NRW-Politik zögert bei Polizeikosten für Fußballspiele

DFL-Beteiligung an Polizeikosten - Endgültiges Urteil wird erwartet Sportschau 23.03.2019 05:36 Min. Verfügbar bis 23.03.2020 Das Erste

NRW-Politik zögert bei Polizeikosten für Fußballspiele

Von Christoph Ullrich

  • Bundesverwaltungsgericht verhandelt Streit zwischen Bremen und Fußball-Liga
  • Der Stadtstaat will über 425.00 Euro für den Polizeieinsatz bei einem Werder-Spiel
  • NRW-Politik reagiert verhalten bis ablehnend auf Kostenbeteiligung der Vereine

Der Streit um die Kosten des Polizeieinsatzes für das Fußballspiel Werder Bremen gegen den Hamburger SV beschäftigt die Politik auch in NRW. Die 2015 von der Polizei als Hochrisikospiel eingeschätzte Partie führte zu einem größeren Polizeieinsatz als an normalen Spieltagen. Daher forderte das Land 425.000 Euro von dem Bremer Bundesligisten.

Die Deutsche Fußball Liga hatte sich juristisch dagegen gewehrt, dass sich Proficlubs an den Kosten beteiligen. Jeweils mit unterschiedlichem Erfolg in den Vorinstanzen - nun liegt der Fall zur endgültigen Klärung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das seit Dienstag (26.03.2019) verhandelt.

Viele Risikospiele in NRW

In NRW dürfte die Politik genau hinschauen. Eine große Anzahl an Spielen erfordert einen erhöhten Aufwand an Polizei. Bis hinunter in die vierte Liga haben zahlreiche Profivereine viele Zuschauer. Entsprechend viele Derbys gibt es, wie Schalke gegen Dortmund, Köln gegen Mönchengladbach oder Essen gegen Oberhausen. Diese Spiele werden als sogenannte Hochrisikospiele mit erhöhter Polizeipräsenz eingeschätzt.

Innenminister Reul bleibt zurückhaltend

Innenminister Herbert Reul (CDU) hat bisher zögerlich auf die Bremer Zahlungsaufforderung reagiert. Man wolle erst abwarten, wie die Gerichte entscheiden, und sich die Urteilsbegründungen anschauen. Allerdings sagt Reul auf Nachfrage, dass der Richterspruch in Leipzig ein Grundproblem beim Fußball nicht lösen werde: "Wir haben einfach zu viele gewaltbereite Fans in unseren Stadien", so Reul.

Der Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle weist in ihrem aktuellen Bericht in den ersten drei Ligen 3.288 Personen aus, die aktiv Gewalt suchten.

Opposition lehnt Kostenbeteiligung ab

Klar ist die Haltung der Opposition im Landtag: SPD, Grüne und AfD lehnen es ab, die NRW-Vereine an den Kosten für die Polizei zu beteiligen. Ein SPD-Sprecher verweist auf die schwierige Unterscheidung beispielsweise zwischen einem Schützenverein und einem Fußballverein. Ein Sprecher fragt, wo ziehe man da die Grenzen für eine Kostenbeteiligung.

AfD-Fraktionschef Markus Wagner sagt, dass der Schutz öffentlicher Veranstaltungen eine staatliche Kernaufgabe sei. Außerdem frage er sich, wie ein Viert- oder Drittligist die Kosten stemmen solle.

Ähnliches kommt von den Grünen im Landtag. Deren innenpolitische Sprecherin Verena Schäffer verweist auf ein Konzept der alten rot-grünen Landesregierung. Die hatte bei Spielen mit weniger Risikopotential eine geringere Zahl an Polizei im Einsatz.

Stand: 26.03.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

27 Kommentare

  • 27 Haju 27.03.2019, 09:09 Uhr

    ich finde es eine frechheit das der bürger die ganzen einsätze bezahlen soll,dickes geld kasieren ??? wer die musik bestellt muß sie auch bezahlen ??? und nicht immer rausreden, da müeen sich die vereine mal was besseres einfallen lassen

  • 26 GoodFan 27.03.2019, 07:47 Uhr

    Wenn die Randalierenden weiter so unbehelligt vermummt ihre Gewalt bei nur zuschauenden Polizeibeamten ausüben können (hier fehlt es definitiv an durch die Politik gedeckter Durchschlagskraft, auch in den für festgesetzte Randalierende folgenden Konsequenzen!), nützt auch eine größere Anzahl an Polizisten nichts. Und die Zusatzkosten sollten die Vereine nicht tragen müssen, da das Grundproblem der in allen Bereichen des öffentlichen Lebens heute gelebten Gewalt damit nicht gelöst ist.

  • 25 FASEF 27.03.2019, 01:02 Uhr

    Bitte, holt das Geld für "Hochrisiko-Spiele" von den (teilweise) börsennotierten Vereins-Unternehmen zurück. Erst wenn die Vereine für ihre Hooligans richtig bluten, werden sie sich des Problems mal annehmen, nicht nur die immer wieder kehrenden Lippenbekenntnisse liefern. Sie können die Kostenja auf die EIntrittsgelder umlegen.

