Was ist aus den Piraten in NRW geworden?

Ein Mitglied der Piraten-Partei mit einer Partei-Fahne

Was ist aus den Piraten in NRW geworden?

Von Gabriele Kraiczek

  • Was ist aus den Piraten in NRW geworden?
  • Michele Marsching ist jetzt Parteichef
  • Großer Andrang beim Parteitag

Vor einem halben Jahr endete der märchenhafte Aufstieg der Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen ohne Happy-End. Die einst bundesweit größte Fraktion in einem Landtag wurde vom Wähler bei der Landtagswahl durch Nicht-Beachtung abgestraft. Die Piraten mussten aus dem Parlament in Düsseldorf ausziehen.

Viel Selbstkritik

Mit viel Selbstkritik haben die Piraten ihre Wahlniederlagen bei Landtags- und Bundestagswahl diskutiert: Die Vermittlung der Themen auf der Straße, die Ansprache der Wähler, das ganze Konzept habe nicht funktioniert, sagt Dennis Deutschkämer, Ex-Landeschef der Piraten in NRW.

Er hat als Mitarbeiter der Landtagsfraktion gearbeitet: "Das war die größte Ehre, die mir widerfahren ist. Dort zu arbeiten, die Würde des Hauses zu fühlen, fand ich unglaublich. Die coolste Tätigkeit, die ich je gemacht habe." Heute ist der 29-Jährige wieder IT-Administrator in einem Unternehmen.

Manche Mitarbeiter noch auf Jobsuche

Von den rund 80 Fraktionsmitarbeitern haben einige Anschlussverträge in anderen Fraktionen oder landesnahen Instituten bekommen. Andere sind noch auf Jobsuche. Die meisten der 20 Abgeordneten arbeiten wieder in ihren alten Berufen. Eine Abgeordnete ist ins Schulministerium gerufen worden.

Michele Marsching

Michele Marsching vermisst den Landtag

Viele Piraten, die für eine neue, unkonventionelle, direkte Politikform warben, vermissen die traditionelle Arbeit im Parlament. So auch der ehemalige Fraktionsvorsitzende Michele Marsching: "Mir fehlt es auch. Ich hab das Problem, dass ich zu vielem gerne etwas sagen würde, aber nicht mehr gehört werde."

Der Saal war zu klein für die Piraten

In der nordrhein-westfälischen Piratenpartei hat Marsching wieder offene Ohren gefunden. Er ist frischgewählter neuer Landesvorsitzender. Ein Amt, das er schon einmal inne hatte.

Auf dem Parteitag am Samstag (02.12.2017) waren die Piraten über sich selbst überrascht: Es waren rund 140 Mitglieder gekommen, der Saal war zu klein, zu wenig Stühle da. Dabei ist das Märchen von den Piraten doch eigentlich zu Ende, oder?

Für Joachim Paul, erster Fraktionschef der Piraten im Landtag, ist die Parteigeschichte noch nicht abgeschlossen: "Ich weiß nicht, ob das Märchen zu Ende geht. Viele Ideen der Piraten sind ja von anderen übernommen worden."

Auch Piratin Leonie Tonsen setzt auf Fortsetzung: "Die Frage ist für uns weniger, wie geht das Märchen wohl zu Ende, und sind wir auf der Gewinnerseite, sondern wie können wir anpacken und die Gesellschaft verbessern."

Die Piraten geben sich nicht auf. Und da sie nicht gestorben sind, arbeiten sie jetzt einfach weiter…

Was wurde aus den NRW-Piraten

WDR 5 Westblick - aktuell | 06.12.2017 | 03:34 Min.

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Stand: 06.12.2017, 17:38