Überwachung von oben: NRW-Polizei setzt über 100 Drohnen ein

Überwachung von oben: NRW-Polizei setzt über 100 Drohnen ein

Bei der Kriminalitätsbekämpfung geht die NRW-Polizei ab 2021 nicht nur mit Hubschraubern in die Luft. Künftig sollen auch vermehrt Drohnen eingesetzt werden. Der Bund der Kriminalbeamten warnt vor allgemeiner Überwachung.

106 Drohnen sollen ab 2021 bei der nordrhein-westfälischen Polizei eingesetzt werden. Knapp eine Million Euro werde für die technische Ausstattung ausgegeben, teilte die Landesregierung am Montag in Düsseldorf mit. Es soll aber nicht flächendeckend jeder Streifenwagen mit dem fliegenden Überwachungsgerät ausgerüstet werden.

Innenminister Reul hält neue Polizei-Drohne in den Händen

Innenminister Herbert Reul (CDU)

"Drohnen machen die Arbeit der Polizei an vielen Stellen einfacher und erweitern ihre Möglichkeiten – gerade, wenn es um die Verfolgung von Tätern, die Aufklärung und Beweissicherung von Straftaten oder die Aufnahme von Verkehrsunfällen geht", sagte Innenminister Herbert Reul (CDU). Auf die Frage des WDR, ob die Drohnen auch bei Demonstrationen eingesetzt werden sollen, sagte der Minister, es komme immer auf die Situation an. Er könne nicht sagen, dass dies nie geschehen werde.

Geplant auch für Unfallaufnahme

Die per Fernsteuerung gelenkten Flugobjekte mit Kameras sollen laut NRW-Innenministerium unter anderem die Arbeit der Tatortvermessungsgruppe des Landeskriminalamtes erleichtern. Auch Verkehrsunfallaufnahme-Teams sollen mit Drohnen ausgestattet werden.

Digitale Verbrechensbekämpfung – Wie ermitteln Algorithmen? Planet Wissen 19.05.2020 58:11 Min. Verfügbar bis 20.11.2024 ARD-alpha

Zuvor waren die Drohnen in Pilotprojekten in Düsseldorf und Dortmund getestet worden, auch während der Coronakrise. Dabei war überwacht worden, ob sich entgegen den Coronna-Vorschriften größere Gruppen von Menschen versammelten. Dieser Einsatz stieß auf Kritik.

BDK gegen "allgemeine Bevölkerungsüberwachung"

Sebastian Fiedler

Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter

Man müsse das neue Instrument der Bevölkerung erklären, sagte Sebastian Fiedler vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK). "Damit die Leute nicht glauben, dass jetzt jeden Tag über ganz Nordrhein-Westfalen nur noch Drohnen der Polizei unterwegs sind." Vielmehr gehe es um konkrete Einsatzsituationen, bei denen auch bisher schon Hubschrauber eingesetzt worden seien.

Er habe sich bei den "Corona-Überwachungsmaßnahmen" in Düsseldorf und Dortmund "unwohl" gefühlt, sagte Fiedler. Die Polizei solle nicht die Aufgabe von Ordnungsämtern übernehmen, sondern bei ihren ureigensten Aufgaben bleiben. So könne der Drohnen-Einsatz der Polizei bei großen Verkehrsunfällen oder bei zu durchsuchenden Objekten helfen. Das müsse man aber trennen von "allgemeinen Ideen der Bevölkerungsüberwachung". Die seien hier nicht Thema und sollten es auch nicht sein, sagte der BDK-Chef.

Stand: 12.10.2020, 14:24

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