Nur wenige Prostituierte in NRW melden sich an

Archiv/Illustration - Eine Prostituierte liegt am 23.01.2012 in Köln in einem Bordell auf einem Bett.

Nur wenige Prostituierte in NRW melden sich an

  • 3.900 Prostituierte in NRW angemeldet
  • Schätzungen: 90 Prozent trotz Vorschrift nicht registriert
  • Angst vor Stigmatisierung und Schikane

Seit Sommer 2017 müssen sich Prostituierte in NRW anmelden und gesundheitlich beraten lassen. Doch nur wenige halten sich daran.

Zum 31. März 2018 waren rund 3.900 Prostituierte angemeldet. Das geht aus einem Bericht über Menschenhandel und Prostitution hervor. Das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung hat ihn erstellt.

Damit hat sich offenbar etwa jede zehnte Prostituierte wie vorgeschrieben bei den Behörden angemeldet. Denn Schätzungen zufolge gibt es 42.000 Sexarbeiterinnen in Nordrhein-Westfalen.

Sex, Arbeit und Stigma für Angehörige

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 02.07.2018 | 20:20 Min.

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Nachdem im Juli 2017 das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten ist, müssen sich Sexarbeiterinnen bei den Behörden in Städten oder Kreisen anmelden und gesundheitlich beraten lassen. Im Gegenzug erhalten sie einen amtlichen Ausweis, der ihre Beschäftigung bestätigt.

Außerdem wurde die Kondompflicht eingeführt. Ziel des Gesetzes ist, die Arbeitsbedingungen der Betroffenen zu verbessern und kriminelle Ausbeutung früher zu erkennen.

Prostituierte befürchten Stigmatisierung und Schikane

Als Gründe für die geringe Zahl der Anmeldungen sieht das Gleichstellungsministerium Angst vor dem Finanzamt oder auch Angst vor Stigmatisierung und demütigender Behandlung durch Behörden.

Das neue Gesetz habe in NRW zwar bei Kontrollen erste Erfolge bei der Identifizierung von Opfern von Zwangsprostitution gezeigt, jedoch nicht bei Anmeldung und Beratung, heißt es im Ministeriumsbericht. Auch die Kondompflicht werde oft umgangen.

Stand: 12.11.2018, 09:57