Warum steigt die Zahl gewaltbereiter Fußballfans trotz Geisterspiel-Saison?

Mann wird am Rande eines Fußballspiels von Polizisten festgesetzt

Warum steigt die Zahl gewaltbereiter Fußballfans trotz Geisterspiel-Saison?

Von Christoph Ullrich

Gewaltbereite Fußballfans werden von der Polizei in einer Datei gespeichert. Die Zahl der Einträge ist, trotz Geisterspielen, kräftig gestiegen - zur Verwunderung der Opposition.

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage hat den SPD-Abgeordneten Markus Weske erstaunt. "Noch zu Beginn des Jahres hatte uns der Innenminister von von einem deutlich reduzierten Einsatzaufkommen bei Fußballspielen berichtet. Jetzt auf einmal sind die Zahlen erfasster Störer allerdings rapide gestiegen", sagt der Sportpolitiker zu der noch nicht veröffentlichten Kleinen Anfrage, die dem WDR vorliegt.

Mehr als ein Drittel mehr Menschen in zentraler Datei

Hintergrund sind die Daten, welche Innenminister Reul in seiner Antwort an Grüne und Sozialdemokraten nennt. Es geht um eine Datei, in der das Innenministerium Daten zu Menschen speichert, die am Rande von Fußballspielen - zum Beispiel - als gewalttätig aufgefallen sein sollen. Diese sogenannte "Datei szenekundige Beamte" wuchs im Jahr 2020 auf 3.940 Personen an, 2019 waren es noch 3.020.

Ein auffälliger Zuwachs, da es von März bis zum Jahresende wegen der Corona-Pandemie in den Profi-Ligen mit NRW-Teams fast ausschließlich Geisterspiele gab. Die Grüne-Fraktionschefin Josefine Paul wundert das. Sie sagt, "eine Antwort, wie es zu dem weiteren Anwachsen der Dateien kommen konnte, bleibt die Landesregierung gänzlich schuldig." Tatsächlich fehlt in der Kleinen Anfrage der Oppositionsfraktionen die Antwort auf diese Frage.

Mehr Einträge auch technisch bedingt

Dem WDR sagt ein Ministeriumssprecher, dass es dafür durchaus Gründe gegeben hat. So habe es auch am Rande der sogenannten Geisterspiele "teilweise Zusammenkünfte von Fan- und Störergruppen gegeben"; ausschlaggebend sei aber die Bearbeitungszeit für einen Eintrag gewesen. Der Übertrag anderer Datensätze aus den Kreispolizeibehörden sei erst im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. Laut NRW-Innenministerium ist der Zuwachs daher in der Hauptsache technisch begründet.

Allerdings werden die meisten Personen nicht wissen, dass sie in dieser Datei stehen. Zwar haben die Betroffenen in NRW das Recht, die über sie erfassten Daten zu erfahren. Allerdings - so schreibt es die Landesregierung auch - gebe es keine proaktive Information, ob jemand auf einer solchen Liste geführt werde. Das sei laut NRW-Polizeigesetz nicht vorgesehen.

"Reform ist zwingend notwendig"

Besonders an dieser Praxis stört sich Josefine Paul. Dies sei ein "Rückschritt in der Diskussion um mehr Transparenz im Umgang mit gespeicherten Daten von Fußballfans", so die Grünen-Politikerin. Ein Reform im Umgang mit den Daten von Fußballfans sei also zwingend notwendig. Ansonsten könne es auch nach dem Ende der Geisterspiele passieren, dass man unbemerkt auf solchen Polizeilisten landet, weil man eventuell - so sagt es Paul - zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sei.

Stand: 04.06.2021, 15:47