  • 24 AP 27.03.2019, 00:01 Uhr

    Eine ketzerische Frage: Wo sonst werden Straftäter auf dem Weg zum späteren Tatort von der Polizei begleitet? Stadionverbot und Aufenthaltsverbot wären die richtigen Schritte für sogenannte Fans der Kategorie C und evtl. B

  • 23 BMG 26.03.2019, 16:30 Uhr

    Und noch was: Veursacher der Polizeieinsätze sind nicht die Vereine, sondern die Randalierenden. Und auf die haben Klubs leider kaum Einfluss, auch wenn das immer gerne populistisch gefordert wird. Jeder Klub hat Fanprojekte, die seit Jahren gegen Randale im Stadion ankämpfen. Aber deren Einfluß ist begrenzt. Randale bei oder am Rande von Fußballspielen gibt es, hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben. Es war, um mal ein bisschen Hysterie aus der Sache zu nehmen, aber schon deutlich heftiger als heutzutage. Aber zu dieser Zeit wurde das medial nicht so aufgebauscht...

    Antworten (1)
    • Fausten 27.03.2019, 09:54 Uhr

      Da die Randalierer Kunde der Vereine sind, haben die Vereine dafür gerade zu stehen.

  • 22 BMG 26.03.2019, 16:27 Uhr

    Zunächst mal zahlen die DFL-Klubs jährlich über 1 Milliarden an Steuern. Damit sind sämtliche Polizeieinsätze mehr als abgedeckt. Darüber hinaus haben die Klubs als Veranstalter dafür zu sorgen, dass auf dem Veranstaltungsgelände (sprich Stadiongelände) Ruhe und Ordnung herrscht. Dafür gibt es Ordner im Stadion. Bei akuten Gefährdungen und Ausschreitungen außerhalbs des Stadiongeländes ist die Polizei zuständig, das ist originäre Aufgabe des Staates, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten bzw. herzustellen. Ansonsten müsste man auf dem Oktoberfest auch die Wiesnwirte zur Kasse bitte, für die ganzen Polizeieinsätze während des Oktoberfestes auszukommen. Oder am 1. Mai in Berlin, Gewerkschaften, Die Linke, ATTAC oder wer auch sonst immer Demonstrationen anmeldet, am Rande derer es immer wieder zu Ausschreitungen kommt. "Wer bestellt, bezahlt" kommt meines Erachtens hier leider nicht hin. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und wird auch von ihm kostentechnisch gedeckt.

    Antworten (1)
    • Thommy 27.03.2019, 08:02 Uhr

      Vielen Dank, einer der wenigen konstruktiven Kommentaren

  • 21 FanKultur 26.03.2019, 15:21 Uhr

    das hat für mich etwas mit der FanKultur der Fußballvereine zu tun . . . und auch mit den riesigen Fußballarenen - mein Vergleich mit den Arenen im alten Rom scheint mir da gar nicht so abwegig . . . - Beides dient der Unterhaltung der Massen und ist aus meiner Sicht mittlerweile von den Dimensionen der Stadien ausgeufert . . , Wer so Stadien plant, muss auch für die Sicherheit der Besucher geradestehen. Und wenn die Vereine es nicht selbst gewährleisten können, müssen sie schlichtweg dafür bezahlen; denn wer die Musik bestellt, trägt die Kosten! Bei den Einnahmen im Fußball sehe ich da keinen drohenden Ruin für die Vereine. und mancher Verein zahlt es aus der "Portokasse"

  • 20 Steuerzahler,60 26.03.2019, 15:12 Uhr

    Jeder Veranstalter hat für geplante Veranstaltungen für Ordner zu sorgen, warum dann nicht auch Fußballvereine? Veranstaltungen die eine Gefärdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung vermuten oder erwarten lassen, können untersagt werden, warum dann nicht auch bei Fußballspielen? Und wenn man dann den Staat bemüht um die Sicherheit zu gewährleisten, muß man halt bezahlen. Und das Argument mit "zahlen ja auch Steuern" dürfte dem ein oder anderen Tränen in die Augen treiben, ob der Steuermodelle der Vereine und Spieler.

  • 19 Geht dich nichts an 26.03.2019, 13:12 Uhr

    Was? Zahlen Fußball-Vereine keine Steuern? Und was können die dafür, dass sich gewaltbereite Menschen zusammenfinden. Wenn es nicht beim Fußball passiert, passiert es sonst wo, liegt an der Zerstörerischen Natur des Menschen. Einfach traurig, wie jeder an das Geld von jemanden Ran will. Mir geht es um FUßBALL, nicht um schlägerein, die sowieso passieren, so oder anders.... Ein herber Rückschlag für den professionellen Sport!

  • 18 Hans Holte 26.03.2019, 12:56 Uhr

    Ich bin für Kostebeteiligung aber .. @".. wo ziehe man da die Grenzen für eine Kostenbeteiligung." An der Stelle hätte ich jetzt auch Probleme. Was liegt in der Verantwortung des Vereins, was in der Verantwortung der Gesellschaft?. Wie behandelt man einen Schützenverein im Vergleich zu einem Fußballverein?

    Antworten (1)
    • Atze 26.03.2019, 14:12 Uhr

      Wenn bei einem Schützenverein auch so ein gewalttätiges Verhalten mit der gleichen zerstörerischen Wut wie beim Fußball an den Tag gelegt wird, dann gehören die Schützen auch erheblich mehr zur Kasse gebeten. Wirt man aber nicht erleben behaupte ich mal.

  • 17 hoe'oe 26.03.2019, 12:27 Uhr

    Wenn die Vereine und die Ligen nichts bezahlen wollen, dann sollten Risikospiele auch mal wegen der Gefahr von Ausschreitungen verboten werden. Ich bin als Nicht-Fußballfan jedenfalls nicht bereit, weiterhin Polizeieinsätze zum Vergnügen anderer mitzubezahlen und den Umsatz von Profivereinen und -Ligen zu finanzieren. Das Geld wäre in Schulen und Straßen besser aufgehoben (zB für die Abschaffung der KAG bei örtlichen Straßenrenovierungen).