Stolberger Bürgermeister fordert Reform des Katastrophenschutzes

Westpol Westpol 29.08.2021 29:29 Min. UT DGS Verfügbar bis 29.08.2022 WDR

Stolberger Bürgermeister fordert Reform des Katastrophenschutzes

Von Torsten Reschke

Die Kritik am Hochwasser-Management des Landes reißt nicht ab: Der Stolberger Bürgermeister Haas sieht sich schlecht informiert - und fordert Reformen beim Katastrophenschutz.

Am Nachmittag des 14. Juli versank Stolberg in den Fluten. Ein Szenario, das sich Bürgermeister Patrick Haas (SPD) nie hätte vorstellen können. Denn es gab keinerlei Warnungen übergeordneter Behörden. "Die sind bei uns nicht angekommen." Man habe ausschließlich reagiert, weil vor Ort gesehen wurde, dass es stark regnete und die Pegel angestiegen seien. "Das ist das einzige, was wir zur Verfügung hatten", sagt Haas.

Meldungen blieben ohne konkrete Hinweise

Dabei gab es deutliche Warnungen des Deutschen Wetterdienstes, schon in den Tagen zuvor. Von extremen Unwettern und Niederschlägen bis zu 200 Liter pro Quadratmeter war schon am Montag und Dienstag die Rede, ehe sich die Situation am Mittwoch in Stolberg zuspitzte. Doch was das genau bedeutete, blieb in den betroffenen Kommunen bis zum Eintritt der Katastrophe unklar.

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Die Hydrologen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz gaben zwar Daten über die Pegelstände der Flüsse an die Bezirksregierungen weiter, ohne das Ganze allerdings mit konkreten Warnungen oder Anweisungen zu verbinden. Bürgermeister Patrick Haas kritisiert das. "Konkret hätte man uns schon so warnen müssen, dass man sagt: es gibt einen Wasserpegel, der weit über zwei Meter in der Talachse ist. Und dann hätten wir sicher etwas früher anders reagiert."

So habe man während der Vichtbach die Innenstadt überschwemmte und das Rathaus flutete, hektisch Notfallpläne aktivieren, Texte für Lautsprecherdurchsagen schreiben und Evakuierungen anordnen müssen. Das müsse bei künftigen Notfällen anders laufen, findet Patrick Haas.

Forderung nach Wetter-Informationen zu konkreten Maßnahmen

Der Bürgermeister aus Stolberg fordert im Westpol-Interview eine Reform des Katastrophenschutzes. Die Kommunen bräuchten jemanden, der die Wetterdaten ausliest und den Städten und Kreisen Informationen übermittelt, was auf sie zukommen könnte - nach dem Prinzip: "Bereitet euch vor, holt eure Pläne raus und überlegt, wie ihr mit der Bevölkerung umgeht.“

Für die Beurteilung der Hochwassersituation ist in Nordrhein-Westfalen das Landesamt für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz zuständig. Laut einem Bericht an den Umweltausschuss seien die vom Deutschen Wetterdienst übermittelten Daten allerdings zu unpräzise und missverständlich gewesen. Deshalb habe man die Auswirkungen der tagelangen extremen Regenfälle nicht erkennen können.

Der Deutsche Wetterdienst wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Man habe die Lage nicht nur deutlich beschrieben, sondern sei über eine Hotline auch jederzeit für Rückfragen erreichbar gewesen. Aber in den Tagen der Flutkatastrophe habe von Seiten der Landesregierung niemand angerufen.

Stand: 30.08.2021, 10:36