WDR-Umfrage: Zu viel Restmüll in Großstädten

Volle Mülltonnen vor einem Wohnhaus

WDR-Umfrage: Zu viel Restmüll in Großstädten

Von Inga Drews, Lukas Klepsch, Tim Schrankel, Giselle Ucar und Nicolas Vordonarakis

  • Großstädte in NRW produzieren sehr viel Restmüll
  • Münster gilt als Vorzeigebeispiel - Duisburg ist Schlusslicht
  • Umweltverbände fordern Biotonne zur Problemlösung

Trotz der gesetzlichen Mülltrennungspflicht liegt vor allem in den Großstädten in NRW das Restmüllaufkommen weit über dem Bundesdurchschnitt. Im direkten Vergleich der Großstädte sticht vor allem Duisburg mit 241 Kilogramm Restmüll pro Kopf im Jahr negativ heraus.

Zur Orientierung: Der Bundesdurchschnitt liegt bei gerade mal 158 Kilogramm. Auch in Köln und Dortmund fällt sehr viel Restmüll an. Münster wiederum ist das Vorzeigebeispiel unter den zehn größten Städten in NRW mit lediglich 121 Kilogramm Restmüllaufkommen.

Mülltrennung in NRW

Duisburg macht Sozialstruktur verantwortlich

Doch woran liegt das? Mehrere Faktoren können auf die Restmüllmenge einwirken, zum Beispiel die Sozialstruktur der Stadt.

So stellen die Abfallwirtschaftsbetriebe Duisburg beispielsweise fest, dass die "Restmüllmenge davon abhängig (ist), ob es sozial belastete (Großstadt-)Quartiere gibt. Diese zeichnen sich häufig (...) durch eine unterschiedlich entwickelte Abfalltrennung (...) aus."

Mit Tonnenpflicht die Mülltrennung verbessern

Zudem entscheidet jede Kommune selbst, welche Möglichkeiten sie ihren Bürgern für ihre Müllentsorgung bereitstellt. Manche Städte wie Münster haben eine gesetzliche Tonnenpflicht für die schwarze Restmüll- und die braune Biomülltonne - ab 2020 auch für die gelbe Wertstofftonne.

Dass eine Pflicht durchaus hilft, zeigen Zahlen aus Duisburg: Dort stellen sich freiwillig nur drei Prozent der Bürger die braune Tonne vor die Haustür. Der Duisburger sammelte im vergangenen Jahr im Schnitt ein Kilogramm Biomüll - der Münsteraner 50 Kilogramm.

Von Lernpfad bis Unternehmensbeteiligung

Ein weiterer Grund für die sehr unterschiedlichen Restmüllmengen ist die jeweilige Aufklärungsarbeit vor Ort. Nach Ansicht von Naturschutzverbänden sollte sie generell ausgebaut werden. In Münster etwa gibt es Schulungen wie einen Lernpfad für Kinder, bei dem spielerisch an Mülltrennung herangeführt wird.

Ein Millionengeschäft - Müllverbrennung

Ein Millionengeschäft - Müllverbrennung

Auffällig ist auch: Von den zehn größten Kommunen in NRW sind neun an Müllverbrennungsanlagen beteiligt. Die Ausnahme: Münster. Laut Experten brauchen diese Anlagen ausreichend Müll - sonst drohen Verluste.

Landtag muss neues Gesetz beschließen

Die Landesregierung hat bereits im März 2019 ein neues Landesabfallgesetz beschlossen. Danach können Kommunen nicht nur die Kosten für die Müllentsorgung sondern auch Maßnahmen zur Müllvermeidung auf die Müllgebühren umlegen. Der Landtag muss das Gesetz noch verabschieden.

Schlechte Mülltrennung in NRW Westpol 15.12.2019 UT DGS Verfügbar bis 15.12.2020 WDR

Stand: 15.12.2019, 06:00