Garantierter Ganztagsplatz für Grundschüler löst in NRW Skepsis aus

Garantierter Ganztagsplatz für Grundschüler löst in NRW Skepsis aus

Bund und Länder haben sich auf einen Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung an Grundschulen geeinigt. Am Freitag stimmte auch der Bundesrat zu. Die Reaktionen aus NRW sind erfreut bis skeptisch.

Für Grundschulkinder soll es ab dem Schuljahr 2026/27 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung geben. Nach dem jüngsten Beschluss des Bundestags stimmte am Freitag auch der Bundesrat für den erst kürzlich ausgehandelten Kompromiss. Obwohl viele Eltern den Beschluss für überfällig halten – es gibt auch Zweifel, ob die Kosten im Rahmen bleiben.

Bayern, München: Vier Jungen gehen in die Schule, auf dem Foto sieht man nur ihre Schulranzen.

Carolyn aus Düsseldorf ist Mutter eines dreieinhalbjährigen Kindes. Der Rechtsanspruch auf eine Grundschul-Ganztagsbetreuung ab 2026 kommt für die beiden berufstätigen Eltern zu spät. Trotzdem: Die politische Entscheidung sei "vernünftig", sagt Carolyn.

SPD will Tempo beim Ganztagsausbau

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte den Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze an Grundschulen einen Meilenstein. Auch Jochen Ott von der SPD-Opposition im Landtag lobte seine Partei, die in der Bundesregierung für diese Einigung gekämpft habe.

Gleichzeitig mahnte er Tempo bei der Landesregierung an: "2026 ist quasi übermorgen", sagte er dem WDR. Es gehe darum, jetzt auch einen qualitätsvollen Ganztag sicherzustellen.

Landkreistag NRW kritisiert Finanzierung

Skepsis bis Gegenwind kommt vom Landkreistag NRW. Der Bund habe zwar neben den bereits zugesicherten 3,5 Milliarden Euro Investitionskosten nun seinen Zuschuss für Betriebskosten um 340 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro erhöht.

Das sei aber zu wenig und nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Der Landkreistag sorgt sich, dass die Kommunen am Ende auf Kosten sitzen bleiben.

Lehrergewerkschaft sieht Personalprobleme im Ganztag

In NRW besucht etwa die Hälfte der Grundschulkinder eine Ganztagsbetreuung. In vielen Kommunen müssen sich Eltern für die Plätze bewerben, nur wer einen Bedarf nachweist, bekommt einen. Im vergangenen Jahr hatte das Deutsche Jugendinstitut errechnet, dass NRW bis 2025 eigentlich knapp 260.000 Ganztagsplätze mehr an Grundschulen bräuchte.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, hält den Ausbau für eine enorme Herausforderung. "Der Mehrbedarf trifft auf ein absolutes Mangelfeld", meint die Landesvorsitzende Ayla Çelik. Es gebe viel zu wenig Beschäftigte im offenen Ganztag: "Der Grund sind schlechte Arbeitsbedingungen mit Befristungen und Minijobs". Wie die SPD fordert auch die GEW, die Betreuungsqualität im Ganztag zu erhöhen.

Stand: 10.09.2021, 10:37