Millionen-Poker um Kraftwerk Datteln 4

Millionen-Poker um Kraftwerk Datteln 4

Von Stefan Lauscher

  • Der Poker um den Kohleausstieg geht weiter
  • Uniper bietet angeblich an, alle alten Kohlekraftwerke abzuschalten
  • Dafür soll Kraftwerk Datteln 4 ans Netz gehen dürfen

Seit 2007 wird in Datteln gebaut. Nach schier endlosen genehmigungsrechtlichen und technischen Problemen scheint jetzt alles klar zu sein für die Inbetriebnahme. Wäre da nicht der geplante Kohleausstieg in Deutschland bis 2038. Jetzt bietet Kraftwerksbetreiber Uniper angeblich einen Deal an: Der Konzern könnte bereit sein, alle alten Uniper-Kohlekraftwerke abzuschalten, wenn im Gegenzug Datteln ans Netz geht.

Ist so ein Deal denkbar?

Die Zeit der Kohlekraftwerke geht zu Ende. Das weiß auch Uniper. Und genauso klar ist, dass bei einem beschlossenen Kohleausstieg die Kraftwerksleistung nicht steigen darf, sondern abnehmen muss. Datteln 4 ist ein Megakraftwerk mit 1052 MW Leistung. Mindestens so viel Leistung müsste Uniper also an anderer Stelle als Kompensation vom Netz nehmen.

Könnten alle restlichen Kohlekraftwerke von Uniper vom Netz gehen?

Unwahrscheinlich. Uniper betreibt in ganz Deutschland derzeit fünf Steinkohlekraftwerke:

  • Petershagen
  • zwei Blöcke in Gelsenkirchen-Scholven
  • Staudinger bei Hanau
  • Wilhelmshaven
  • plus das Braunkohlekraftwerk in Schkopau, Sachsen-Anhalt.

Gesamtleistung: gut 3700 MW.

Kraftwerk

Kraftwerk Gelsenkirchen-Scholven

Die sind aber nur zu etwa 25 Prozent ausgelastet (= gut 900 MW). Als Kompensation für eine Inbetriebnahme von Datteln (1052 MW) käme so ein Deal also in etwa hin. Trotzdem wird Uniper nicht auf einen Schlag alle Kohlekraftwerke vom Netz nehmen (können). U.a. weil einige auch Fernwärme liefern. Im Detail bleibt also noch viel zu verhandeln.

Was sagt Uniper?

Nichts. Nur, dass man sich zu laufenden Gesprächen mit der Bundesregierung nicht äußern wolle. Tatsächlich stellt sich aber auch für Uniper die Frage der vorzeitigen Stilllegung von Kohlekraftwerken; und zwar aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die Kohlekraftwerke sind – siehe oben - im Jahresdurchschnitt nur zu etwa 25 Prozent ausgelastet, die Klima-verträglicheren Gaskraftwerke sogar nur zu 1 Prozent. Schneller raus aus der Kohle könnte für Uniper also bedeuten: Bessere Auslastung der eigenen Gaskraftwerke.

Was wäre die beste Lösung fürs Klima?

Ministerpräsident Laschet setzt sich für eine Inbetriebnahme von Datteln 4 ein. Sein Argument: Der Staat spart sich Entschädigungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Und: Ein neues Kraftwerk ist sauberer als die alten.

Beides ist falsch! 1,5 Milliarden: Das ist die gesamte Bausumme von Datteln 4. Davon hat Uniper ausweislich der Geschäftsberichte schon etwa 800 Millionen Euro abgeschrieben. Eine Entschädigung – wenn sie gezahlt werden müsste – wäre also deutlich geringer.

Und zur Umweltverträglichkeit: Experten rechnen mit einer hohen Auslastung von Datteln 4, unter anderem, weil es etliche alte Abnahmeverträge gibt - zum Beispiel mit der Bahn. Geschätzter Schadstoffausstoß von Datteln: Etwa vier Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Der CO2-Ausstoß der Bestandskraftwerke liegt aufgrund der schlechten Auslastung in etwa gleicher Höhe. Da die aber nur nach und nach stillgelegt werden können, würde es mit einer Inbetriebnahme von Datteln 4 zumindest vorübergehend zu einer höheren CO2-Last führen.

Energieexpertin zu Kraftwerk in Datteln: "Nicht ans Netz nehmen"

WDR 2 13.11.2019 04:02 Min. Verfügbar bis 12.11.2020 WDR Online

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Stand: 08.01.2020, 16:43