NRW-Wirtschaftsminister will Windkraft verdoppeln

NRW-Wirtschaftsminister will Windkraft verdoppeln

Von Jürgen Döschner

  • Überraschende Kehrtwende
  • Rund 400 neue Windräder pro Jahr
  • Ökostrom-Anteil in NRW soll stark zunehmen

Nordrhein-Westfalen ist Energieland Nummer eins – hier wird rund ein Drittel des deutschen Stroms verbraucht und auch produziert. Aber bei der Energiewende ist NRW weit abgeschlagen – statt knapp 40 Prozent Ökostrom, wie im Bundesdurchschnitt, produzierte NRW 2018 gerade mal 13 Prozent seines Stroms aus Wind und Sonne - kaum Veränderung gegenüber 2015, da waren es 12,3 Prozent.

Ökostrom-Offensive

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kündigte im WDR eine Ökostrom-Offensive an. Unter anderem sollen die Windkraft-Kapazitäten in den nächsten fünf Jahren verdoppelt werden. "Die Gesamtmenge an Windkraft, die in den letzten Jahren aufgebaut worden ist, werden wir in den nächsten fünf Jahren noch einmal verdoppeln", erklärte er.

NRW will Windkraft verdoppeln: "Wünschenswert, aber sportlich"

WDR 5 Morgenecho - Interview 25.03.2019 05:20 Min. WDR 5

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"Und wir werden darüber hinaus die Photovoltaik und die anderen Formen wie Geothermie erheblich ausbauen", so Pinkwart weiter, "damit Nordrhein-Westfalen seinen bislang noch geringen Anteil der Erneuerbaren von 13 Prozent an der gesamten Strommenge, die wir erzeugen, in den nächsten Jahren deutlich erhöhen kann."

400 Windräder pro Jahr

Derzeit gibt es in NRW Windkraftanlagen mit einer Kapazität von rund 5.800 Megawatt. Eine Verdoppelung hieße: Bis 2023 müssten jährlich 1.200 MW aus Windkraft neu ans Netz gehen.

Das bedeutet, es müssten mindestens 400 neue Windräder gebaut bzw. alte Windräder durch leistungsstärkere ersetzt werden. Zum Vergleich: Im letzten Jahr wurden in NRW gerade einmal 110 Windkraftanlagen gebaut bzw. aufgerüstet.

Ein ehrgeiziges Vorhaben – und das mit Abstandsregel und anderen Einschränkungen für die Windkraft. Pinkwart sieht darin kein Problem. Er verweist auf bereits genehmigte Anlagen, die nur noch gebaut werden müssten.

Es gebe außerdem genügend Flächen, "die sich mit den Interessen von Mensch und Umwelt vereinbaren lassen", so der Wirtschaftsminister. Und schließlich setze er stark auf das sogenannte Repowering. "Hier werden wir in den nächsten Jahren viele Anlagen erleben, die erneuert werden und dann eine viel höhere Leistung haben, als sie es zum Zeitpunkt des damaligen Baus hatten", so Pinkwart.

Beitrag zum Kohleausstieg

Erstaunliche Worte aus dem Mund des Wirtschaftsministers. Vor wenigen Wochen noch hatte er eine Verschiebung des Kohleausstiegs über 2035 hinaus ins Spiel gebracht, sollte bis dahin nicht genügend grüner Strom zu akzeptablen Preisen zur Verfügung stehen.

Im Gespräch mit dem WDR äußert sich der FDP-Politiker wesentlich zuversichtlicher – auch, was die Rolle von NRW angeht. Deutschland werde bis 2030 das Ziel von 65 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erreichen, so Pinkwart, und NRW werde dazu "einen wesentlichen Beitrag leisten".

Stand: 25.03.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

26 Kommentare

  • 26 Martin Franz 25.03.2019, 21:11 Uhr

    Ist der Wirtschaftsminister von allen guten Geistern verlassen? Es ist unfassbar. Wie kann man solch einen Blödsinn ernsthaft fordern? Die Erzeugung el. Energie aus Windkraft ist einer der größten Irrwege des Jahrhunderts. Der Strom aus einer WKA ist nunmal nicht nutzbar und belastet nur die Netze. Verdienen tun nur einige Wenige, alle Anderen dürfen diesen Schwachsinn teuer bezahlen.

  • 25 Ralf Henske 25.03.2019, 19:43 Uhr

    Ist schon interessant. Kaum "schwänzen" die Kinder und schon kommt die Politik in die Puschen. Weiter so.

  • 24 hanns schmitz-lenders 25.03.2019, 19:18 Uhr

    nur 2 fragen: - warum werden die bereits genehmigten anlagen nicht gebaut? - wie bekommen sie die grundstücke, die baugenehmigungen und die inbetrieb- nahme für 400 neue anlagen in einem jahr organisiert? zusatzfrage: - kann es sein , daß sie bereits wieder im wahlkampfmodus sind?? mfg h. s.-l.

