Bodycam und Schutzweste: So sind Polizisten in NRW geschützt

Stand: 01.02.2022, 16:54 Uhr

Nach den Schüssen von Kusel stellt sich auch für NRW die Frage: Wie gut sind Polizisten eigentlich vor Angriffen geschützt? Neben Schutzwesten und Helmen setzt das Innenministerium auch auf Bodycams und Taser.

Von Rainer Striewski

Wer - oder genauer gefragt: was - schützt eigentlich diejenigen, die die Gesellschaft schützen sollen? Diese Frage stellt sich nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in Kusel in Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen setzt die Polizei unter anderem auf Bodycams - obwohl diese schon kurz vor dem Aus zu stehen schienen.

Zu schwer, zu störanfällig, kurzum untauglich für die Praxis: Mit diesem Ergebnis musste vor vier Jahren eine Testphase für die Einführung von Bodycams bei der Polizei in NRW abgebrochen werden. Doch seitdem hat sich einiges getan - technisch wie politisch. Trotz des Rückschlags hielt Innenminister Herbert Reul (CDU) damals an seinem Plan fest, die Polizei in NRW flächendeckend mit Bodycams auszustatten.

Fast 10.000 Bodycams im Einsatz

Bereits ein Jahr später präsentierte er ein neues Kameramodell, von dem mittlerweile etwa 9.400 Exemplare angeschafft wurden. Ihr Ziel: "Die Kameras können kritische Situationen im Streifendienst entschärfen. Und das schützt die Polizistinnen und Polizisten direkt vor Übergriffen", so Reul bei der Vorstellung.

Nahe Aufnahme einer Bodycam

Bodycam: Schutz vor Angriffen?

Eine vom Land in Auftrag gegebene Studie bestätigte damals generell das Potenzial, dass Bodycams bei Polizeieinsätzen deeskalierend wirken können. So hätten etwa in vielen Konfliktfällen die von den Beamten gestarteten Videoaufzeichnungen "keine ausgeprägten Zeichen verbaler oder tätlicher Aggression" gezeigt.

Allerdings wurde gleichzeitig überraschenderweise auch festgestellt, dass Polizistinnen und Polizisten im Vergleich häufiger angegriffen wurden, wenn sie eine Bodycam trugen. Denn die Bodycam führe zu einem zurückhalteneren Auftreten der Einsatzkräfte, was wiederum tätliche Angriffe begünstige, so ein zentrales Ergebnis der Studie.

Gewerkschaft der Polizei wollte Bodycams dringlich haben

Rund acht Millionen Euro hat das Land bislang in die Anschaffung von Bodycams investiert - sehr zur Freude der Gewerkschaft der Polizei in NRW. Die hatte sich zuvor jahrelang für den landesweiten Einsatz dieser Körperkameras eingesetzt. "Man kann so das Einsatzgeschehen sehr viel besser zurückverfolgen", erklärt Michael Maatz, stellvertretender Landesvorsitzender. Vorausgesetzt natürlich, die Kamera wurde beim Einsatz eingeschaltet. Denn die Geräte sind nicht pausenlos aktiv. Das müssen sie aber auch nicht, denn allein schon die abschreckende Wirkung wäre bei der Einführung ein ganz wichtiger Punkt gewesen, so der Gewerkschafter.

Darauf setzt auch das Innenministerium. Bodycams sollen demnach neben der Dokumentation von Angriffen insbesonders dazu dienen, potentielle Täter abzuschrecken.

Taser, Helme und Schutzwesten

Symbolbild: Polizei-Hundertschaft mit Helm im Arm

Gut geschützt - auch im Streifendienst?

Neben den Bodycams setzt NRW auf weiteres Equipment. "Die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten in Nordrhein-Westfalen verfügen über zahlreiche Möglichkeiten sich während ihres Dienstes gegen Angriffe zu schützen", heißt es aus dem Innenministerium. So habe jede Polizistin und jeder Polizist etwa die Möglichkeit, neben einer Bodycam auch Schutzwesten oder ballistische Schutzhelme zu nutzen. 11.000 dieser Helme habe die aktuelle Landesregierung extra angeschafft.

Und auch Taser kommen hierzulande vermehrt zum Einsatz. Im Gegensatz zu Pfefferspray wirken diese "Distanz-Elektro-Impuls-Geräten", wie sie offziell heißen, auch bei Menschen, die betrunken sind oder unter Drogen stehen. Da diese Personen allerdings auch ein erhöhtes Risiko haben, dass der Taser ihnen schwere gesundheitliche Schäden zufügt, sind die Geräte umstritten.

Dennoch wird die Ausstattung der Polizeibehörden weiter fortgesetzt. Nach vier Kreispolizeibehörden im vergangenen Jahr sollen laut Innenministerium in diesem Jahr elf weitere Kreispolizeibehörden folgen.

Auch dafür hatte die Gewerkschaft der Polizei lange gekämpft. Insgesamt sieht die Gewerkschaft die Polizei in NRW gut ausgestattet. Michael Maatz weiß aber auch: "Einen hundertprozentigen Schutz wird es nie geben."

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