Wenig Zoff am Politischen Aschermittwoch in NRW

Armin Laschet (CDU) spricht in der Schützenhalle Lennestadt-Kirchveischede beim politischen Aschermittwoch des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der CDU.

Wenig Zoff am Politischen Aschermittwoch in NRW

Von Nina Magoley

  • Parteien laden zum Politischen Aschermittwoch in NRW
  • Tradition: Abrechnung mit der Konkurrenz
  • Viele ernste Themen in diesem Jahr

Stoff für Zoff und Seitenhiebe gibt es in diesem Jahr wohl genug. Vom Debakel der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen über die Führungskrise der Union, den Höhenflug der Grünen bis zur Debatte um den Klimawandel und seine politischen Konsequenzen. Über allem aber - das wird im Lauf des Tages klar - hängt das Entsetzen über die zunehmende rechtsextreme Gewalt. Eine schlechte Zeit für politischen Klamauk.

Die FDP läutete den Politischen Aschermittwoch in NRW schon am Mittag ein: Beim "Katerfrühstück" in Düsseldorf rät Bundesvorstandsmitglied Marie-Agnes Strack-Zimmermann den Parteimitgliedern, sich angesichts miserabler Wahlergebnisse nicht entmutigen zu lassen. Es sei "wie im prallen Leben: Wenn die Oma nicht mehr da ist, denkt man 'wie schön, wenn sie noch da wäre'". Ihrem Publikum scheint das Lachen allerdings eher im Hals stecken zu bleiben.

FDP verliest Namen der Hanau-Opfer

Der Olpener FDP-Bundestagsabgeordnete Johannes Vogel hatte zuvor seine Rede damit begonnen, die Namen der Opfer des rechtsextremen Anschlags von Hanau einzeln vorzulesen. Einen solchen Tag könne man nicht begehen, "ohne ihrer zu gedenken".

Auch den Grünen in der Kölner Comedia Colonia ist zunächst nicht zum Scherzen zumute. "Hanau war keine Zäsur, das war der traurige Beleg dafür, dass wir in einem Jahrzehnt des Rechtsterrorismus leben", sagt die Landesvorsitzende Mona Neubaur. Dann ehemalige Bundesvorsitzende Claudia Roth sagt, die Grünen seien heute, was vor 40 Jahren niemand für möglich gehalten hätte: Verfassungsschützer.

NRW: Politischer Aschermittwoch light

Zum Politischen Aschermittwoch fahren die Parteien ordentliche Geschütze gegeneinander auf. An diesem Tag ist eigentlich "Draufhauen" angesagt. Doch offenbar nicht in diesem Jahr.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Den Auftakt machte die FDP in Köln. Nicht wirklich viele Lacher kassierte Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ehemalige Bürgermeisterin von Düsseldorf. Ein Vergleich der FDP mit der "toten Oma", die man dann doch vermisst oder ein Zitat des verstorbenen Kollegen Jürgen Möllemann, der der FDP einst einen gehörigen Imageschaden zufügte, zündeten bei den Liberalen nicht.

Den Auftakt machte die FDP in Köln. Nicht wirklich viele Lacher kassierte Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ehemalige Bürgermeisterin von Düsseldorf. Ein Vergleich der FDP mit der "toten Oma", die man dann doch vermisst oder ein Zitat des verstorbenen Kollegen Jürgen Möllemann, der der FDP einst einen gehörigen Imageschaden zufügte, zündeten bei den Liberalen nicht.

Unter dem Motto "Jeck auf Grün" feierten die Grünen in Köln ihren Aschermittwoch. Die AfD sei das Sprachrohr der Rechtsterroristen, sagte Landeschefin Mona Neubaur, und demokratische Parteien dürften "niemals deren Stichwortgeber sein".

Die Grünen hätten "über die Jahre Ökologie und Ökonomie zusammengebracht", sagte die ehemalige Grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth. "Wir haben bewiesen, dass man mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben kann."

