U-Ausschuss Lügde: Frühe Warnungen ignoriert

Ein mit Polizeiband abgesperrter Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

U-Ausschuss Lügde: Frühe Warnungen ignoriert

  • Lügde-Untersuchungs-Ausschuss des Landtags
  • Zwei Zeuginnen schilderten frühe Warnungen vor Haupttäter
  • Behörden schritten nicht ein

Schon mehr als zwei Jahre vor dem Bekanntwerden des massenhaften Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz von Lügde gab es mehrere Hinweise auf Verbrechen des mutmaßlichen Haupttäters Andreas V.. Sie wurden von den Jugendämtern offenbar nicht ernst genommen. Das berichteten zwei Zeuginnen am Montag (09.03.2020) im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags.

Kinderschutzbund schaltete Polizei ein

Eine 62-Jährige Mitarbeiterin des Kinderschutzbunds Bad Pyrmont schilderte dem Ausschuss, dass sich ein Vater "fassungslos" an sie gewandt habe. Der Vater hatte selbst im Januar vor dem Untersuchungsausschuss ausgesagt: Bei einem Grillfest in Pyrmont habe sich Andreas V. 2016 an seine kleinen Töchter herangemacht. Unter anderem habe er sie auf seine Schultern gesetzt und dem Vater mit einem obszönen Spruch zu verstehen gegeben, warum er die kleinen Mädchen gerne an seinem Hals fühle.

Die Beraterin beim Kinderschutzbund alarmierte daraufhin die Jugendämter in Hameln und Blomberg und die Polizei. Eindringlich habe sie gewarnt: "Bitte fahren Sie dahin und überprüfen Sie den Mann. Da stimmt etwas nicht." Sie habe Tage später einen Rückruf von der Polizei mit der Information erhalten: "Wir können nichts feststellen." Erst im November 2018 war Andreas V. verhaftet worden.

Kinderpsychologin warnte vergebens

Etwa zeitgleich äußerte auch eine Kinderpsychologin aus dem Kindergarten einer Fünfjährigen den Verdacht, Andreas V. sei pädokriminell. Es habe zwar Gespräche mit dem Jugendamt gegeben, aber keine Konsequenzen. Stattdessen setzte das Jugendamt Andreas V. sogar als Pflegevater des kleinen Mädchens ein.

Seit September 2019 untersucht der Ausschuss, inwieweit Fehleinschätzungen oder Versäumnisse von Regierungsstellen oder Behörden den Missbrauch auf einem Campingplatz im lippischen Lügde begünstigt haben. Dort hatte es über viele Jahre hundertfach sexuelle Gewalt gegen zahlreiche Kinder gegeben.

Erste Zeugen im Lügde-U-Ausschuss vernommen

WDR aktuell - Der Tag 31.01.2020 10:04 Min. Verfügbar bis 30.01.2021 WDR 3

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Stand: 09.03.2020, 17:42