Rauchverbot im Auto: Kinderschutz durch Bußgelder?

Nur noch jeder Vierte  steckt sich regelmäßig eine an

Rauchverbot im Auto: Kinderschutz durch Bußgelder?

Von Andreas Poulakos

  • Gewerkschaft der Polizei eher dafür
  • Kinderschutzbund bezweifelt Wirkung
  • Ärzte sehen sich bestätigt

Der Ruf nach einem Rauchverbot in Autos, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, wird lauter. In einem gemeinsamen Antrag haben am Donnerstag (21.03.2019) CDU, SPD, FDP und Grüne die Landesregierung aufgefordert, im Bundesrat einen entsprechenden Gesetzentwurf einzubringen. Fragen und Antworten zum Kinderschutz per Gesetz.

Warum sollen Kinder nur im Auto besonderen Schutz genießen?

"Natürlich finden wir es grundsätzlich erst mal gut, wenn Kinder vom Passivrauchen geschützt werden", sagt Nicole Vergin vom Deutschen Kinderschutzbund NRW. Aber: "Müsste man nicht folgerichtig auch das Rauchen in Wohnungen verbieten, in denen Kinder leben?"

Viel besser als ein Gesetz sei mehr Rücksicht: "Der gesunde Menschenverstand gebietet es einfach, dass man nicht in der Nähe von Kindern raucht."

Ist Passivrauchen Körperverletzung?

Für Mediziner ist das gar nicht so weit hergeholt: "Wir fordern seit Jahren ein Rauchverbot im Auto", sagt Edwin Ackermann, Sprecher des Berufsverbands Kinder- und Jugendärzte in NRW (BvKJ). Angesichts der hohen Schadstoffkonzentration, die selbst eine einzige Zigarette in einem Pkw verursacht, könne es aus ärztlicher Sicht gar keine andere Haltung geben.

Den Einwand, dass Kinder von Rauchern auch zuhause dem Qualm ausgesetzt sind, lässt er nicht gelten. "Dort gibt es zumindest die Möglichkeit, auszuweichen." Eines Tages werde man aber sicher auch über den privaten Bereich reden müssen.

Kann ein Verbot überhaupt durchgesetzt werden?

"Warum nicht", fragt Michael Mertens, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, "die Gurtpflicht wird ja auch nicht lückenlos kontrolliert".

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Hohe Geldstrafen könnten helfen, sagt Mertens weiter: "Verkehrserziehung geht immer übers Portemonnaie." Allerdings seien noch rechtliche Fragen ungeklärt, die teilweise kurios anmuten: "Wie gehen wir zum Beispiel mit rauchenden Schwangeren um, die mit ihrem Auto allein unterwegs sind?"

Gibt es politischen Widerstand?

Im NRW-Landtag herrscht eher Konsens: Zwar hatte die AfD sich bei der Abstimmung enthalten. Grundsätzlich gebe es aber keine Einwände gegen ein Verbot, sagte ihr gesundheitspolitischer Sprecher Martin Vincentz. Der Grund für die Enthaltung sei politischer Natur: "Wir wurden nicht gefragt, obwohl wir gerne mitgewirkt hätten."

Zudem seien noch viele Fragen offen, zum Beispiel wie das Gesetz wirksam umgesetzt werden kann. "Sinnvoller wären vernünftige Programme, um Raucher zu unterstützen, sich von ihrer schweren Sucht zu befreien."

Rauchverbot im Auto: "Manchmal reicht der Appell nicht"

WDR 5 Morgenecho - Interview 21.03.2019 05:52 Min. Verfügbar bis 19.03.2020 WDR 5

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Stand: 21.03.2019, 21:02