Symbolbild einer Polizeirazzia

Kommentar: Die Polizei-Statistik sagt wenig aus

Stand: 21.02.2022, 18:26 Uhr

NRW-Innenminister Reul hat Erfolge vorzuweisen. Die polizeiliche Kriminalstatistik aber ist unzureichend. Sie spiegelt den Zustand der Verbrechensbekämpfung nicht gut genug wider.

Von Arne Hell

Ja, Herbert Reul (CDU) hat sich heute zurecht für einige Erfolge als Innenminister feiern lassen. Er hat dank guter Steuereinnahmen viele neue Polizistinnen und Polizisten einstellen können. Die deutlich niedrigeren Zahlen zu Wohnungseinbrüchen, die erfasst wurden, lügen nicht. Wohnungseinbrüche werden fast immer gemeldet. Wenn die Zahlen so deutlich sinken, zeigt das, dass sich etwas zum Guten verändert hat – auch wenn Corona ihm hier geholfen hat.

Der größte Erfolg des Ministers sind aber nicht die gesunkenen Zahlen, sondern zwei, die extrem stark gestiegen sind: die Verfahren im Bereich sexuelle Gewalt gegen Kinder und wegen kinderpornographischen Materials. Die Zahlen sind so deutlich gestiegen, weil hier viel mehr Beamte im Einsatz sind als früher. Es wird viel mehr gefunden. Hier hat Reul geradezu einen Kulturwandel in der Polizei erreicht.

Qualität der Ermittlungen wird nicht bemessen

So eindeutig ist die Bilanz allerdings in den meisten Bereichen. Leider ist die Zahlenbasis, auf die sich Reul stützt, nach wie vor ziemlich dünn. Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik ist ein Anachronismus der Verbrechensbekämpfung. Es geht ja nur um Verfahren, die begonnen wurden. Und die Aufklärungsquote gibt beispielsweise nicht an, wie viele Straftäter am Ende überführt wurden, sondern nur, ob die Polizei in der Lage war, Tatverdächtige zu identifizieren. Das ist lächerlich.

Das ist so als würde man den Erfolg eines Bildungssystems nur an der Zahl der Abschlüsse messen, und nicht daran, wie viel die Leute gelernt haben. Die Qualität der Arbeit bleibt außen vor.

Deutungshoheit sollte nicht beim Minister liegen

Diese Probleme beklagt sogar die Polizei selbst, genauer gesagt die Gewerkschaft der Polizei. Sie fordert, dass die Statistik auf viel breitere Beine gestellt werden muss. Durch Kriminalisten, die wissenschaftliche fundiert das Dunkelfeld ausleuchten. Und durch die Statistik der Staatsanwaltschaften und Gerichte. So würde sich ein viel genaueres Bild ergeben. Möglicherweise auch darüber, wie professionell die Polizei mit Verdächtigen und Zeugen umgeht. Auch daran hapert es teilweise.

Bisher hat ein Innenminister wie Herbert Reul die Deutungshoheit, weil er sich nach Belieben die Zahlen rauspicken kann, die gerade besonders gut passen und ihn als besonders harten Verbrechensbekämpfer erscheinen lassen. Wie sicher es sich aber tatsächlich in unserer Gesellschaft leben lässt, darüber sagt die Kriminalstatistik nur sehr bedingt etwas aus.

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