Immerhin: Als es auf der Bühne schließlich Livemusik gab, konnten die beiden Landesvorsitzenden der Grünen Felix Banaszak und Mona Neubaur (vorne) mit Claudia Roth und der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker doch noch schunkeln.

Die Mahnung vor rechten Bedrohungen zogen sich durch fast alle Aschermittwochsreden. "Es beginnt mit den bösen Gedanken, dann kommt das böse Wort, am Ende gibt es irgendeinen, der die böse Tat verübt", sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

Laschet plädierte für die Pendlerpauschale: "In Hamburg ist es intelligenter, nicht mit dem Auto zu fahren. Das geht im ländlichen Raum aber nicht. Man darf nicht mit dieser Arroganz in den Städten über den ländlichen Raum reden."

Sein Kontrahent Friedrich Merz dagegen hatte eine Einladung der thüringischen CDU zum Politischen Aschermittwoch angenommen. Dort wurde er frenetisch gefeiert. Thüringens CDU-Landespartei- und Fraktionschef Mike Mohring sagte, man setze auf Merz als Kandidaten: "Unsere CDU in Deutschland braucht einen personellen Neuanfang."

Etwas spitzzüngiger trat in Schwerte Norbert Walter-Borjans auf dem Aschermittwochstreffen der SPD auf. So ätzte er gegen NRW-Ministerpräsident Armin Laschets Entscheidung, für den Partievorsitz zu kandidieren: "Und was sagt uns Armin: Na, wenn ich Ministerpräsident von NRW nicht kann, dann werde ich eben Bundeskanzler".

CDU: Eigenwerbung und zufriedene Bilanz

Die CDU trifft sich traditionell im sauerländischen Lennestadt-Kirchveischede. Dort sollte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am frühen Abend eine launige Rede halten.

Tatsächlich aber hält er eine Wahlkampfrede - weitgehend ohne komische Höhepunkte. Zu den giftigsten Bemerkungen gehört noch, dass die Grünen statt über Politik nur noch über den Dreitagbart von Robert Habeck reden würden, der gerne "poetisch redet, dass mancher denkt 'was will er uns sagen?'".

Die Grünen hätten keine Antworten zur Zukunft der Industrie, wären aber bei jeder Bürgerinitiative dabei. "Das", ruft Laschet in den Saal, "müssen wir entlarven".

Mit Blick auf die AfD und angesichts von drei rechten Terroranschlägen in neun Monaten sagt Laschet, man müsse "alles dafür tun", dass die, die Worte dazu liefern, "möglichst aus den Parlamenten verschwinden".

Kein Wort über Friedrich Merz

Er arbeitet sich dann an den aktuellen Themen seiner Partei ab: Die Nöte der Industrie und die "Häme", mit der über Autozulieferer in NRW geredet würde. Er lobt seine Entfesselungspakete und die Pendlerpauschale, seinen Innenminister Herbert Reul, der "handelt und nicht drumherum redet" und seinen Finanzminister, der es schaffe, in NRW keine neuen Schulden mehr zu machen. Kein Wort über seinen Kontrahenten beim bevorstehenden Kampf um den Parteivorsitz, Friedrich Merz.

Einzig SPD-Chef Norbert Walter-Borjans wird beim Aschermittwochstreffen seiner Partei in Schwerte etwas bissiger. Er bezeichnet das Rennen um den künftigen CDU-Vorsitz als ein "Schaulaufen der Eitelkeiten". Laschet kommentiere nur die Welt, statt gewissenhaft zu regieren. "Lasst uns Deutschland vor diesem Hütchenspieler bewahren und spätestens 2023 NRW davon erlösen", ruft "Nowabo". Die SPD hatte in das Lokal Freischütz nach Schwerte geladen.

Politischer Aschermittwoch: Pro und Contra

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 26.02.2020 02:21 Min. Verfügbar bis 25.02.2021 WDR 5 Von WDR 5

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Stand: 26.02.2020, 20:30