Digitalisierung an den Schulen: "Wir könnten schneller sein"

Ein Schüler programmiert mit einem Tablet den Einplatinencomputer «Calliope mini», der von der Calliope GmbH an Schulen gespendet wird

Digitalisierung an den Schulen: "Wir könnten schneller sein"

Von Christoph Ullrich

Der WDR hat Schulleiter und Schüler gefragt, wie es um die Digitalisierung an ihrer Schule steht. Das Ergebnis: Die "digitale Schule" ist scheinbar noch weit entfernte Zukunft.

Die WDR-Umfrage zur Digitalisierung an den Schulen hat viele bekannte Probleme noch einmal verdeutlicht. Die Ausstattung mit Computern oder einem schnellen Netz ist noch lange nicht auf gutem Niveau, nicht alle Schüler und Schülerinnen werden beim sogenannten Home-Schooling erreicht oder empfinden das tatsächlich auch als echten Unterricht. Landesschulministerin Yvonne Gebauer (FDP) weiß um diesen Umstand. Die Corona-Pandemie hatte auch sie erst einmal unvorbereitet getroffen.

"Von Rot-Grün eine 5- übernommen"

Im WDR-5-Interview gesteht sie ein, "wir könnten natürlich schneller sein." Allerdings sagt sie auch, man habe von der bis Mitte 2017 amtierenden Landesregierung von SPD und Grünen "eine 5- in der Digitalisierung übernommen". So waren laut Gebauer bis Ende 2017 nur 13 Prozent der Schulen an ein leistungsfähiges Internet angeschlossen. Ende dieses Jahres werden es - so Gebauer - 60 Prozent sein. Auch habe man mit 350 Millionen Euro ein digitales Ausstattungsprogramm in Gang gesetzt, mit dem unter anderem alle Schüler und Schülerinnen mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden sollen.

Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott lässt die Kritik an der Regierungszeit seiner Partei nicht stehen. Im Gegenteil, er sieht Gebauer in der Verantwortung, dass der Ausbau nur schleppend laufe, vor allem dort, wo es finanzielle Probleme gebe. Er sagte im WDR-Interview, finanzschwache Städte, wie auch Familien ohne großes Einkommen, würden abgehängt. "Die Landesregierung regiert seit drei Jahren und wir brauchen eine gemeinsame Vorgehensweise." Dieser Abstimmung verweigere sich das Schulministerium jedoch, sagt Ott. Man brauche jetzt einen Schulgipfel mit allen Beteiligten.

Lernen erst jetzt zu laufen

Die Vorsitzende des NRW-Philologenverbandes, Sabine Mistler, sagt, man habe in der Corona-Pandemie erste Schritte gemacht, "wie so ein Kleinkind, das anfängt zu laufen". Maike Finnern von der Bildungsgewerkschaft GEW ergänzt, man brauche "so was wie Systemadminstratoren, IT-Support an den Schulen, das ist eine eigene Profession". Damit spielt die GEW-Landesvorsitzende darauf an, dass in der WDR-Umfrage viele Schulleiter und -leiterinnen angaben, dass häufig Lehrer und Lehrerinnen die Geräte warten müssten, da es auf dem Markt nicht genug Fachpersonal gibt.

Gebauer: Digitalisierung an Schulen "gezielter fördern"

WDR 5 Morgenecho - Interview 06.10.2020 05:58 Min. Verfügbar bis 06.10.2021 WDR 5


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Schulministerin Gebauer sagt, auch deshalb habe man den Umgang mit Digitalisierung und Technik zu einem festen Modul in der Lehrerausbildung gemacht. Was ein langer Weg werden dürfte. Xueling Zhou von der Landesschülervertretung sagt, dass es am Ende keine Frage der technischen Ausstattung sein wird. Besonders die Lehrerschaft wird sich ändern müssen, damit die Schulen digitalier werden: "Ich kenne viele Lehrerinnen, die sind altmodisch geblieben und bevorzugen es mit Stift und Papier zu arbeiten. Jedoch sind wir im Zeitalter der Digitalisierung und auch wegen der Corona-Pandemie muss man anfangen digital zu arbeiten", so die Schülerin.

Stand: 06.10.2020, 11:35

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