Millionen Euro aus der Schweiz: Ex-AfD-Chef nennt Partei käuflich

Marcus Pretzell

Millionen Euro aus der Schweiz: Ex-AfD-Chef nennt Partei käuflich

Von Christoph Ullrich

Marcus Pretzell, früherer Chef der AfD in Nordrhein-Westfalen und heute fraktionslos, hat seine ehemalige Partei heftig attackiert. In einer Rede im Landtag erhob er den Vorwurf der Käuflichkeit.

In der gesamten AfD dürfte diese Rede Diskussionen auslösen. Marcus Pretzell - einst AfD-NRW-Chef - trat ans Mikro des Landtags. Nicht, um über Stoffmasken bei der Polizei und die Causa “van Laack” zu reden, wie die anderen Parteien vor ihm. Nein, Pretzell wollte über seine Ex-Partei reden.

Die AfD habe die Frage nach Transparenz in der Sache "völlig zurecht", so Pretzell, heute auf die Tagesordnung gesetzt. Es fehle aber in der Sache an Einordnung zur AfD. Die wollte er nun selbst liefern. Die folgenden Minuten gerieten zu einer Anklage mit den Fragen zu ausländischen Spenden an führende Personen aus der Partei.

Voluminöse Umschläge aus der Schweiz

So soll Jörg Meuthen, der AfD-Bundeschef, im Dezember 2015 ins schweizerische Küssnacht gefahren sein. "Dort wird ihm ein voluminöser Umschlag übergeben", so Pretzell in der Rede. Meuthen sei danach - so schildert es der ehemalige Landeschef weiter - im Frühjahr 2016 zu Björn Höcke übergelaufen und sei "zum Maskottchen des Flügels" geworden.

Der sogenannte Flügel war eine AfD-nahe Organisation, angeführt vom thüringischen Parteichef Höcke. Sie steht im Verdacht, rechtsextrem zu sein und auch nach ihrer Auflösung soll sie immer noch erheblichen Einfluss in der Partei haben. Meuthen hatte sich in den letzten Monaten jedoch deutlich vom Flügel distanziert.

AfD von außen gesteuert?

Ähnliches behauptet Pretzell über weitere AfD-Spitzenpolitiker. Er nennt die Fraktionschefin Alice Weidel oder den Essener AfD-EU-Parlamentarier Guido Reil. Beide, so Pretzell, sollen Geld aus der Schweiz erhalten haben, nachdem sie kurzzeitig mit dem rechten Parteiflügel gemeinsame Sache gemacht hätten. Beide hatten schön früher bestritten, derartige Geldbeträge erhalten zu haben.

Auch bei Wahlkampfhilfen für NRW-Abgeordnete wie auch der Jungen Alternative soll es Unterstützung aus der Schweiz gegeben haben. Es sei dabei nie um das Wohl der Partei, sondern immer um die "Steuerbarkeit der Partei von außen gegangen", so der inzwischen fraktionslose Abgeordnete. Eine weitere Debatte zu dem Redebeitrag gab es im Landtag nicht.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen wies die Vorwürfe entschieden zurück. Auf WDR-Anfrage sagte er, Pretzell sage die Unwahrheit. "Es ist schlicht frei erfunden, dass ich in Küssnacht einen voluminösen Umschlag erhalten hätte", erklärte Meuthen schriftlich. Pretzells Motive, der AfD durch "unzutreffende Gerüchte" Schaden zuzufügen, dürften inzwischen bekannt sein.

Stand: 26.03.2021, 16:46

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