Daten aus dem Fall Amad A. "versehentlich" gelöscht

Ein junger Mann in der Nahaufnahme. Er trägt einen modischen Kurzhaarschnitt und hat den Kragen seines Anoraks lässig aufgestellt.

Daten aus dem Fall Amad A. "versehentlich" gelöscht

Von Martina Koch

Im Fall Amad A. gab es offenbar eine schwere Datenpanne. Der Syrer war wegen einer Verwechslung inhaftiert und nach einem Zellenbrand gestorben. Ein U-Ausschuss bemüht sich um Aufklärung.

Die zuständige Oberstaatsanwältin aus Kleve hat vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags eingeräumt, dass sämtliche Datensätze über den verstorbenen Amad A. in den Polizeidatenbanken gelöscht worden sind. Und dies obwohl das NRW-Innenministerium im Dezember 2018 angeordnet hatte, dass wegen der noch laufenden Aufklärung keine automatische Löschung der Datensätze im Fall Amad A. vorgenommen werden dürfe.

Löschroutine nicht gestoppt

Die Daten wurden dennoch im Oktober 2020, zwei Jahre nach dem Tod des jungen Syrers, in sämtlichen Polizeidatenbanken gelöscht. Offenbar hatte niemand den Routinevorgang manuell gestoppt. Eine Straftat sieht die zuständige Staatsanwältin allerdings nicht. Das Landeskriminalamt gehe von einem Versehen aus.  

Für die Grünen ist der Vorgang ein Skandal, denn noch sei nicht klar, wie der Syrer mit einem Mann aus Mali verwechselt werden konnte. CDU und FDP haben jetzt die Aufklärung der Datenlöschung durch einen unabhängigen Sachverständigen beantragt. "Wir dürfen der Opposition keinen Raum für Verschwörungstheorien lassen“, sagte Oliver Kehrl, CDU-Obmann im Untersuchungsausschuss.

Stand: 12.05.2021, 09:54

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