Durchsuchungen bei der rechtsextremen Bruderschaft Deutschland

Ralf Nieland

Durchsuchungen bei der rechtsextremen Bruderschaft Deutschland

Von Tobias Dammers und Felix Mannheim

  • Durchsuchungen in Düsseldorf, Herne und Neuss
  • alle haben Verbindungen zur rechtsextremen „Bruderschaft Deutschland“
  • Verdacht auf unerlaubten Waffen- und Drogenbesitz
  • auch die Wohnung des Anführers wurde durchsucht

Es ist kurz nach 9.00 Uhr am Mittwoch (01.04.2020) als Staatsschützer in Düsseldorf-Holthausen zugreifen. Auf der Straße vor seiner Wohnung nehmen sie Ralf Nieland in Empfang. Er gilt als Anführer der "Bruderschaft Deutschland", einer als rechtsextrem eingestuften, selbst ernannten "Bürgerwehr".

Die Beamten begleiten Nieland in seine Wohnung. Laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf war die Durchsuchung Teil einer laufenden Ermittlung wegen "waffenrechtlicher Verstöße". Vermutet wurde, dass Nieland unerlaubt Waffen in seiner Wohnung lagere.

Zeitgleich fanden vier weitere Durchsuchungen in Düsseldorf, Neuss und in Herne statt - laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei "Menschen, die im Umfeld der Bruderschaft Deutschland unterwegs sind". Deren Verbindung zur Bürgerwehr habe bei den Durchsuchungen eine "zentrale Rolle" gespielt.

Spürhund im Einsatz

Bei der Durchsuchung in Düsseldorf-Holthausen setzen die Beamten auch einen Spürhund ein. Nach zwei Stunden laden sie mehrere blaue Müllsäcke mit möglichem Beweismaterial in ein Auto und beenden die Durchsuchung. Gefunden wurde unter anderem ein Elektroschocker und ein Messer gefunden.

Ein Haftbefehl gegen Nieland liegt laut Staatsanwaltschaft und NRW-Innenministerium nicht vor. Nieland äußert sich auf gegenüber den WDR-Reportern vor Ort nicht zu den Vorgängen. Auf eine anschließende schriftliche Anfrage liegt bislang noch keine Reaktion vor.

Ralf Nieland – wer ist das?

Neue Bürgerwehr in Witten

Das WDR-Magazin Westpol hatte mehrfach über Ralf Nieland berichtet. Ermittlern gilt er bundesweit als wichtige Führungsfigur der rechten Szene. Ursprünglich entstammt Nieland dem Hooligan-Milieu von Fortuna Düsseldorf. In der "Bruderschaft Deutschland" vernetzt er Hooligans, Rocker und Rechtsextreme.

Im aktuellen NRW-Verfassungsschutzbericht steht, dass die Mitglieder der "Bruderschaft Deutschland" vornehmlich "aus der rechtsaffinen Hooliganszene" sowie "aus dem subkulturellen Rechtsextremismus" stammen. Im vergangenen Jahr (03.10.2019) beobachtete der WDR, wie Nieland rechte und rechtsextreme Akteure aus ganz NRW bei einer großen Demonstration in Berlin zusammenbrachte. Diese Demonstration zum Tag der Deutschen Einheit gilt Ermittlern als Schlüsseltreffen der gewaltaffinen, rechten Szene.

Bereits zuvor war Ralf Nieland wegen Körperverletzung verurteilt worden – nach einem gewalttätigen Angriff auf einen Gegendemonstranten bei einer Kundgebung 2018 in Düsseldorf.

Hinweise auf rechtsterroristische Kontakte

Zuletzt gab es Hinweise darauf, dass Nieland noch gefährlicher ist, als bis dahin angenommen. Nach der Verhaftung der mutmaßlichen rechtsextremen "Terrorgruppe S." im Februar 2020 gab es mehrere Hinweise auf eine Nähe Nielands zu dieser Gruppe. Ein Informant, der mit den Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Rechtsterroristen vertraut ist, berichtete WDR-Westpol von engen Verbindungen der "Gruppe S." zu Nieland.

Die Gruppe S. - Einblicke in die Terrorzelle Westpol 23.02.2020 UT DGS Verfügbar bis 23.02.2021 WDR

Außerdem posierte Nieland auf Fotos mit Tony E., den die Ermittler zum inneren Kreis der "Gruppe S." zählen. Tony E. trug T-Shirts der "Bruderschaft Deutschland – Sektion Süd", einem Ableger von Nielands Gruppe. Nieland bestätigte auf WDR-Anfrage, Tony E. zwei Mal getroffen zu haben, distanzierte sich aber von jeglichen Terrorplänen.

Laut NRW-Innenministerium stehen die heutigen Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf in einem Zusammenhang mit den Ermittlungen des Generalbundesanwalts zur "Gruppe S."

Stand: 01.04.2020, 21:56