespräch mit Kulturministerin Brief an die Politik
  • CDU im Landtag kritisiert die Intendantin weiter heftig
  • Personeller Neuanfang im Herbst wahrscheinlich

Der Streit um die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, schwelt weiter. Nach einem Gespräch mit Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Montag (10.07.2018) hatte Carp sich in einem Brief an die Mitglieder des Kulturausschusses im Landtag gewandt. Damit wolle sie "Verstörung und Missverständnisse" ausräumen, die während ihres Auftritts im Ausschuss vergangene Woche entstanden seien.

Kein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels

Carp hatte sich dort auch auf mehrfache Nachfrage der Abgeordneten nicht zum Existenzrecht Israels bekennen wollen. In ihrem knappen Schreiben holte Carp dieses Bekenntnis nun zwar nach, distanzierte sich allerdings auch weiterhin nicht wie gefordert von der umstrittenen BDS-Kampagne gegen Israel.

Streit um BDS-Kampagne

Young Fathers

Young Fathers

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Ein-, Aus- und schließlich Wiedereinladung der schottischen Band "Young Fathers" zur diesjährigen Ruhrtriennale. Die Band zählt - wie andere international bekannte Künstler - zu den Unterstützern von BDS. Das Kürzel steht für "Boykott, Desinvestition und Sanktionen". Mit diesen drei Mitteln will die Bewegung seit 2005 offiziell die vollständige Gleichberechtigung der Palästinenser in Israel erreichen.

Einige ihrer führenden Vertreter verfolgen allerdings auch explizit darüber hinausgehende Ziele bis hin zur Abschaffung des Staates. Viele Kritiker halten die Kampagne deshalb für antisemitisch.

CDU will Ruhrtriennale meiden

CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen nannte das Verhalten der Intendantin weiterhin "beschämend" und "unglaubwürdig". CDU-Abgeordnete würden deshalb das Festival nicht wie geplant besuchen. Das gehöre zu "den uns jetzt möglichen Konsequenzen". Nicht nur diese Formulierung des einflussreichen Chefs der größten Regierungsfraktion deutet darauf hin, dass Stefanie Carp nach der diesjährigen Spielzeit im Herbst abgelöst werden soll.

Auch die kulturpolitischen Sprecher des Koalitionspartners FDP und der SPD-Opposition sahen nach dem Brief der Intendantin weiterhin "Rote Linien, die überschritten seien". Allerdings soll der Ablauf der anstehenden Festivalsaison wohl nicht durch einen vorzeitigen Personalwechsel gefährdet werden.

Einladung, Ausladung, Rücknahme und die Folgen

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 25.06.2018 | 07:02 Min.

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Stand: 11.07.2018, 15:52