  • 23 A. Mustermann 25.03.2019, 18:59 Uhr

    Binnen 5 Jahre? Ambitioniertes Vorhaben, hat da der Herr Minister! Wie möchte er das Repowering weiter vorantreiben, wenn die bestehenden Anlagen innerhalb der aktuellen gesetzlichen Pufferzonen liegen? Werden nun Gesetze (wieder) verändert und u.a. Siedlungsabstände vermindert? Wie will er die emotionell gesteuerten Windenergiegegner aufklären? Werden nun Hauptverursacher von Insektensterben und zugleich Grundstückeigentümer für Wind-Pachtverträge (sprich konventionelle Landwirte = Wählerstimmen!) stimuliert nachhaltiger ihr Land zu bewirten und zugleich mehr Fläche für Windkraftanlagen zu Verfügung zu stellen? Für den Landwirt hieße dies de facto weniger Agrar-Ertrag. 5 Jahre? Verdopplung? Solange die Gesetzeslage, Gewinnumverteilung und gesellschaftliche Akzeptanz sich nicht ändern behalte ich meine Zweifel. Es bleibt schwer eine Wende herbeizurufen. Bis dies geschieht verballern wir weiterhin Energie aus bestehenden erneuerbaren Energien, fossilen Brennstoffe und Atom weiter.

  • 22 Andreas Zimmermann 25.03.2019, 17:53 Uhr

    Wer es glaubt wird selig! Windkraft und FDP ist in etwa dasselbe wie Feuer und Wasser!! Minister Pinkwart müßte dazu erst einmal neue Windkraftvorranggebiete ausweisen( 2% der Landesfläche) und nicht wie gerade geschehen die Mindestabstände der Anlagen zur Wohnbebauung vergrößern. Er spricht von Repowering aber auch dazu müßte es Unterstützung durch die Politik geben. Er spricht die genehmigten Anlagen an-das hat aber Rot-Grün in die Wege geleitet und wird nach Kräften vom Wirtschaftsministerium behindert. Also viel Bla-bla, da wird am Ende nicht viel herrauskommen-LEIDER!!!!!!

  • 21 Grünewald 25.03.2019, 17:36 Uhr

    Wie will er denn erreichen, dass in diesem Maße ausgebaut wird?

  • 20 Christina Blum 25.03.2019, 17:35 Uhr

    Windkraft... wer es genau weiß und mit Fachleuten aus der Windkraft-Branche gesprochen hat (solange diese ehrlich gesprochen haben) weiß daß es alles ein sehr gutes Geschäft ist, angefangen von den Herstellern bis zu den Eigentümern der Grundstücke auf denen sie stehen. Leider sind diese oft zu schnell von dem grossen Geld geblendet und erkennen nicht was es für Auswirkungen auf den Wert der Häuser in der Nähe hat. Hinzu kommt das Kleingedruckte in den Verträgen... wer entsorgt die Anlage denn wenn sie nicht mehr funktionsfähig sein sollte? Es ist ein Trauerspiel daß unsere Regierung sich nicht um unser Wohl und das der Natur kümmern sondern um Profiteure und ihre Amtszeit. Das ist einfach nur enttäuschend.

  • 19 Klaus 25.03.2019, 17:19 Uhr

    Erst mal bauen, ohne effektive Speicherung! Ob das der richtige Weg ist? Lobby leistet in unserer Lobbygesteuerten Politik gute Arbeit!

  • 18 Andreas 25.03.2019, 17:18 Uhr

    Wie viel Landschaft soll denn noch verschandelt werden. Unser Niederrhein ist jetzt schon unansehnlich geworden. Überall diese riesigen Windräder . Von Kamp-Lintfort nach Aldekerk, Alpen,Issum, Kevelaer. Die ganze Landschaft ist dahin. Dazu kommt wahrscheinlich noch weiterer Kiesabbau. Mondlandschaften mit Propeller. Der Mensch braucht auch Natur. Die Vögel aber auch. Wenn man an der Mosel wohnt, da sieht man keine Windräder. Aber kommt man in die Eifel und in den Hunsrück, ist auch alles verschandelt mit den Dingern. Hier am Niederrhein: Oben Windpropeller, unten Gift auf den Feldern. Immer weiter so. Um den immens großen Energiebedarf decken bedarf es eben auch große Kraftwerke. Fazit: Die Lichtvermutzung abstellen. Riesige Leuchtreklamen verbieten. Verzicht üben. Auch mit dem so geliebten Smartphon. Aber der Mensch will ja alles und immer auch digital haben.

  • 17 Paul Müller 25.03.2019, 16:52 Uhr

    Das hier hat mit der Energiewende nichts zu tun. Dass dafür die Windkraft der falsche Weg ist, sollte langsam auch der Dümmste kapiert haben. Hier geht es unserem FDP-Minister nur darum, den Investoren den fetten A.... zu schmieren und für die landeseigenen Flächen dicke Pachten zu kassieren.

  • 16 Cees 25.03.2019, 16:27 Uhr

    WKA umweltfreundlich? Keineswegs!Die Belastung für die Anwohner, die Natur und die Landschaft ist enorm. Warum weist eigentlich niemand darauf hin, dass für die Fundamente dieser Anlagen enorme Mengen Beton produziert und angeliefert werden müssen? Für den Beton müssen auch Naturschutzgebiete weichen, wenn sie ausgekiest werden müssen oder auch der Teutoburger Wald nach und nach zerstört werden, weil er für die Kalkgewinnung benötigt wird.