Fall Lügde: Wurde Zeugin von Amtsträgern bedroht?

Ein Polizeiauto steht vor einem abgesperrten Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

Fall Lügde: Wurde Zeugin von Amtsträgern bedroht?

Von Thomas Drescher

  • Zeugin gibt an, von Jugendamtsleiter bedroht worden zu sein
  • Sie hatte zwei Jahre vor Bekanntwerden Behörden alarmiert
  • Pflegevater hatte gesagt, für Süßigkeiten tue das Kind alles

Bei der Aufarbeitung des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde gibt es neue Vorwürfe gegen die Behörden. Eine Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg (Kreis Lippe) sagte im Untersuchungsausschuss des Landtags am Montag (11.05.2020), dass sie vom dortigen Leiter der Jugendamtsstelle bedroht worden sei. Er habe nicht gewollt, dass sie dem Fall weiter nachging.

Unter Tränen sagte die Zeugin dem Untersuchungsausschuss, wie sie schon im November 2016 vergeblich versucht habe, die zuständigen Behörden zum Eingreifen zu bewegen. Passiert ist damals, zwei Jahre bevor der verdächtige Pflegevater verhaftet wurde, zum Schutze des Mädchens nichts.

Wie ein schwarzes Schaf behandelt

Ein Jugendamtsleiter und ein Polizeibeamte aus Blomberg und Lügde hätte die Zeugin sogar davor gewarnt, einen unbescholtenen Bürger an den Pranger zu stellen. Je mehr sie sich kümmerte, so berichtete, sie, umso mehr Gegenwind erfuhr sie - auch von den eigenen Vorgesetzten. Sie sei wie ein schwarzes Schaf behandelt worden.

Die Mitarbeiterin des Jobcenters hatte mit dem Pflegevater zu tun, als er zu einer Beratung zusammen mit seiner Pflegetochter in ihrem Büro aufgetaucht war. Neben anzüglichen Bemerkungen über das Mädchen habe er gesagt, die Kleine tue für Süßigkeiten alles. Zu ihrem Entsetzen habe er eine Schenkungsurkunde für das Mädchen präsentiert.

Kinderschutz: Aus Lügde nicht schnell genug gelernt? Westpol 10.05.2020 UT DGS Verfügbar bis 10.05.2021 WDR

Stand: 11.05.2020, 20:30