Wie Kommunen Restmüll reduzieren können

Symbolbild: Hausmüll wird in eine Mülltonne entsorgt

Wie Kommunen Restmüll reduzieren können

In Freiburg produzierte im Jahr 2018 jeder Bürger nur 90 kg Restmüll. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt. Wie kann das gelingen? Ein Interview.

Mit 90 Kilo Restmüll pro Kopf und Jahr liegt Freiburg weit unter dem Bundesdurchschnitt von 158 Kilogramm. Wie das gelingen kann, erklärt der Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsbetriebe Freiburg, Michael Broglin.

WDR: Herr Broglin, warum läuft es bei Ihnen so gut?

Michael Broglin: Ich habe zwei Erklärungen. Wir haben bei uns in Freiburg schon ganz früh angefangen, das Thema Abfalltrennung bei der Bevölkerung zu verankern. 1986 wurde in Freiburg eine sogenannte Wertstofftonne eingeführt, wo unterschiedliche Wertstoffe wie Metall, Glas, Textilien und Holz und solche Dinge in einer Tonne gesammelt wurden. Und dann gab’s parallel dazu die Restmülltonne. Das war glaube ich schon ein sehr, sehr früher Schritt, um die Leute Richtung Abfalltrennung zu bewegen.

Das Entscheidende für mich ist in Freiburg das Abfallgebührensystem. Wir haben die Möglichkeit, dass jeder Haushalt eine eigene Restmülltonne beantragen kann. Somit kann er genau sein Abfallverhalten bestimmen und damit auch einen Teil seiner Gebührenhöhe. Und das ist ein großer Anreiz für die Bürger möglichst wenig Restmüll zu produzieren und sauber den Abfall zu trennen.

WDR: Sie sagen also, es liegt daran, wie eine Stadt die Entsorgung regelt. Kann man die Demographie und die Sozialstruktur einer Stadt ausklammern?

Broglin: Also komplett ausklammern darf ich das nicht. Aber ich glaube, es ist wirklich entscheidend, wie der jeweilige öffentliche Entsorgungsträger – also sprich die Kommune – sich sein Gebührensystem ausgestaltet.

Und dann spielen noch andere Dinge eine Rolle: Habe ich einen besonders verdichteten Bereich oder habe ich unterschiedliche Nationalitäten geballt auf einem Raum? Dann ist es immer schwieriger, die Abfalltrennung hinzubekommen.

WDR: Welche Maßnahmen haben Sie konkret ergriffen, damit es heute so läuft wie es läuft?

Broglin: Also das kann man so schrittweise betrachten. 1986 kam die Einführung einer Wertstofftonne, 1992 kam das duale System flächendeckend in der Bundesrepublik. Das haben wir dann gleich dem Bürger angeboten. Und dann haben wir zeitig auch die getrennte Bioabfallsammlung eingeführt.

Wir von der Müllabfuhr holen das beim Haushalt ab. Und dann haben wir parallel dazu noch ein sehr großes und gutes Angebot an Recyclinghöfen und anderen abfallwirtschaftlichen Dienstleistungen aufgebaut.

WDR: In der Novellierung des Landesabfallgesetzes NRW dürfen die Kommunen Geld von den Bürgern verlangen und es auch in Themen wie Aufklärung über Mülltrennung stecken. Ist das bei Ihnen auch so?

Broglin: Das machen wir sogar schon relativ lange. Ich habe zum Beispiel eine Mitarbeiterin, die ausschließlich in Kindergärten, Grundschulen und auch weiterführende Schulen geht und den Kleinen von der Pike auf das Thema Abfalltrennung beibringt.

Die Kinder sind für uns Multiplikatoren in das Elternhaus hinein. Das praktizieren wir aber schon ganz, ganz lange. Eir sprechen unsere Bevölkerung regelmäßig auch immer wieder mit Aufklärungskampagnen an.

Die Fragen stellte Nicolas Vordonorakis.

Stand: 15.12.2019, 06:00